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Full text of "Die Lilie-eine mittelfraenkische Dichtung in Reimprosa"

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Deutsche Texte des Mittelalters 



> 



herausgegeben 



von der 



Koniglich Preufiischen Akademie der Wissenschaften. 



Band XV. 



Die Lilie 



BERLIN 

Weidmannsche Buchhandlung 

1909. 



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eine mittelfrankische Dichtung in Reimprosa 



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und andere geistliche Gedichte 



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aus der Wiesbadener Handschrift 



herausgegeben 



von 



Paul Wttst 



Mit einer Tafel in Lichtdruck 



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BERLIN 

Weidmannsche Buchhandlung 

1909. 



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Sinleitung. 



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. Ztwr Literatur. 

Als Hoffmann von Fallersleben am 6. Februar 1851 aus Bingerbriick 
an Freiligrath schrieb: „Ich habe writer keine grofie Bibliothek in der Nahe als 
die Wiesbadener, und die ist im Fache der deutschen Literatur sehr arm u 2 \ hatte 



er vermuilich den Ausflug nach der Herzoglich Nassauischen Landesbibliothek 
gerade hinter sich, bri dem er nur eine altdeutsche Handschrift von literarischem 
Werte — srin Spiirsinn hat ihn grade auf die einzige altere derart in dem kleinen 
Handschriftenschatze gefiihrt — hatte auffinden konnen : unsere Us. 68. Hoffmann 
hat seine Notizen unter dem Titel 'Die geis (lichen Lilien' (wohl nach 8 18. 6129) 
in Pfeiffers Germania III (1858), S. 56 — 58 veroffentlicht und hierbri I1—13, 
3 6—10, 4 5—12, 20 u—12, 61 12—20, Gm. 163—194, Warn. 42—50 (SMufi) unseres 
Textes abgedruckt. 8 ) Hoffmanns — freilich sehr kurze — Beschreibung der Hand- 
schrift ist im wesentlichen richtig, doch ist ihm entgangen, dafi die 'Lilie' auf 
Bl. 115 r (nach seiner Zahlung Bl. 113 a) schliefit, und dafi die folgenden Blatter 
selbstandige Stiicke enthalten: er glaubte, die 'Lilie' erstrecke sich uber die ganze 
Handschrift. 

Die Notiz Hoffmanns mit ihrer richtigen Datierung der Handschrift (s. u. 
S. VI) ist unbeachtet geblieben; der schlechte Katalog van der Lindes (Die Hand- 
schriften der Koniglichen Landesbibliothek in Wiesbaden, 1877) setzt S. 129 



*) AbkUrzungen bei Anfuhrung von BeHegsteUen: 
A. mU folgender Seiten- und ZeUenzahl bezicht sich auf den Anhang (Predigt Uber die 

Lilie) 8.75ff. 
BL mit folgender Verszahl bezieht sich auf Die drei Blumen dee Paradieses 8. 64 f. 



Gm. 
Schm. 



n n n n n n 

n n n n n n 



Dae himmlische Oastmahl S. 68 ff. 

Der dreifache Schmuek der seligen Jung- 

frauen 8.66f. 
Warn. „ „ „ „ n „ Warnung vor der S&nde 8. 73 f. 

Emfache Seiten- und ZeOenzahl bezieht sich auf Die Lilie 8. Iff. 

>) Deutsche Rundschau vom 15. 5. 1906, 8. 281. 

*) Ich habe die wenigen Besserungen Hoffmanns im Apparat verzeichnet ; er hat aufierdem 
zwei Lesefehler: Di Chn. 178; born Chn. 188. Eine Ergdnzung habe ich Qm. 188 von ihm akseptierU 



ItaitMlie T«xtt to MittoUltoit XT. 



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Eirdeitung. 



'15. Jakrh.' an und weifi nur noch zu berichten: 'Der Text, erbauliche Poesie, 
wurde schon ofter durch Hoffmann von Fallersleben ausgebeutet: '*) 

Damit ist die Literatur iiber unsere Handschrift als solche bereits erschopft. 
Dock nicht die fiber ihren Ink alt 

In der 'Rede von den XVGraden', aus der W. Dolfel Germ. VI, 144—160 
nach der vermutlich aus Camp bet Coblenz stammenden Prager Hs. des 14. Jahr- 
hunderts Ausziige mitgeteilt hat, sagt der Verfasser: 'wan dat haven wir in der 
lilien vollichere gesprochen' (a. a. 0. S. 144). Wahrend Dolfel hieraus nicht 
schliefien wollte, da/3 Hoffmanns l geistliche Lilien 9 denselben Verfasser hdtten wie 
die 'Rede', nahm Pfeiffer (a. a. 0. S. 145 Anm.) als zweifellos an, dafi der Verf. 
der 'Rede 9 auf ein von %hm fruher verfafites WerTc, eben 'Die geistlichen Lilien 9 , 
hatte verweisen wollen. Denn eine weitere 'Lilie 9 war und ist nicht bekannt. Pfeiffers 
Vermutung gewinnt auch schon bei einer oberfldchlichen Vergleichung der beiden 
StucJce an Wahrscheinlichkeit. Beide haben grofie Ahnlichkeit in Gedanken, Stil, 
Technik des Reimes, Reimprosa, Sprache. Heinzel (Geschichte der niederfrankischen 
Geschaftssprache S. 254) weist den 'Traktat von den XV Graden 9 seiner Mund- 
art III (alter e kolnische Mundart), ebenda S. 286 'Die geistlichen Lilien 9 Hoff- 
manns der Mundart IV (jiingere kolnische) zu; S. 356 gar der Mundart VI 
(jungere JEntwicklung von IV), allerdings mit dem Zusatz: „vielleicht . . ., wenn 
nicht IV" — obgleich er fur den 'Traktat 9 das 14. Jahrhundert, fur die 'Lilie 9 
das 13. ansetzt. Die Unvollstandigkeit des Materials gestattete eben keine genauere 
Bestimmung. Sie wird nun, auch in anderer Richtung, moglich sein. Zudem recht- 
fertigt sich die Ausgabe durch den formalen, sprachlichen und literarischen Eigenwert 
der Hs. Ich werde ihn hauptsdchlich fiir das zweite Moment zu erweisen versuchen. 
Ist er, unter dem letzten Gesichtspunkte betrachtet, geringer, so scheint Hs. 68 
dock tcenigstens fiir die Geschichte der alteren deutschen Mystik nicht belanglos. 

Es wird Aufgabe der Spezialforschung sein, besonders die 'Lilie 9 einem 
gr 6 per en literarischen Zusammenhange einzugliedern : speziell ihr Verhdltnis zu 
der geistlichen Blumensymbolik und -allegorie hauptsachlich der lateinischen 
Literatur des Mittelalters und weiter zu der Blumenpoesie der Erbauungswerka 
in deutscher Sprache genauer zu bestimmen. Hierbei tvird die Rolle, welche Lilien- 
oder Rosenallegorie iiberhaupt in der geistlichen Kultur des Mittelalters spielen, 
nicht aufier acht bleiben diirfen* 




*) Das hat dann weiterhin F.W.E. Both in seiner 'Geschichte und Beschreibung der 
Koniglichen Landesbibliothek in Wiesbaden, nebst einer Geschichte der Klosterbibliotheken 
Nassaus\ 1884, S. 15. 17 zu den irrigen Bemerkungen verleitet: 'Hs. 68, 15. Jahrh., wichtig fur 
niederdeutsches KirchenUed' ; 'Hoffmann . . . beuteie den niederdeutschen Irihalt von Ms. 68 fur 
deutsches Kirchenlied aus 1 — ich wenigstens habe die beiden Auflagen der 'Geschichte des 
deutschen Kircherdiedes bis auf Luther s Zeit ' vergeblich durchsucht. 

" Vgl. aufier den bekannten theologischen Realworterbuchem von Riehm, Perthes, Winer, 
ZeUer und Kraus de Genlis, La botanique historique et UtUraire (Paris 1810), S.167f.; 
Joret, Les plantes dans VantiquitS et au moyen age. Histoire, usages et symbolisme (Paris 
1904 f.) als die am ndchsten liegende Literatur. 



EinUitung. 



Ill 



Durch die ganze deutsche mystische Literatur sind geistliche Blumen- oder 
Baumallegorien zahlreich verstreut: ich verweise, als auf gelegentliche, leicht zu 

vermehrende Funde, auf Sense (Leben, Kap. XII: Hose, Viole, Lille werden wie 
in Bl. nebeneinandergestellt ; vgl. aueh die S telle vom geistlichen Bliihen im 



Grofien Briefbuch Kap. 9 *)), sowie auf die dem Kreise der Eckehartpredigten nahe 



stehende Baumallegorie , die Ad. Spamer, Beitr. 34, 405, Anm. 1 erwahnt. Zu- 
sammenhangende Trahtate hingegen nach Art unserer Lilienallegorie scheinen 
weniger bekannt; ich wufite nur die von Zacher, Zs. f. d. A. 2, S. 356 f abgedruckte 
mittelniederlandische Predigt aus der Maastrkhter Gegend mit der tlberschrift 
Dets wie sich got gelict eenre blumen zu nennen, wenn mir nicht noch Herr 
Dr. Adolf Spamer (Munchen) in einer in Milnchener Privatbesitz befindlichen 




Handschrift die an Matth. 6,28 angekniipfte Lilienpredigt naehgewiesen hatte 
welche ich im Anhang (S. 75 ff.) abdrucken durfte. 



§2. Die Her torn ft der Hs. 68. 

Hoffmann von Fallersleben bemerkt a. a. 0. S. 56, die Hs. stamme 'nach 
der Meinung des Herrn Bibliotheksekretdrs Ebenau wahrscheinlich aus Kloster 
Eberbach, einer Cistercienser • Abtei im Bheingau 9 . Im 'Catalog der offentlichen 
Bibliothek zu Wiesbaden 9 , Erstes Heft, Wiesbaden 1823 ist unsere Hs. noch nicht 
verzeichnet. Da die letzten Eberbacher Biicher 1820 der Wiesbadener offentlichen 
Bibliothek einverleibt wurden [vgl. G. Zedler, Die Auflosung der nassauischen 



Klosterbibliotheken (Annalen des Vereins f. nassauische Altertumskunde 30, 216)] 



> 



so haben wir es jedenfalls nicht mit einer Eberbacher Hs. zu tun, zumal da 
von einer der gr often farbigen Signaturen auf dem Biicken des Einbandes, die 
„noch heute das beste, manchmal freilich verschwundene , aufiere Erkennungs- 
zeichen der Eberbacher Biicher" sind (Zedler a. a. 0. S. 209), keine Spur zu 
bemerken ist. Auch in dem von 1502 datierten genauen Katalog der Eberbacher 
Bibliothek in dem handschriftlichen Eberbacher Kopialbuch Oculus memoriae 
Bd. 2 (Wiesbaden, Kgl. Staatsarchiv U. 13. Kloster Eberbach, Protokollbflcher 



Nr. 2, B. B.), Bl.95 r -101* — nach G. Zedler s Mitteilung der einzige alter e 
verla/Sliche Katalog aus Nassau — ist keine Nummer zu finden, die auf die 
Hs. 68 pafite. Aus welcher der iibrigen 16 nassauischen Klosterbibliotheken (vgl. 
Zedler a. a. 0. S.220), die allein fiir die unmittelbare Herkunft der Hs. 
in Frage kommen, unser Band stamme, mufi vorldufig dahingestellt bleiben. 
Ausscheiden diirften wohl aufier Eberbach die Kloster, deren Hss. meist durch 
aufiere Kennzeichen leicht erkennbar sind, wie Schonau im Einrich, an das zu 
denken man deshalb geneigt ist, weil von dorther einige deutsche Hss. erbaulichen 
Inhalts, die meisten auch in ripuarischer Mundart, in die Wiesbadener Bibliothek 
gelangt sind: sie sind jedoch jiinger, 1821 bereits eingereiht (Zedler a. a. 0. S.217) 
und zeigen aufien und innen die Schonauer Signaturen und Eintrdge. Hingegen 
darf vielleicht an die Bibliothek der alten Pramonstratenserabtei Arnstein an 



*) BiMmeyer S. 33 f. 433 f. und sein Glossar s. v. lilie. 



a* 



IV 



Einleihmg. 



der unteren Lahn gedacht werden, die 1824 zum Teil nach Wiesbaden ham. 



Dock 



ist audi hier ein Fragezeichen nbtig, denn die meisten — freilich nicht alle 
Arnstemer Hss. tragen ebenfalls einen alien Vermerk. Indes scheint mir der 
nichtssagende Eintrag „Handschrift" in alteren Schriftzugen auf der Innenseite 
des Vorderdechels von Hs. 68 auf die Tatigkeit des Bibliothehsleiters Weitzel zu 
deuten, der 1824 das Jeder Kritik spottende Verzeichnis" der Arnsteiner Bibliotheh 
anlegte und hierbei gewohnlich nur „altes Manuskript auf Pergarnent" inven- 
taritierte (Zedler a. a. 0. S. 218 f). 



Ob die Hs. 68 tvie die des verwandten 
Trahtats von den 15 Graden aus dem gleichfalls nassauischen Camp stammen 
honnte, mufi eine bio fie Vermutung bleiben; Hss. dorther besitzt die Wiesbadener 
Bibliotheh sonst nicht, nur solche aus dem benachbarten Bornhofen. 



§3. 



Beschreibwnff. 



Handschrift 68 der Nassauischen Landesbibliotheh zu Wiesbaden ist 
ein hleiner, 4,5 cm dicker Holzband, der mit braungelbem Leder Uberzogen ist und 



dessen Deckel mit je 5 hreuziveis geordneten eisernen Ziernageln geschmiickt sind. 
Der Mnband mag aus dem 14. Jahrhundert stammen, denn die Innenseiten sind 
mit BruchstUchen einer auf Pergarnent in Schwarz und Minium ausgefuhrten 
Neumenhandschrift dieser Zeit behlebt, wobei am Ruchendechel ein 8,5 cm hohes 
und 




cm breites Stiich einer jedenfalls von ein em Angelsachsen vielleicht gegen 
1100 geschriebenen lateinischen Pergamenthandschrift (Aufzahlung biblischer Biicher ?) 
untergelegt wurde. 

Die Hs. besteht aus 16 Lag en zu je 8 Blattern = 128 Blattern Perga- 



rnent (Hohe und Breite 10 




8 cm) 



> 



doch sind Bl. 1 und 2 herausgeschnitten bis 



auf zwei schmale Innenstreifen. Es sind noch sichtbar: 



Bl. l r : 



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14 



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) Indices fbr den Rubrikator. — Kursive Lettern bedeuten, dafi die Buchstaben nur 



teilweise lesbar Bind. 



Einleitung. 



V 



Da die 'Lilie', das erste Stuck, 63 5 f. mit den Worten schliefit: An deme 



ich dit were began, dat weres du, an deme ich it och enden, gflde sflze live 

Jhesu, so wird die Initiate auf Bl. l r jeden falls das Wort Jhesus geschmiickt 
haben, welches somit als An fang der Dichtung erschlossen ist. Die Einleitung 
hat bis Bl.2 v , Zeile 13 gereicht und, nach den iiberleitenden Worten von Bl 3 r : 
dieser lilien (ll), vermutlich eine zunachst aufiere Beschreibung der Lilie und 
ihrer Telle enthalten; die Miniumuberschrift fur den neuen Abschnitt mufi am 
oberen Bande von BL 2* gestandm haben; nach dem al hie Bl.2 9 , Zeile 13 zu 
schliefien, hat der zweite Abschnitt Zeile 14 begonnen. Die letzten Worte auf Bl. 2 V 

mogen etwa gelautet haben: Mich leret nu Jhesus unse su [3 r ] ze Got usw. 

Die letzte Lage war ursprunglich urn 2 Blatter starker: zwischen dem 
1. und dem 2. Blatte der Lage, 121 und 122, liegt noch ein Falz mit Spuren einer 
Liniierung, wie sie auf alien Seiten der Hs. iiblich ist; wahrend die zum Heften 



dienenden Pergamentstreifen bet der ersten und letzten Lage (nach BUM 8 und 
vor 121) zum Bt$chbindermaterial gehoren, hangt jener mit 128 zusammen, und ein 
gleicher nach 128 korrespondiert mit 121. Wahrend zwischen 121 und 122 keine 
Liicke im Text sich findet (vgl. Gm. 90), ist mit 129 die Fortsetzung der Warn, 
weggeschnitten. Dies war schon im 15. Jahrhundert geschehen, denn die Mitte des 
oberen Bandes von 128 9 tragt in blafibrauner Schrift dieser Zeit die Zahl XX V 111. 
Wahrscheinlich war en damals auch schon Blatt 1 und 2 herausgeschnitten: 5T° und 
101 • finden sich in gleicher Schxift an derselben S telle die Vermerke 1 und c; rechnet 



man 1 und 2 ab, die bet der int Juni 1904 mit Bleistift vorgenommenen Foliierung 

eine alte fehlt — mitgezahlt wurden, das vom Vorderdeckel seit langem los- 
geloste Deckelblatt dagegen hinzu, so ist 51 tatsachlich das 50., 101 das 100. Blatt. 
Von einigen Gebrauchsspuren, Wasser- und Schmutz fleck en abgesehen hat die Schrift 
nirgends gelitten; alles ist gut lesbar. 

Der Schreiber hat uberall mit Tinte liniiert, die Seiten sind nicht gespalten, 
die Kolumne stets 5,5 cm breit und 7 cm hoch, alle Seiten zu 14 Zeilen. Der 



Schreiber halt sich links genau an den senkrechten Strich, welcher den Anfang 
der Zeile bezeichnet; rechts, am Ende der Zeilen, lafit er die Zeile bis zu 3 Buch- 
staben iiber die Kolumne hinausgehen oder setzt schon vorher ab, wobei oft ein 
schwarzer oder roter Schnorkel die Zeile ausfiillt. Kustoden fehlen. Die Verse 
werden nicht abgesetzt, dagegen ihre Anfang e sowohl, als auch in der Prosa die 
von Haupt- oder Nebensatzen haufig, doch nicht regelmafiig, mit Miniuminitialen ver- 



sehen, die mit Ausnahme der zwei Zeilen hohen auf l r , 8", 49 r , 73 9 , 77 r , 88 v , 90 r , 
105 r , 109 r , 112 r , welche Hauptabschnitte der l Lilie\ und der auf 115 r und 127 r , 
tcelche den Anfang von neuen Stiicken (nur Bl. und Warn. ; die ubrigen Anfange 
treten nicht hervor) bezeichnen, blofi eine Zeile hoch sind. Meist finden sich Jdeine 
schwarze (nur auf 1 r rote) Indices fur den Miniator am Innenrande der Blatter. 
Die Initialen greifen haufig mit roten Schnorkeln zwischen den Zeilen hindurch 
auf den Band iiber. Die fjberschriften zu den einzelnen Kapiteln der ' Lilie ' und 
die zu Bl, deren aufiere Anordnung und Verhaltnis zum Text jeSesmal im Apparat 



VI 



Eitdeitung. 



verzeichnet wurden, sind gleichfalls in Minium. Ihre schwarzen Indices am 
oberen Rande sind gewohnlich radiert; wo nicht, von mir unter dem Texte notiert. 
Nur selten (82% U5 r [Schlufi der 'Lilie'], 127* [Schlufi des GmJ) sind Worie 
mit Minium gestrichelt; 55" ist eine S chlufimajuskel , 82', 96% 123% 124% 125% 
126% 127 r % 128 r sind ein z eine Majuskeln miniiert; 45% 49% 118 v Worte mit Rot 
getilgt. Das Geschriebene ist ganz einmal hochstens iiberlesen, wobei mit Minium 
horrigiert wurde. Die Korrekturen in Schwarz scheinen gleich nach Fertigstellung 
der einzelnen Abschnitte gemacht zu sein. 

Die Handschrift ist, wie schon Hoffmann a. a. 0. S. 56 richtig vermutete, 
im 13. Jahrhundert hergestellt Zu einer genauen Datierung bietet sich Jceine 
sicker e Handhabe; die Schriftziige (siehe die beigeheftete Tafel) lassen sich etwa 
mit der Hs. der Carmina Bur ana (13. Jahrhundert; vgl. Konnecke, BUder atlas zur 
Geschichte der deutschen Nationalliteratur, 2. Auf I., S. 27) und der Hand 2 der 



Nibelungenhs. B (Mitte des 13. Jahrhunderts ; vgl. Konnecke a. a. 0. S. 32) in 
Par allele setzen. Wir haben es jeden falls nur mit einem Schreiber zu tun; die 
Besonderheiten , welche die auf die i IAlie > folgenden Stiicke aufweisen, sind auf 
Rechnung der Vorlage zu setzen (s. u. § 5f). Doch bleibt sich die Hand des 
Schreiber s nicht durehaus gleich; es tritt ein leichter Wechsel ein 12 r (mit niet 
4 24) y 17 r (Beginn einer neuen Lage; loin 6 is), 23 v (mit zunge was 97), 61 r 
(mit vort 31 1), 69 r {mit Sich 36s), 72* (mit inde an 386), 73 v (mit Vlu 3828), 
89 r (Beginn einer neuen Lage; Dar umbe 47 28), 89 v (lies bis begeren 482), 89 9 
(mit Sich 48 3 fahrt derselbe Typus fort, der 89 r einsetzte), 94 v (mit verkerent 51 s), 
104 v (mit wir 5634), 105 r (Beginn einer neuen Lage; Dat 57s), 106 v (mit so 
586), 107 r (mit -ven 58 15), U3 r (Beginn einer neuen Lage; -ges 6133), 114 9 
(mit heimeliche 62 33)9 118 ' (mit richer Schm. 54). In den meisten Fallen scheint 
es sich nur um einen Wechsel der Tinte oder Feder zu handeln, was auch nicht 
ohne Einflufi auf die Grofie der Buchstaben, Abstdnde usw. geblieben ist. Leichte 
Schwankungen sind auch innerhalb der verzeichneten Abschnitte zu beobachten. 
So beginnt etwa von 78* an die grade i-Minuskel, die in den fruheren Partien 
nur bei Korrekturen aus t und da sehr selten auf trot (vgl. 28 v = ll 15, 49 '• = Anm. 
zu 2332, 62" = 31 34, 7V = 37 is), neben der geneigten (6) aufzutreten; in dem 
mit 89 r einsetzenden Schrifttypus iiberwiegt die grade Form; sie ist auch von da ab 
weiterhin haufig. Dafi wir es mit einem neuen Schreiber zu tun haben, ist nicht 
anzunehmen, da die Grenzen der Erscheinung nicht mit denen von Schrifttypen 
zusammenfallen. Mit 115 r (Bl.) treten oft schwarze Majuskeln im Versanfang 
ein — es ist aber derselbe Schrifttypus, welcher, mit 114 v beginnend, auch dem 
Schlufi der l Lilie f zukommt; die genannte Eigentiimlichkeit ist also nicht die eines 
neuen Schreibers, sondern jedenfalls aus der Vorlage herubergenommen; solche 
Versanfange bUden weiterhin fiir die iibrigen in Beimpaaren geschriebenen Schlufi- 
stiicke unserer Hs. die Regel, wahrend kleine schwarze Majuskeln als Versanfange 
der 'Lilie' fast durehaus fremd sind und nur gelegentlich — meist bei Eigen- 
namen — auftreten. Dafi 117 r — 119 r und weiter vereinzelt 123 r und 9 an Stelle 



Einleitung. 



VII 



des Punktes, der sonst das einzige Sate- und Reimzeichen der Hs. ist, : oder ! 
stehty darf uns gleichfalls nicht auf einen zweiten Schreiber schliefien lassen, da 
diese Besonderheit von dem vorletzten in den letzten Schrifttypus hiniiberreicht; 
sie wird auf einen Korrehtor oder spateren Leser — der obere Punkt bezw. Strich ist 
oft heller als der unfere — zuriickgehen, welcher die Versschlusse deutlicher markieren 
teoUte. — Gegen Schlufi und besonders in der letzten Lage iverden die sonst spar- 
lichen Abkurzungen, besonders n-Striche, hdufiger, was offenbar aus dem Bestreben 
des Schreiber s, wenn moglich mit dem Pergamentrest auszukommen, zu erkldren 
ist und nicht als Eigentumlichkeit eines anderen Schreibers aufgefafit werden darf. 
Denn die dutch alle Schrifttypen hindurchgehende Formengleichheit der Buch- 
staben, die am besten als Kennzeichen dienen (a,; scharfer Unterschied zwischen c 



einer-, e und t andererseits ; r; die f, g und w, die iiberall gleichgeschwungenen 



i-Striche) beweist, dap unsere Hs. nut von einem Schreiber geschrieben wurde, 
dessen Feder oiler dings nicht immer gleichmdfiig lief. 

Was spatere Schreiber — es sind solcke des 15. — 17. Jahrhunderts — auf 
die Bander der Blatter kritzelten, ist fiir die Erkenntnis der Entstehung und 
Herkunft der Hs. ohne Belang; dock ist auf solcke Notizen itn Apparat jedesmal 
hingetoiesen. Auf der Buckseite des vorderen Einbandblattes steht auf Basur 
unter den Neumen in einer Hand des 16. oder 17. Jahrhunderts: 

Gregorius . quod tuum per laborem 
meum per amorem. 





, Die Vorlage der 'IAlie'. 

Da/S die Hs. 68 heine Urschrift ist, ergeben zundchst fur die 'IAlie' eine 
Anzahl von Fehlern, die sich als blofie Entgleisungen der Hand des Verfassers 
nicht erkldren lassen, sondern im wesentlichen als Lesefehler und — teils will- 
kurUche, teils unabsichtliche — Anderungen eines Abschreibenden sich kennzeichnen. 
Ich hebe die wichtigsten hervor: 

2 16 , 3 s. 28. si Bind kaum anders als durch game oder teilweise Unleserlichkeit der Vor- 
lage zu erkldren. 3 si ist das s der Vorlage sT als e, der n- Strich als i- Strich verlesen. Falsch 
aufgelost ist der n- Strich 2 35, 33 37 (?); Vorlage: sine. Aus 4v? geht hervor, dap in der Vorlage 
der i- Strich nicht uberaU die Begel war; 9i (Vorlage: dinne), 54 38 devten auf steUenweise Un- 
genauigkeit in der Unterscheidung von n und n. 45 u weist auf tin fijn der Vorlage, vom 



Schreiber zu fi jn verlesen, da ij fur i — auch wohl in der Vorlage blofi vereinzelt — %hm nicht 
geldufig war. Ausschlaggebend fur die Nichtoriginalitdt unserer Hs. sind von den auf mecha- 
nische Ursachen euruckgehenden Fehlern besonders 8wf. (ZeUenentgleisung) und 29 s, wo der 
Kopist schon zu 299 ubergesprungen war, dann aber seinen Fehler entdeckte und durch Basur 
beseUigte. Die Vorlage scheint jedoch die Verse nicht abgesetzt zu haben. 

Die meisten mechanischen Fehler finden sich, wie die Seitenzdhlen zeigen, 
in den Anfangspartien der 'IAlie', wo der Schreiber sich noch nicht an seine Vor- 
lage gewohnt hatte. 

Die formale Technik der 'IAlie 9 ist altertumlich. Das Denkmal beginnt 

in Prosa, die gelegentlich — mit Vorliebe am Ende von Abschnitten — durch Beime 



Till 



Eitibitmg. 



unterbrochen wird: 216—17: heimelich : snnderlich : ich; 229—30: morden : worden; 
35—6: si : bi; 3 12: sonde : crumbe; 4 5—12; 526—29: riche : riche; werde : en- 



werde : werdit ; 6 5—11 : sin : sin ; willen : gesinnes ; besueret : mere ; gnde : mozen ; 



werden : v olherden : werden ; 7 7—11 : wisheit : steit ; gude : gut is ; striden : stride ; 

721—26; 9 17: zungen : slangen ; von 10 7 ab geht die Prosa endgiiltig in Reime 
(meist Langzeilen) uber; gelegentliche Prosa in den Remen (z. B. 133) ist wohl 
auf Entstellung dutch den Schreiber zurUckzufuhren. 

Bei der Verwertung des Reimmaterials zur Erschliefiung der Vorlage ist 
Zuriickhaltung geboten, denn von den 924 Reimpaaren sind nur 733 im Sinne der 
Mundart des Dichters rein, d. h. noch rund 21 °/ unrein. Auch der Prozentsatz 
ganz oder teilweise unreiner Bin dun gen bei den zaMreichen Reimhaufungen (die 
meist Sinnesabschnitte beschliefien) ist verhaltnismdfiig grofi: von 42 Reimhaufungen 




sind nur 27 rein, d. h. 35,7°h unrein. Es kommen vor: 18 Dreireime: 2i6f n 

528f., 6l0f., 189 ff., 2227 ff., 3025 ff., 3423 ff., 37 29 ff., 38l5ff., 40l3ff., 4329 ff^ 

50 35 ff., 51 27 ff n 52 21 ff., 56 21 ff., 60 27 ff., 61 14 ff., 62 21 ff., hiervon 13 rein (rund 
28»lo unrein); 21 Yierreime: 72lff., 207ff.2lff.30ff., 2l35ff., 2223ff., 27i7ff., 

33l7ff. y 37 25 if., 43l7ff., 44 39ff., 455ff., 51 17 ff., 547 ff. 17 ff., 55uff., 55 22 ff. 

Reimpaare?), 563ff., 57 18 ff., 6l7ff, 62i7ff., hiervon 13 rein (rund 3£°/ 
unrein); ein Funfreim: 41ioff. (unrein); ein Sechsreim: 423lff. (rein); ein 
Siebenreim: 1638ff. (unrein); ein Achtreim: 625ff. (unrein); ein Zwolfreim: 
6224ff. (rein). 

Da/3 die zahlreichen unreinen Reime ah ein Kriterium der Alter tumlich- 

keit betrachtet werden diirfen, lehrt die Betrachtung, dafi nicht nur die Mehrzahl 
der Bindungen uberhaupt, sondern auch der unreinen klingend ist. Auf friihe 
Entstehung weisen auch die Reime, welche nur auf dem e (i) der FlexionssUbe 



beruhen : dodes : wizes 1028f. (doch vgl. S. XXI) ; inr eculet : inre warmet 11 19 ff. ; 
gesprechen : zalen 1236f. (vielleicht aber mazen : zalenlj; sone : geiste 242if.; 
pliget : erhevetf?^ 5224; ezzen : dronken 56 if; vgl. auch is : stilis 13i2f. Ein 

Konsonant oder eine Konsonantenverbindung vor der FlexionssUbe ist beteiligt bei 

pinen : sunden IO32U gesprechen : gebrechen 1327 f^ juden:reden 1335f., milde: 
genode 23 34 f, sachen : gereichen (?) 53 17 f, geven : laven 55 18 f. Schwachtonige 
AbleitungssUbe tritt als Bindung auf in antwerde : wnderde 13 37 f, engele : himele 
25 31 f, 26 5 f, sel veme : himele 39 19 f. , wene : le vene 295 f, pretchene : wachene 

3329f, heidenen : nagelen 367 f, virstrickit : selich 462if, doch liegt in diesem 

leteten Falle vielleicht synhopiert stumpf unreiner Reim vor, der auch sonst belegt 

ist: haven : missedat lOnf; werliche : sprichet : schnldich : iwelich 202lff.; richeit 

: gelichet 23i3f; stein : weinen 37rrf Sonst ist stumpf unreiner Reim selten: 

macht:mach 2429f, inbestnnt : druch 25nf, sis: west 46 5 f, si : schin 62 if 

Diese Ameichen bestatigen Hoffmann von FaUetslebens Datierung; die 
'Lilie' wiirde ihrem formalen Character nach genauer etwa der zweiten Halfte 
des 12. Jahrhunderts zutuweisen sein, wobei freUich tweifelhaft bltibt, ob an die 
Reimprosa gleiche Anforderungen gestellt werden diirfen wie an wirkliche Verse. 



Mtdeitung. 



IX 



Witd der Altettumlichkeit der Reimtechnik Rechnung getragen, so darf nut 
an folgenden S fatten reinerer Reim bezw. Assonanz als Vorlage erschlossen werden: 

10 24 ist der Sinn vom Abschreiber richtig wiedetgegeben, dutch eine Urn- 
stellung jedoch die utsptiingliche Assonanz beseitigt. 51 5f. bot die Vorlage lere 
: inkere; der Schreiber erhielt 51 5 den Sinn des Verses , stellte aber um und 
ersetzte lere dutch lerunge ; in vonden : bonden : volgen 51 3 ff. ergab sich fur 

ihn nun ein Dteiteim bezw. eine dteifache Assonanz, eine Etscheinung, die ihm 
ja in seiner Vorlage schon oftmals begegnet war. 52 24 f. ist ein Dteiteim: minne 
: minne : minnen dutch Umstdlung zum Beimpaat gewotden (? vgl. S. VIII). 636 war 
der Reim dutch Einfuhtung der Nominativform fur den Vokativ Jhesu zerstort 

37 30 hat ein sprachliches Bedenken die Zerstorung des Dreireims ver- 
anlafit: die Form lin, welche der Schreiber anfangs der Vorlage mechanisch ent- 

nommen hatte, erregte ihm dann Anstofi, so dap er sick fur die ihm gemafiere ligen 
entschied, welche er auch bisher im Reim votgefunden hatte: vgl. 14isf, 2123 f 
3028f, wdhrend die Vorlage 44 35f tvieder die Jconttahiette Form hat. Die 
Diffetenzen zwischen der Mundatt des Schteibets und der des Dichters sind Jcaum 
nennenswert; es diirfen solche vielleicht erschlossen werden aus den Reimen 



slehe : entfe 47 f (< *sle : entf§>, me : vare 11 of (< *m6re : vare; vgl. jedoch 



y 



me:e32 32 f), alzhan (mehrdeutig) : hant 11 9 f (< *alzehant : hant^), zuhet : zeblftet 
35 25 f (< * zfiet : * zeblilet> , megede : bewede 43 3 f « megede : * bewegede ; 

hier liegt indes . vielleicht blofier Schteibfehler vot) ; wir intf en : wir gein 44 5 f. 

(< * intf &n : *gan>, anevent : geint 54 11 f (< *anevant : *g&nt oder *anevent : 
g6nt?>, wozu vielleicht noch sachen : gereichen 53rrf (< * sachen : * gerachen^ 
treten darf. snnge : bonde 31 11 f. (< *songe [= singe] : bonde [= \>iadej) ist 



Fehler des Schreibers und nicht Anzeichen sprachlicher Diffetenz; das Gleiche 

gUt fut 58 32. 

Indes haben die Ruckschlusse auf die Vorlage aus dem angefiihrten Material 
auch nur einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit, da vide der Reime auch 
die Deutung als ursptunglich unteine Reime zulussen. Ein Bedenken gegen die 
Wiederherstellung bei 54 11 f. insbesondere liefert die dadurch gefordete Fotm *gant 
bezw. *g6nt — hier mufi wohl die ei-Fotm gelassen werden, welche dutch das 
regelmafiige geit des Singulars gefordert wird. 

Betrachten wir nun zusammenhdngend die Reime der 'IMie', so tritt 



hervot: 1. der ausgesptochen niedettheinische Chatakter des Denkmals, 2. die 
Ubereinstimmung der Mundatt des Schteibets mit der des Dichters, was zu dem 
Schlufi berechtigt, dafi die notierten geringfiigigen Diffetenzen jedenfalls blofi 
sseitlich bedingt sind. Das Bild der beiden gemeinsamen Mundart wird dutch 
die weiter unten folgende Chatakterisietung der Sptache der Handschtift deut- 
licher werden. 



Kons onantismus: 



Unverschobenes t im Auslaut: dat : stat 1728f.; blat : dat 19 \xf.; bat : dat 
59if.-, stat : dat 61nf. — bint : gebnt 36uf. (= gebuozt; vgl Wcinhold, Mhd. Qr. % § 197); 




X 



EMeiUmg. 




doch vgl. b&zen : sfizen : vflze : m&zen u. 9. f. 54 nff. 62 nff. — curt : geburt 13 89 f.; braht, bat : 
gegat [= positiis] id ie f. si /I stnd ntcfct auf Bipuarien beschr&nkt ; vgl. Weinh. a. a. 0. v. 
§ 391. Kraus, Deutsche Gedichte 8. 218 und Zwierzina, Ze. f. d. A. 45, S. 43 ff. Ziehen die 
Grenzen enger. 

t im Auslaut abgef alien: is : stills 13isf.; schepperes : aller eres 27 ssf.; her- 
schacf : gaf 46sbf.; is : bis 24s f. 28 90 f. 60sf. durfen unbedenkUch fur die Vorlage in Anspruch 
genommen werden (vgl Kraus a. a. 0. 8. 209. 220). — da bis : gewis 50 i f. Vgl Weinh. § 363. 
364 ; Heinzel 8. 273 u. 6. ; Boediger, AnnoUed 8. 92 26 ff. 

y) Auslautend f fur mhd. p (b); vgl. Kraus S. 218: gaf : traf 30s f.\ lof ('Laub') : 
couf 34dsf.; berschacf : gaf 46sbf. Daneben set genanni v tm Inlaut fur b: prnyen : nven 
16 86 f. ; hoye : love 42 87 f. 

d) Altes, bezw. ahd. h geschwacht oder ausgefallen 

I. vor t: niet : sit 14bf.\ nit : liht 26*&f. 427 f.; nit : git 50m f.; nit : rit 
61 37 /. ; zweifeXhaft ist lith : nith 23 so f. — braht : gesat 13 ie f. ; maht : hat £4 is f. ; dem gegen- 
fiber aber bracht : maht #i 17 f. sowie 24 29 /". 88 f. 40 so /". ; maht : gedaht Ms/I — prophete : rehte 
33sbf.; vgl Tundalus 331. 375 die Schreibungen gesit, dinistkenet (<te Jfefap Hemzels smd 
trierisch und ripuarisch). — vorten : dorte 32 i f. ; vorte : worden 53s f. — Vie Beime dieser 
Art sind indes zwar vorwiegend, doch nicht ausschlieflich mfrk. belegt, was die Beispide 
Weinholds § 241. 244 gegen Kraus S. 218 erkennen lassen. — geschit ( : nit) 60 20 bufit an 
Beweiskraft em, wenn man es anstatt als Partic. Perf. als 3. p. sing, praes. ndhme (es steht ja 
das Partic. Perf. einmal auch als geschien tm Versinnern Warn. 38!); dann durfte nit : geschit 
hdchstens fur die ripuarische Mundart des Schreibers beweisen. • 

II. vor s: gews : hns 33sf.\ auch dies meist, doch nicht lediglich niederrheimsch. 
sis : sis [= sih(e)8t] 25s f.; sis [= sih(e)etl : wis 33\bf.\ vgl III. 



III. zwischen Vokalen unter Kontraktion dersclben>\ besto. ie: niet: 

sit [= seh(e)t] 14 5 f. (? ; s. 0. bei I.) ; sis : sis [= sih(e)st] 25 3 f., s. 0. II.; hi : si (= sehe) 29 is /. ; 
arcedie : vercien 29tif.\ besin : zin 31 18 f. ; sis [= sih(e)st] : wis 33 15 f., s. 0. II. ; sin (= sehen) : 
intflin 38uf.\ ylin : geschin 38 28 f. ; geschin : sin 44 23 f. (streng genommen nur fur die Mundart 
des Schreibers beweiskrdftig , da als Vorlage geschehen : sehen moglich ware) ; gesien : lin 44ssf.; 
min : sin (= sehen) 45ssf.\ zin : sin (= sehen) 55 37 f. ; sint : nndersint 61 1 f. Da die Belege bei 
Heinzel und Weinh. die angefuhrten Beime als aUgemein mfrk. und vorwiegend ripuarische Eigen- 
tumlichkeit dartun, so braucht nicht mit Kraus 8. 220 (und Sievers) aus dem Auftreten von 
sin, geschin notwendig auf Nassau geschlossen zu werden. 

IV. zwischen Vokalen unter Kontraktion derselben zu a, 6, ei: intf an : 
nzslan 22 so f.; slan : gan 29ssf.\ nnderdan : versman 31 uf. — slehe : intfe 4if.\ intfen : gein 
44bf.\ aneyent : geint (?) 54 11 f.; besteit : veit 26nf.\ vgl 32 21 f. 42 35. 61 17 f., zum h-AusfaU 
Zwierzina a. a. 0. 64. 67. 

V. zwischen Vokalen ohne (?) Kontraktion: znhet : zeblnet 35»f.; bei 
verluen (: trnen 54 5 f.) Uegt vieUeicht Aus fall des nach Kraus S. 219 und Weinh. § 181 im Mfrk. 
oft in grammatischem Wechsel mit h auftretenden intervokaUschen w vor. 

Aus g vor t verscharftes ch geschwacht oder ausgefallen: blat:gelaht 
18 21 f.\ nach Weinh. §244. 245 vorwiegend, nicht ausschliefilich niederrheinisch. Wegen des 
am meisten aus Bipuarien belegten Partizips vgl. noch gelaht : maht 24ssf.; dazu 38 sf. 52 34 f. 
59 28 f. — aber seget : geleget 33 if. — Vgl. Weinh. § 235. 243; Perdisch, Der Laubacher Barlaam, 
Diss. Gottingen 1904, 8. 89; dazu gelaht : bedaht in dem nach Kraus S. 71 ah kdlnisch gesicherten 
Gedichte ' Von Christi Geburt ' 114 f. 

Aus k verschobenes ch(?) vor t geschwacht oder ausgefallen: besnt: 





gnt 20 19 f. 



Einleitung. 



XI 



17) g inter v ok alisch ausge fallen: geine : geleide 21sif; im Beim 22sof. 29$sf.; 
gesien : lin 44sbf; gedain : Ban 5526/". 7#. TPewiA. # 35, doch auch Kraus S. 148. 

d) ch fur g vor t [vgl. e)J: lechte : brechte 23 21 f. 

1) ht <ft, eine echt ripuarische, in anderen Mundarten im Beim nur spat und selten 
belegte Erscheinung , zeigi duh te : luh te ( 'Luft ') 26 37 f. Hierzu stimm en die Bindungen sachen : 
geschaffen 24isf. 262sf; yorten : dorte 32 if.; geschraffet : nngemache 36sif, sowie die 
Schreibung cf in herschacf : gaf 46sbf. 

x) Abfall des (c)h im Au slant ist nach Kraus S. 218 eine hauptsdcMich mfrk. Er- 
scheinung; sic kommt aber auch su ditcher, so mainzisch, vor; vgl. auch hd : vrd Schm. 41 /.; 
Michels, MM. Elementarb. §108. Die 'Lilie' hat alda : na 302if; vgl. 43m f. 52b f. 542sf; 
vro : ho 15 s f. 

X) H&ufige Beime von auslautendem g(c)>ch:ch<k sind bezeichnend mfrk.; 




vgl. Kraus S. 209; Braune, AM. Gr. % § 148 , Anm. 1, doch auch obd. Belege bei Weinh. § 234. 
Ver Trier er Silvester hat sie nicht; vgl. Kraus, Einleitung S. 39. 'Lilie*: vurich : vleialich 
11 26 f. ; ungemach : mach 11 29 f. ; vgl. noch 14 27 f. 17 ie f. 18 bf. 19 2s f. 20 24 f. ; macht : mach 
^29f.; ferner 252bf. 30uf. 332bf. 38nf. 40uf. 41sf. 5226f. 

Unverschobenes -rd- kann (in nach-ahd. Zeit; vgl. Braune a. a. 0.§163, Anm. 1) 
als sicheres Kennzeichen des ndrdlichen Mittelfrdnkischen , insbesondere des Bipuarischen 
geUen. Es herrscht z.B. im nordmoseUdndischen , nach 1178 entstandenen 'Albanus' (Kraus, 
D. Ged. 8. 209. 210), wdhrend der dem siidlichen Mittelfranken oder ndrdlichen Bheinfranken 
zuzuweisende , 1180 — 90 gedichtete * Tundalus ' -r t- aufweist (ebenda S. 219 f.) ; auch der Trierer 
Silvester hat -rt-; vgl. Kraus S. 40. Nach 0. Bdhme, Zur Kenntnis des Oberfrankischen im 13., 
14. und 15. Jahrhundert (1893) S. 60 f. lauft urn 1300 die nordliche Verschiebungsgrenze des 
-rd- > -rt- von Wesierburg nach Ehrenbreitstein , Koblenz, Andernach, May en, Wittlich in die 
G eg end nordlich von Trier, so dap wir als sudliche Grenze des Entstehungsgebietes 
der 'Lilie* mit ziemlicher Sicherheit die Linie Linz — Sinzig — Ahrtal — Brum 
Ziehen kdnnen (vgl. Bdhme a. a. 0. S. 61), da unverschobenes -rd- die Begel ist: volleherden : 
werden 6 10 f. 7uf.\ worden (= ' TForten ') : worden 13isf.; vgl,17uf. 22if. 27 if. 28bf. 59ibf. 
34 bf 42 13 f. 58 1 f. Die grofie Zahl dieser Fade berechUgt uns, auch die Beime antwerde : 
wnderde 13 37 f. , antworde : gehorde 192bf., worde : gehorde 31 is f. und barde : harde 35 35 f. als 
original zu betrachten und ihr -rd- nicht aUein dem Schreiber zuzuweisen. Den zahlreichen -rd- 
sieht nur ein zweifelhafter Fall gegenuber: vorte : worden (= 'Worten') 53 3 f, wo indes unreiner 
Beim und nicht worten anzunehmen sein wird. Es sei hier auch hingewiesen auf lande : brande 
33 21 f. (balde : bebalde 51 if.; ercalden : behalden 52 15 f.) ; da mide : vriden 60 13 f. ; bescheiden : 
beiden (mhd. bei ten) 21 35 f. ; bilde : behilde 24 si f; bereide : beiden (= 'Erwartung ') : geleide 



1 leite *) : gescheide : leide (= 'Leide *) 41 10 ff. ; im Achtreim 62 5 ff. : driveldicheide : geleiden 
'leHen 1 ) : beiden (= mhd. beiten) : weiden : geleide (= ' GeleiW). 

-en als En dung der 1. p. s. praes.: proven : icb nven 16 se f; ich cloppen : often 
22 36 f.; ich geve : ich leyen : begeven 62 21 ff. ; aber auch al eine : ich meine 30 9 f.; erve : ich 
sterven 46 si f.; ich yernemen : deme 52 19 f. , andererseits auch Schm. 23 f. ich sagen : dragen, 
doch ane : manen Gm. 131 f. 



Vokalismus: 



Nur die auffdHigsten Erscheinungen seien genannt: 
a:ial:dal 122if; : val 46 isf. 





&-Umlaut: lechte : brehte 23 21 f. 

< n : bnnden : wonden 20s f. — scholt : gewolt 32 27 f. ; vgl. Weinh. §63; das 

Gebiet geht bei Heinzel von Mundart II (Geldern - Cleve) bis V (Hauptpunkt Trier), zeiUich bis 




xn 



Einleitung. 



Mundart VI (Koln 14. 15. Jahrhunderi) , wdhrend -olt in Mundart 711 (Hauptpunkt Maim) 

nicht belegt ist ; vgl. 8. 375. 



u < o in yromen : oilmen 12 if.; vruxnent : c&men 15 is f. ; vgl. 13 lof. 24 if. 29 n f. 






39 k f. 40 if. 41 2 f. ; cfimen : snne 44 n f. 

e) o : 6 : antworde : gehorde 19 86 /*. ; v^rl. 31 is £ 

deit 3. p. s. praes. von 'tun', ist nach Kraus 8. 219 em kdlnisehes Merkmal; 
Heinzel belegt es S. 365 fur Mundart IV, die Belege Wemholds § 362 sind vorzuglich nieder- 
rheinisch. In der LUie gilt die Form ausnahmslos: stolzheit : deit 16 wf.; vgl. 20 \if. 46 9 f. 
55uf. 62isf. 

geit and steit, zwar ripuarisch am haufigslen, aber nicht auf diesen Dialekt be- 
schrdnkt, wie die Belege Weinholds § 352. 357 und warheit : geit Silvester 486 f. zeigen {vgl 
auch Kraus, D. Ged. 8. 148), seien wegen der Hdufigkeit ihres Auftretens im Beime, das nirgends 
durch Nebenformen mit & oder 6 beemtrdchtigt wird (ein *g&nt *gent ist kaum zu haUen; s. o. 
8. IX), sotoie wegen der Bindung mit deit 20 n f. erw&hnt. Die Belege Heimels fur geit (8. 250. 
280) sind'kdlnisch (Mundart III. IV); nur ein Beleg (S. 375) ist Mundart VII (Haupt- 
punkt Mainz) zuzuweisen, einer entfcUU auf den mit VI (spateres Kolnisch) verwandten Typus VIII 
(a. a. 0. S. 394). Die steit rekruiieren sich aus dem Kolnischen (III. IV. VI. VIII; vgl 8. 250. 
280. 353. 394) und Trierischen (V; vgl. S. 334); auch hier aus VII nur em Beispiel (8. 380). 



Die 'LUie' hat wisheit : steit 7 if.; steit : gemeit 12 nf.; bereit : geit 12 wf; vgl 20 iff, 



abf. 35nf.wf. 42vjf.s\ff. 47*if. 5085/f. 529f. 56wf. 58\f. 63sf. Da das -ei- in -veit 
uberaU gesiehert ist (s. o. Konsonantismus S IV.), so durfen auch besteit : veit 26 n f und 
geit : steit 55 nf. fur die Vorlage in Anspruch genommen werden. 





Die Jdeineren Stiicke. 



JEW., Schm., Gm. und Warn, sind inhaltlich untereinander verkniipft. Die 
Verbindung der Bl. mit der 'Lilie' jedoch bedeutet nur eine Nebeneinander- 
setzung, aufierlich marhiert durch die Uberschrift hie sprich ane van der rosen 

diese gilt mechanisch als (jberschrift fiir alle vier folgenden Stiicke. Die Neben- 
einanderstellung lafit sich zurilckfiihren auf den Wunsch des KompUators unserer 
Hs., eine Art geistlichen Blumenstraufi zusammenzustellen. Hierbei mag ihm 

1332: da die rode rose (Christus) lerede die wize lilien eine Anregung gegeben 

haben. Bl., Schm., Gm., Warn, hingegen hang en fester zusammen: Schm. scMiefit 

sich (sogar ohne Initiate) Bl. durch dm Eingang an so we mich nu fraget me, 
wdhrend sich gleichzeitig ein Zusammenhang der Schilderung von der megede 
danze mit der Behandlung des Chores der 11 000 Jungfrauen in der 'Lilie ' 43 iff. 
nicht verkennen lafit. Schm. V. 51 ff. leitet dann mit den Worten So we disen 

sane da singen wilt, de sal miden al ze genkeliche spil, inde der werelde vrowede 
versmain, inde zfl der richer wirtschaf gain, dar helpe nns der sftze Got usw. 

tiber zu Gm., wo mit V. 17 ff.: so welc mensche der werelde fronde durch 

mich in lazit, de sal wesen mine ezzegenoz deutlich an Schm. V. 51 ff. 

angekniipft wird. In der i IMie i war en diese und ahnliche Wendungen 5 25ff. 
6 iff. 22 30 ff. 41 27 ff. 50 27 ff. zu finden. Der Eingang der Warn, weiterhin : Mine 

vil lieven, ir hat gehort beide snre inde sflze wort usw. weist auf die Schlufi- 
partien des Gm. zuriick. Die vier Stiicke wurden als eins betrachtet werden 



Einleitung. 



xni 



konnen ohne die deutlichen Sinnesabschnitte (Gm. V. 131 bis Schlufi konnte schliefi- 
lich sogar noch als besonderes Stuck i Ermahnung zur Gottesminne' abgetrennt 
werden), die am Schlusse von Schm. und Gm. durch AMEN markiert werden 
und so die Zerlegung rechtfertigen , die besserer Ubersichtlichkeit halber gefordert 
werden muff. Der innige Zusammenhang von Bl., Schm., Gm., Warn, berechtigt 
uns zu der Annahme eines Verf assets fur die kleine Gedichtreihe, die auch formal 
und sprachlich als Einheit zu betrachten ist. 

Im Gegensate zur 'Lilie' herrscht der reine Beim durchaus. Mit Aus- 
nahme eines einzigen (Warn. 30 f, noch dem einzigen Dreireim) der insgesamt 

199 Beimpaare des kleinen Zyklus (Bl: 28, Schm.: 28, Gm.: 120, Warn.: 23 + 1 
Dreireim) sind alle nicht reinen bezw. fehlenden Beime (70 = 35 °jo) aus Ent- 
steUung durch den Schreiber zu erklaren und durchaus zwanglos auf ihre ur- 
spriingliche Beinheit zuruckzufuhren (Warn. 1 f. hat hierbei als rein zu gelten). Die 
oben (S. VII f.) fur die 'Lilie' festgestellten Alter tiimlichkeiten im Beim fehlen 



vollig. Es herrscht ferner die Kurzzeile und der mannliche Beim: Bl.: 6 weib- 
liche gegen 22 mannliche Beimpaare; Schm.: 9 (10? vgl. V. 37 f.) weibliche, 19 (bezw. 



18) mannliche; Gm.: 43 weibliche, 77 mannliche; in der Warn, sind 8 weiblich, 



17+1 Dreireim mannlich. Diese Verhaltnisse legen es nahe, die Abfassungs- 
zeit von Bl., Schm., Gm., Warn, wesentlich spater anzusetzen als die 
der l Lilie 9 . Es spricht dafiir auch die synkopierte Form im Beim pligt : gesigt 
Gm. 17 f. Indes fehlt wie bei der l Lilie ' zu einer genaueren Bestimmung die 
Handhabe. * Die Entstehungszeit der Stiicke kann nicht allzuweit von der der 
Handschrift abliegen. 

Auch der zweite Teil der Hs. 68 stellt keine Originalhandschrift dar. Da/3 
mit einer Vorlage zu rechnen ist, lafft sich schliefien zunachst aus rein mechanischen 
Versehen, wie Gm. 206, wo der Schreiber den Fehler, den er Warn. 5 Stehen liefi, 
noch betnerkte, weil bereit im zweiten Beimvers stand. Ferner aus einigen Fehlern, 
die ich als mifigliickte Versuche des Schreiber s ansehe, unverstandene Worte oder 
Buchstabengruppen mechanisch getreu wiederzugeben: laihit Gm.31 < *ladyt (dessen 
dem Schreiber nicht gelaufig war) , schain da Gm. 47 < * scham da (?). An 
anderen Stellen hat er das Bestreben, Wortformen der Vorlage, die unrichtig oder 
unklar schienen, klarer wiederzugeben; er liefi hierbei den Zusammenhang aufier 
acht und maehte Gm. 79 aus *frouhet : *schohet die seltsamen Substantive frouheit : 
schoheit Gm. 109 stand der Schreiber ratios vor einem *gemait, das er wegen 
des ihm fremden ai (er kennt ai nur in der Bedeutung k) nicht als das ihm 




gelaufige gemeit erkannte, als gema-it auffafite und durch gemehit (= ge 



machede, gemechede i EhegemahV [?]) klarer machen wollte; ahnlich trehit Bl.2 (vgl. 

Glossar). Warn. 15. 16 hat der Schreiber zwar den Sinn der Vorlage richtig 
wiedergegeben , den Beim jedoch durch Auslassung des Beimwortes in 15, durch 
Umstellung in 16 zerstort; auch Warn. 33 ist das Beimwort w eg gef alien. 

Auch in sprachlicher Hinsicht wurden die reinen Beime entstellt: 



XIV 



Einleitung. 



1. Einsetzung von gleichbedeutenden oder ahnlichen, aber den Beim ter- 
storenden Worten: 

Schm. 21 hatte die Vorlage statt verheve : sere wohl *verh£re (oder flberhere) : sere; 

Schm. 31 ist *can : man auf dhnliche Weise entreimt. Schm. 37 f. mufi halden : lazen im Hinblick 
auf V. 19 f. Gm. 155 f., wo die Vorlage sicher diese Bindung hatte, auf *han : *lan zuruckgefuhrt 
werden , wenn nicht hinter stede : uphige t die [naeh Heinzcl a. a. 0. S. 250. 380 (steide) mdg- 
lichen] Beimworte *steit : *nphigeit (vgl. auch steide IAUe 3$) zu suchen sind. — Gm. 3f. dar uver 



: love < *darobe : *lobe (?). Zu Gm. 17 f. 69 f. 101 f. 119 f. 183 f. 231 f., Warn. 38 f. ist die Vor 



lage im Apparat erschlossen ; desgleichen Gm. 235 f. : der Beim f : ch in lif : weich erregte dem 
nrhein. Schreiber Icemen Anstofi. 

'2. Zerstorung des reinen Beimes durch Einfuhrung der Sprachform des 



Schreibers: 




himelriche : sich El. 7f.< himelrich : sich ; gelich : himelriche Bl. 41 f. << gelich : 



himelrich; wnnencliche : sich Schm. 33 f. < wnnnenclich : sich; rige : sich Gm. 5/1 < rich : sich; 
himelriche : mich Gm. 103 f. < himelrich : mich ; dich : ertriche Gm. 129 «< dich : ertrich ; sicher- 



liche : himelriche : sich Warn. 27 ff. < sicherlich : himelrich : sich. Hiertsu sind zu vergleichen die 
Bindungen sich : himelrich Bl. 19 f. Gm. 23 f., sowie Bl. 53 f., Schm. 39 f. 55 f., Gm. 123 f. 177 f. 
237 f.; Warn. 17 f. 

Es wird fur die Vorlage uberall Kurze zu fordern sein, so dap naeh Zwierzma 
a. a. 0. S. 81—96, besonders S. 84f. t zunachst aUgemeiner auf ein mitteldeutsches Denkmal 
geschlossen werden darf. — Vgl. auch JPerdisch a. a. 0. S. 92 f. 

P) Bl. 15 f. steit (gebessert aus steint) : hait; Bl. 37 f., Gm.lf. steit : het; Schm. 17 f. 
hat : geit (gebessert aus geint); Schm. 45 f. geit : het; Gm. 27 f. rait : het; Gm. 43 f. 169 f. het : 
rait; Gm. 57 f. het:irgeit; Gm. 199 f. lazit : het las sen auf einen Lautbe stand -at : -at der 
Vorlage schliepen, was durch rait : hait Gm. 75 f., husrait : gewait Gm. 215 f. und auch versmath 
(gebessert aus versmach) : inlazit Gm. 19 f, versmeth : lazet Gm. 135 f., lazit : intfeit Gm. 151 f. 
gestutzt wird. Dem steht indes steit : demudicheit Bl. 45 f. und schoneit : geit Warn. 11 f. gegenuber, 
so dap fur hait hat het sow old der Lautwert hat, wie auch heit erwiesen scheint — dies eine 
Form , die naeh Weinh. § 394 auch md. und alem. belegt ist — , wenn man nicht Doppelformen 
gat stat neben geit steit anerkennen will, was md. durchaus moglich ist. Daneben bliebe fur 
die Vorlage h6t :-H in den Fallen denhbar, wo -at nicht so sicher ist wie bei : rait, : lazit; hierauf 
scheint das hdnfige het zu deuten, das zweimal : steit, einmal : irgeit reimt, dagegen aber doch 
auch auf rait (3mal) und lazit (Imal). het ist nun zwar nrhein. an sich nicht unmoglich, der 
Mundart unseres Schreibers jedoch durchaus nicht geldufig; 1 ) so mochte ich in dem het (und 
jeden falls hes Bl. 39) des Schreibers, auch wo es sich lauilich hcUten liefie t entweder einen Versuch 
sehen, eine graphische Eigentumlichkeit der Vorlage mdglichst konservativ wiederzugeben (e etwa 



fur ein neben ai = & gebrauchtes ae, a [= a] der Vorlage) oder es fur den Ausdruck des un- 



betonten hat halten. Oder beruht es auf einer verwirrenden Doppelbedeutung des ai der Vorlage 
als a und ei? — In diesen Zusammenhang gehoren noch versmehent (gebessert aus versmehit) : 
geint Gm. 33 f. , hant : inmissegeint Gm. 123 f. ; han : lazin Schm. 19 f. 7 : lazen Gm. 155 f. (da 
gegen lazen : strazen Schm. 35 /".), wo im Hinblick auf hant : missegant Schm. 9f., versmain : 
gain Schm. 53 f. , gain : han Gm. 51 f. , han : gan (ergdnzt) Warn. 32 f. und die Formen des 
Versinnem hant Schm. 44, Gm. 117. 129 ; hat (2. p. pi) Warn. 1 uberall & gesichert er scheint. 

y) Crist : is Schm. 27 f. Gm. 31 f. 59 f. 141 f. 167 f. ; is : Crist Gm. 15 f. ; Crist : (dn) bis 
Gm. 113 f. weisen auf *ist, *bist in der Vorlage, so daS diese in Gegensatz zur 4 IAlie' triU, wo die 



-it -Bindung nicht vorkommt; vgl. oben S. X; wie fern sie der Mundart der 'IAlie' liegt, zeigt 



l ) In der IAlie kommt es nur 5 si vor, und von den ubrigen Stucken hat es im Vers 
innern nur Gm. 6. 204 {gegen 4 hat Gm. 162. 178. 196, Warn. 15). 



EinleiUmg. 



XV 




das Fehlen der Form Crist, welche fur, BL, Schm., Gm., Warn, ein bequemes Beimwort bedeutet 

(vgl. Namenverzeichnis). Ob man mit Kraus S. 158 die Bindung krist : ist als spezifisch ober- 
deutsch bezeichnen darf, wage ich nicht zu entscheiden angesichts der bereits festgesteUten md. 
Aneeichen , zumal da auch Beimel S. 273 ist sweimal fur Mda. IV, S. 238 fur V, S. 349 fur VI 
belegt neben regelmdpigem is. Aus dem Mfrk. jedenfalls konnen die 4 Stucke bereits 

Grund der durchgehenden -st-Beime ausgtschieden werden. Im Versinnern steht 
gegen 55 is — ist nur Gm. 104 (achtmal bis, kein hist), wohl Best der Schreibung der Vorlage. 

* 

Auch der Beim *wil (3. p. s.) : spil , der aus wilt : spil Schm. 51 f. hergesteUt werden 
mufi, ist mfrk. kaum moglich , unserem Schreiber jeden falls fremd , was auch aus den 5 wilt im 
Versinnern Schm. 19. 34, Gm. 7. 158. 161 hervorgeht — er hat dart auch sonst die Indikatw- 
farmen: nicht nur willen ich Schm. 4, sondern auch ich willen Gm. 51; ferner willent (3. p. pi.) 
Gm. 8 (wilt du Gm. 155; ich wolde Gm. 99; he wolde Warn. 17. 19). 







Aus ane : ich manen Gm. 131 f. < ane : mane (vgl. ane : mane 3. p. s. praes. conj. 
Bl. 43 f.) gegenuber ich sagen : dragen Schm. 23 f. ergibt sich fur die Vorlage tin Wechsel zwischen 
-e und -en in der 1. p. s. praes. ind. der sum. II, ein Verhaltnis, das besonders alem. und md., 
hier nach Weinh. § 395 spezieUer frank.- thur. zu belegen ist. — si . . dragent : sagen (inf.) Schm. 3 f. 

dragen : sagen liefert kein Kriterium, zumal da in dragen 3 p. pi. praes. conj. vorliegt, die der 
Schreiber als ind. auffapte. 

Eine brauchbarere Handhabe fur die LokaUsierung ergibt sich dagegen aus folgenden 
Momenten: das kolnische deit, das der Schreiber im Versinnern uberaU setzt, wdhrend er im 
Beim gem&t : dnt Gm. Ill f. die Form der Vorlage unversehrt lapt, fehlt voUig. Halten wir 
baz : dath Gm. 71 f. < baz : *daz daneben, so scheidet nun nicht nur mit Skherheit das gesamte 
mfr. Gebiet aus, sondern nach Bohme a. a. 0. S. 42 auch noch ein breiter nordwesUicher Streifen 
des Bheinfrdnkischen (Sudgrenze Saarlouis — Birkenfeld — Boppard — Limburg — LahnqueUe). 
Vgl. Weinh. § 197. 482. Bos von Bdhme S. 75 ff. fur die erste Bdlfte des 14. Jahrhunderts fest- 
gesteUte Vordringen der verschobenen Form nach Norden uber diese Grenze kann bei dem 
Alter der Bs. fur unsere Abgrenzung auper Betracht bleiben. 

Aus wale : vol Gm. 35 f. ergibt sich * wol : vol , wonach auch wal : sal Warn. 25 f. 
auf wol : sol zuruckgefuhrt werden darf. Wird das zugestanden, so darf nicht nur das Nordmd. 
und besonders das Bessische, sondern nach Beinzel S. 375 auch das Mainzische (cUtere Mund- 
art VB) aus fallen, das die a -Form zeigt; die S. 380 stehenden Belegt der aUmahlich vordringenden 
o - Form kommen erst dem 14. Jh. zu. 

B) Wenn fur k&men (partic. perf.) : vernomen Gm. 105 f. mit Sicherheit die Vorlage 
*komen : vernomen, fur vernomen : k&men (infin.) Warn. 3 f. vernomen : *komen angesetzt werden 
konmte, so wurde dies ein weiterer Grund sein, die Beimat der vier Stucke im Suden des md. 
Gebietes, nahe der Grenze des oberdeutschen, zu suchen. 

Dem entspricht das voUige FMen der r-Metathese, die mfrk. und auch im alter en 
Mainzischen (bei Beinzel Mundart VII) hdufig ist; daneben tritt hier bereits mehrere Male 
-brannun auf. Weinholds Belege fur die Metathese (§ 214) gehbren meist dem ndrdlichen Md. 
an. Im Beim haben unsere Stucke bernen : minnen < brinnen : minnen Bl. 35 ; birnent : ge- 





winnent < brinnent : gewinnent Gm. 41 f. ; sprincbnrne : wnne < sprincbrnnne : wnnne Gm. 143 f. 



Die ubrigen Beime, soweit sit herzusteUen sind, widersprechen unserer LokaUsierung 
nicht: zugit : flnith Bl. 23 f. < zinht : flinht(?); nit : znt Gm. 37 f. < ninht : zinht(?); geschiet : 




nit Gm. 47 f. < geschiht : niht ; sit : nit Gm. 85 f. < siht : niht. — Ferner reith : kneth Gm. 117 f. 




reht : kneht — beide : shede Gm. 165 f. < beide : scheide (?). — si : hie Gm. 233 f. < sie : hie 



(doch vgl. Zwierzina a. a. 0. S. 419). — hndin : brneden Warn. 34 f. < htteten : brueten (?). 
morne : verloren Warn. 36 f. < morn : verlorn. — inberrin : weren Warn. 48 f. < inber(e)n 



wer(e)n (?). — Der VoUstdndigkeit halber sei noch auf die leicht zu berichtigende EntsteUung der 
Beimpaare Schm. 47 f., Gm, 51 f, 95 f. hmgewiesen. 



XVI 



EinleiUmg. 



Weitere Beobachtungen zur Sprache der Vorlage ergeben Folgendes: 

1. Konsonantismus: Der Dichter meidei Seime swisehen auslautendem g(c) > ch : 



ch < k, die das Mfrk. liebt, und die in der 'Litie' hdufig sind (s. o. 8. XI). AUe 8. XW 
angefuhrten -iebrBeime hdben ch < k. Die ch im Beime Schm. 15 f., Gm. 29 f. 137 f. 149 f. kommen 
also dem Schreiber su. Mit Ausnahme von gesmach : mach Gm. 29 f. « gesmac : mac) , too «r- 
sprunglicher Beim von ^uruckgeschobenem" k (Weinh. § 228): c (g) vorUegt, aind etc nur der 
graphische Ausdruck dee MiUelfranken fur c (g) : c (g). — Entsprechend verhaU e$ etch mit den 
-rd- (*. o. S.XI): warden : wreegarden Bl. 27 f. gegen werden : erden Om. 99 f. seigt deutUeh, daft 
das ereie Beimpaar auf -rt- su redusieren und Verschiebung dee alien -rd- ansunehmen ist, da 
eolche in Bindung mit neuen -rd-, die nur unter sieh H reimen (werden : erden), nicht vorkommen. 

2. Vokaliemue: gehort : wort (Warn. If.; 6 : o), doe auch in der l IMie' Entsprechung hat 
(s.o. 8. XII), belegt Zwierzina, Zs.f.d. A. 44, 8.11 bairisch, mitteldeutsch und alemannisch. 

Von Intereese ist ferner das durch din : koningin Om. 81 f. einer-, sinnen : kaninginnen 
(gen.sg.) Om. 87 f. andererseits bezeugte Nebeneinander der Suffixe -!n und -inne: fur Alemannien, 
Sud- und Bheinfranken beseichnend (Zwierzina, Zs. f. d.A. 45, 8. 78 /.). — Langstibig ist -in 
tn min : thretin Warn. 42 f. Vgl. Zwierzina S. 79, Perdisch a. a. 0. 8. 91 f. 

Das Material reicht zu einer genauen Dialektbestimmung nicht aus; indes 
wird nichts gegen die Lokalisierung von BL Schm. Gm. Warn, nach dem Siiden von 
Mitteldeutschland einzuwenden sein. Spezieller weist eine Reihe von Eigentiimlich- 
keiten auf die Gegend an der alem. Nordgrenze. Ich wiirde mich mit Sicherheit 
fur Sudrheinfrankisch entscheiden, wenn ich der Behauptung von Kraus, 
D. Ged. S. 148, dafi „ Ostfranken, Hessen und Thiiringen . . . die Formen geit, steit 
durchaus fehlen u — sie miissen nach S. XIV fiir unsere Gedichte neben gkt (gSt?) 
angenommen werden — gegenuber den Belegen Weinholds § 352. 357 riickhaMos 
vertrauen durfte. 



§ 6. Sprache und Schreibung der Handschrift 68. 

Ich gebe im wesentlichen eine Skizze der sprachlichen Besonderheiten des 
Versinnern, wobei Wortschatz und Syntax aufier Betracht bleiben. Einzelheiten 
der Flexion werden bei der Lautlehre mitbehandelt. Nach S. IX erhalten wir 
zugleich ein genaueres Bild der Mundart des Dichter s der 'Lilie\ Bei BL 
Schm. Gm. Warn, schimmert die anderssprachliche Vorlage auch noch in einzelnen 
Erscheinungen des Versinnern durch das Niederrheinisch des Schreibers. 




, Vokalismus. a beseichnet untersehiedslos Ldnge und Kurse. Neben dem regeh 
m&pigen a ohne jede Ldngebeseiehnung kommt fur a seUener ai vor. Bemerkenswert ist, dafi 
der Gebraueh dieser Ldngebeseiehnung in der Lilie fast durchweg auf -dain, (-)gain, (-)st*in 
beschrdnkt und nur sweimal an anderer SteUe belegt ist: intfain 16%, wain 46 82; aber dait (?) 
5si, -dain 3i. 7 vs. lOie. 17. ISi. 55 w. gain 32a. 35 iq. stain 6 si. 12s. 48s%. 55s. i. 
Dagegen blofi Schm. 54, Gm. 51 gain; aber hait Bl. 16, Qm. 76 [neben hat, het («. o. 8. XIV); 
die 'LiKe' hat nur hat; het blofi 5 21]; gewait Gm. 216; hnsrait Gm. 215; rait Gm. 27. U. 75. 170; 
stail Gm. 187; yenmain Schm. 53 ; aindail Warn. 39. Nie wird ai fur alien Diphthong verwandt, 
auch nicht fur kurses a; die twei SteQen, an denen die letstere Auffassung mdgUch 
Gm. 31. 47 — sind unhaUbar und ihre Vorlage uberdies sweideuUg; vgl 8. XIII. 

Erwtihnung verdient a =^ a tn dem Femimn ma 24 is. 52 s. 55 29 und dem Komparativ 
nam 44 v>, den Kontraktionen mslan 22si, san<Bagen 5527. 




Emleitung. 



XVII 



Die Kurze ist erhdUen durchgehends in sal, salt [aber wohl aus der Vorlage sold 2. p. s. (?), 



48 



EL 31], van; sic findet rich stets in wal, wale; walle Gm. 202, siehe auch 16 do. 47 

Nieht umgelautete Kurze zeigen bladere (haufig), graber 8u; dazu die prateritalen 
Formen lahte 9 19. 19 12, satte 19 u. 21s; besat 526, gel ah t (o/fc; daneben geleget 33 2, gelegit 
Gm* 178), genant 92, gesat 13 17. 22, gestalt (7w. 203, gesnalt 16 is, gevalt 41 22, (7m. 204; 

gewant 6228. 

a im Prafix ant- *si meat nur in antlitze, antworde usw. erhalten, sondern auch in 
antweder (haufig). — Fur e im pronom. Akkusattv den steht a* in dan oven 1526; 1527 ist & 
su e abgeschwdcht in den « dan = danne) oven ; da die Abschwachung sonst nur in hdufigerem 
der 

I027 dan oven anzusetzen sein. 




dar belegt ist und dan = den ganz vereinzeU dasteht, so wird vielleicht 1526 den oven, 



Bedeutsam ist die aUertumliche Erhaltung des & sowohl der haupttonigen als der 
schwach betonten SUbe in dem sonst nur ahd. belegten anavalz 16 1. — Notiert sei noch cratnren 
25ss; sonst creatnren. 

e ist gemeinsame Bezeichnung fur jede Art von e und a- oder k-Umlaut Dieser ist 
writ vorgedrungen, auch biswrilen in Formen, die in der Regel das a erhaUen haben: de . . . he vet 
13 22; heves tn 33 14; dn heves 47 2; het 5 21; (vgl. S.XIV); hes tn Bl. 39; sette 26%. 5722; 
geget 33 1 (: geleget); sterkede 6 23. 26. 25 24; sterket 29 21; sterken 58 14. 59 is neben starkeste 6 24; 
der glider andehte 15 to (Plural?) neben der guder and ah t 15 36; jemerliche (haufig) neben jamer- 
liche 50 20; stede Scftm. 37 — /a steide 3s — unstede Gm. 191 neben unstadicheit Gm. 190; 
bereftich 29 w; dinstetich 27 15; warehtich 9ss. 157. 

Biswrilen erscheint e als Abschwachung rines stammhaften Vokals: 

- 1. fur a: der 7u u. 6.; den 1527; ever (s. Gloss.; nach Weinh. §28 falscher Umlaut). 

2. fur i : verdreven 1 19 ; deseme 4 22 ; dese 15 23 ; wederste 5 4 ; werdit 5 29 ; werp (imp.) 



5 



he sprechet 20 21 ; bigeten TFarn. 33. 36 ; bigeth TFarn. 37 



Das 



gelmapig 



mit Aus 



brengen auftretende e ist a-U*n- 



nahme von bringet Schm. 50 (ein nicht-mitteldeutscher Best) 
laut; ebenso in beduengen, dnengen, ent-, intfengen. 

Im Vorton findet sich die Abschwachung auper bei den ublichen ezwanne, etcelich 
(4 is u. sonst) ; etzwat 13 e. 62 1 ; getznat 22 12. 48 7 noch in et 4 81 ; albedalle 40 21 ; bedalle 22 1 ; 
endeil 14 35 (?). In den Vorstlben wechseln ent-, int- ; er-, ir-, re-. In der prothetischen Negations- 
parUkel herrscht in-; daneben ist en- haufig; selten ne- 3 17. 34 28, das aber haufig vorausgehendem 
si angehdngt wird; doch neben sine wizen 49 21 si in wizen 49 22. 

Im Nach ton erscheint der pronomtnale Akkusattv sg., der sonst fast stets als on, 
22 23 und 36 s in der altertumlichen vollen Form inen , 4 1 ah ine (?) , 2 28 ate einen auftritt, mit 
e fct wolden en 229; crambet en 322; die Vollform des Dativs ime Z*i£t abgeschwdcht nur in 
bizeme 325 vor. — Suffixe: iseren 29 32. 86; hovesch 13 15; helleschen 39 27 ne&en himelissche 
23 13, (rw. 63 ; hymelische 2W. 28 und himelsche 23 21 w. 8. ; engelschen 44 26 ; engelischen 2 16 n. 8. 

cracegere 20 u neben crucigere 19 38 ; nidege 223, ledegede 40 19 ne&en ledich 4033. 
driecgehter 61 19 ne&fn drieckih 61 27 ; blnmeden Scftwi. 34. 



3. fur 0: antwerde 13 37; antwerden 56 10. 



4. 

engetrne 4 so 
zehant 926 ti 




n: Im Prafix: engetrne 18 




nebenemander 



die Verbalform mit NegaUonspartikel 



dnne, ze yolgene 4 



aller eres 2737; alse overst 13 



al 



6 



cedfine 13 so; zu hant 3 
daneben zovers 13 10. 



> 



SeAr toet* <jen* die Erhaltung des e tn schwachtoniger Stellung: 

8.: daneben diniste 56 



1. im Inlaut: dines te 26 



dinest 26 33 u. 



dinst 56 



dinste Sc^m. 56 ; dinstes Gm. 21 : dinstetich 27 



vremede Schm. 36 



gesterren Warn. 10 



vremeden 4923 



werelt, werelde, wereitliche durch die game Hs.; werilt, werilde, werrilt- 



liche Gm., Warn.; dagegen nur em werltliche 1 



Dtatteht T«u d« MittolaUtrf XV. 




xvm 



EinleUung. 



aneginne (oft) ; aber anginne Chn. 142 ; bezeichenisse 61 19 (bezeginnnnge Bl. 32) ; cnre- 
liche 2 17; curteliche 37 ss n«6cn cnrtliche 5e w. 0.; geisteliche 15 38 neftcn ofterem geistlich, -e; 
gelichenisse lso; rechennnge 11 84; senftemndich £s4 n«6ew ofterem senftmndich; rergifenisse 
(s. Gloss.); verredenisse £si; volleherden 5 s. si. 7 11. 25 niftat volherden 5 6.11, volherdnnge 5i6; 
zegenkeliche Scftm. 5-2 ne&en uncegencliche 48 ie. 

beceichenet 6 33 v. 6. ; bezeigenet JK. 4^ ; beceichenent 13 1 n€&en beceichent 7 b u.6.; 
3. p. pi. prats. 7 29. si ; machede 25 14 neben mahte 25 is u. 6. ; wirdet (7m. 4A u. 6. neben wirt (7m. 
££4 «. 0.; willet 22 37 nefcen hdufigem wilt; sulet 9 28. IP 7 nsfcen suit 19 si. ss; horde (haufig), 



regende 4 u , kerde 27 87. 36 ne&en lerede 13 32, kerede 3£ 7 ; wandelet 60 81 ««6en verwandelt 4 39, 
genidert 17 30; gesament Schm. 46; pligt Gw. 17 (vgl. 8. XIII), aber pliget 5£s4; gewint Chn. 18. 

Svarabhakti liegi vor in kenehte 19 34; gelas (7m. 187; lifhovede (Ferm*sc&tm47 mil 
hoyet, ho vedes ' Haupt ' ?), sncheden 3 as (?). 

£. tm Auslaut: ire £835. 53 32; dere li u.6. — bizze, bize (haufig); dare 44 si. 45 », 
gare 5436; here 15 11 w. 0. (we&en her); da yore 58 1; da yore ,24 17. 31 87. 32 2; mre 48 12; widere 
50 e ; ware 3 is (ne&en war 78. £44. 14). — e ist angefugt im Plural bladere. 

Die voUen Formen deme, ime, eineme, diseme, mineme, din erne, sineme, ireme, weme 
gehen durch die Hs., daneben seltener ire 20 88. Fast durchweg ist die Endung -erne dat . sg. m. n. 
erhalten. Die starke Flexion herrscht bei attributiver Steflung des Adjektivs nicht nur in Fallen 
ohne Artikel, die ich nicht aufzahle, sondern auch bei solchen mit bestimmtem oder unbestimmtem 
Artikel oder Pronomen; die FdUe mit schwacher Flexion treten durchaus zuruck: 




I. Stark, a) Maskulin und Neutrum: deme jungesteme lis; ime selveme 4so; 
eineme heiligeme 829; bit ingeineme harderme(/) 30 7; all erne dineme 40 si; diseme lihteme 45 27; 

dazu 3u. 69. lid. 1£20.m. 14 28. ldi.34.se. ££12.16. £729.30. 3£is. 33 is. si. 37 10. 39 19. 41 1.7. 
43 u. 44 is. 48 is. 55 18. 28. 58 87. 5£i9. Der Genitiv ist schwach. 

Feminin (Dativ und Genitiv): der bosere 14 u. 23 n; mir solvere 23 33; siner 
reinere 30 2e; diser bittere 34 12; einer carter 60 26; vgl. 16 n. 24 87. £9 11. 12. 3126.33. 3£?. 34 31. 

41 0. 84. 4£24. 452.19. 4729. 48 19. 494. 51 20. 53 15. 55 30. 31. 56 13. 59 19. 61 28. 29. &?23; JW. 35. 
38 ; 8cftm. 54. 

II. Schwach. a) Maskulin und Neutrum: deme bosen £29; vgl. 12 7. £3 26. £4 22. 

£723. £9 12. 31 13. 3724. 3832. 3927.87. 40 33. 4327. 45 16. 50 18. 5781. 5027. 51 9. JJesaniers 

hervorgehoben seien die Dative in sinen mnnde 830; uzer iren mnnde 9 31; minen munde 13 17; 
bit sinen barde 35 36 ; na minen will en 46 34 ; in den wrzegart 28. 14 , wo man das n als Dissi- 
milation des m der starken Endung vor Labial auffassen konnte, wenn dem nicht Ton edelen 
ges teine 5732 gegenuberstunde. Auffallig ist der Akkusativ in sinen herze £0so. 

Feminin: der lnden 4026. — Zur schwachen Flexion zahlen ferner die Belege mil 
AbfaU des -n der Endung; 8. u. S. XXVI. 

Bisweilen findet sich Schwund des ersten oder zweiten e in der Endung -erne: einme 
1£7; anderme 9 14; ingeime ££17; ingeinme 55 15; harderme 30 7; sime El. 35. Gm. 34; dime 
G. 77. 155. — dem menschen 31 4 ; minem mnnde 38 87 ; irem brndeg&men 43 17 ; dinem beine 57 ss 
(dineme beine 57 2*!); also stets vor Labial! 

Ausstofiung des e (oder Metathese?) bieten die Dative der nngeschaffenre 24 si; 
iwederre 38s; dinre 17is; irre 54 8 « irerfe]) ; irre Gm.239 «irrer[e] oder irerfe?]), die Genitive 
einre 83; bitterre 34 12; irre Chn. 36 «irrer[e] oder irer[e]?)> sowie die Komparative here 44 11; 
narre 4426; horre 48 si; merre 54 ss; ferner im Hiat die Prafixe bei zovers 13 10; gendit 18s. 

6 vertritt bisweilen aUes ei : tn en 4 6 ; smecheren 10 4 (smeichere 8 ss ; smeichen 9 ss) ; 
elige ££27; heligen 39 is; west 458; oyerenzicheit 51 19. Haufig er sind die Fade in den klemeren 
Stucken: bezeginnnnge Bl.32; helige Schm. 5. Gm.13; keserinne Schm. 17; nphiget Schm. 38; 
weninden Gm. 72 ; shede Gm. 166 ; — vgl. andererseiU dm Schreibfehler weinen fur wenen 37 so. 




Einleitung. 




$ erscheint als KontrakUon aus -ehe- m slent 11 n (doch slehe 4i)\ aus -ege- in 
bewede 43 a (? : megede , s. o. 8. IX) und dres Gm. 69. — Es enispricht mhd. -fthe- , -ft- in 
entfc 4 8 (3. i?. *. prois. cottf .) ; nmbeve 54 m (£. p. ». imper.), 63 s (5. p. s. praes. conj.) ; intfen 44 6 
(1. p. p J. j»raes. ind. [conj. ?]) ; anevent 54 1 1 (5. p. p J. proe*. tno\) ; y ersmen t 47 15 (5. p. pi. proes. 
tnd.) ; versmet 59 35 (3. p. s. praes. tno\) ; versmeth Qm. 135 (2. p. pi. praes. conj. (?) ; aber *ver- 
amehent Grin. 33. 

Wohl einem I, ie der Voriage enispricht $ in ordineren 58 is (: schire). — Regelm&pigem 
owl m <ier 'Ztfte ' steht owe* O^. 3#. .807 gegenuber. 

Ob in dem regelmapigen de (= Artikel und Pronomcn der; hierfur der nw 1 1. Is. 



3 19. 90. 81. 5 80 [rawtmaTj. 83. 86. 7s. 7. 19. 81. 89. 37. 9 18. 80. 32 17. ift. 25. &cAm. 39. 42. 55. Qm. 2. 



15. 75. 76. 138. 142. Warn. 10), he (= er), we (= wer) e oder 6 vorliegt, ist wegen des Fehlens 
jeder QuantUdUbezeichnung nicht zu entscheiden. 

ei bezeichnet steis alien Diphthong; der neue findet sich nur in breidel (?) 61 8. 10 und 
eis Qm. 180 (?). — Nur zweimal — tn eingeine 13 37 (kdlnisch belegt Heinzel 8. 284) und reide 
Gm. 50 — findet sich das ripuarisch sonst beliebtc ei fur 8; fur ® in steide 3s; leistert Gm. 197. 

ei in reit 58 a (zweimal). 61 9. (7m. 217, reite 57 86. 594, gereit 58 13 trt Ergebnis der 
Vokalisierung des ch tn der Lautgruppe -echt, oYe daneben in der Schrift auftritt. Die ndrdliche 
Grenze der VokaUsierung fdUt heute nach J. Ramisch, Studien zur niederrhein. Dialektgeographie 
(Berichte u. Studien uber Wenkers Sprachattas des Deuischen Beiches, hrsg. v. F. Wrede I [1908]) 
8. 19 f. mit der ik-ich-£m*> — 'Drdinger Linie ; vgl. bei Ramisch Pausblatt 1 und fur das rechts- 
rheinische Qebiet die Karte bei Hasenclever, Der Dialekt der Qemeinde Wermelskirchen , Diss. 
Marburg 1904 — zusammen, wdche somit ah die aufkrste Nordgrenze der Heimat unserer Hs. 
geUen darf, zumal da auch Heinzel den eh -AusfaU erst von seiner Mundart III (dltere kdlnische) 
ab nach Suden hin belegt (8. 237 ff.). — Vgl. auch 8. XXV. 



ei < -ehe- : ersleit 7ss. 9 33; also ist die Bemerkung Kraus' 8. 148, „dap auf mfrk. 
Boden die konirahierten Formen nicht vorkommen", zu korrigieren. — Neben regdmdpigem sis zur 
herrschenden Kontraktionsform sin 4 sehen* sieht seis 4833. 

Dem Kolnischen eigentumlich ist ei in deis, deit 2. 3. p. s. praes., das auch im Vers- 
inner n herrscht: deis 4 81. 11 2 50 35. 59 17; deit 7 83. 408. 5088. 51 b(?). 52 s. Schm. 5. Qm. 9. 
Dazu treten geit 3. p. 9.; 3s, is. u. lis. 35 n. 36b. 39 34. 4089. 47 is. 58 84; 2. p. pi.: 12 sa. 305. 
39 u (2. p. pi. imper. get lu); gein 1. p. pi. praes. 44 e. 55 8; 3. p. pi. praes. conj. (?) 2738; 
steit 3 86. 78. X2n. 34 37, 51. 28; steint 2 11. 5s. 789. 12 is. 55 33. £u intf&n tctrcf gebUdet intfeit 
55 35 (£. p. pi. tmper.) , 0m. 25,2 (3. p. s. praes.) ; *u nmbey&n das dfter, besonders im Reim 
belegte nmbeveit 

i wird ohne Unterschied der Quantitdt durch 1, 1 toiedergegeben , das auch als Zeichen 
fur ) gilt; daneben y nur in ypocrite 8s; Moyses 81c 304; yme 36 31; abysse 54 zi; by El. 5; 
hymelische 5/. 38; eya (7m. 59. 9^. Hdufiger ist J, j ; er8tfrw oet Eigennamen, oft als Initiate, 
leUteres meist fur i, at*cA woW j, vorwiegend im Versanfang; seUenet ist es in der 'Lilie', 
hdufiger in EL Schm. Gm. Warn. 

Wechsel zwischen i (i) und ie belegen die Doppelformen di, die (aber die = de, der 
steis mit ie), daneben emmdl da warheit 48 10; diser, dieser; dise, diese; hi, hie; neben ir emmal 
ier in; iwelich, iewelich; idoch, iedoch 60 to; aber nur iman, ieinich ^2«, iweder 38 e, izu, i 
bewede 434; niman, nieman; nimer ^2 17, niemer (7m. 99. 102; m 60u; nit, niet; vile, yiele; 
wi, wie; wider (tn Kompositen) t wieder 3 s. 46 s; ausnahmslos si. Ferner: dinen, dinest; aber 
dienee ,2s, dienet (7m. 5. — lif ('I^Oi Uef G^m. 2^5; lif { i lieb r ) 63s. Gm. 189, Uyer Gm. 74, 
liyen (7m. 27^, livesten 41 si. 44 »e — lieve ^m. 244, liever J5I. 5. 7, lieyet 6m. 93. — liht, Uth; 
lieth Schm. 15. — sich ('krank^ siech 56 h; vil C/W') 3^8. 11, viel ^8s; yire 6 10. n, virde 6sz, 
yirveldich 7%; yiere ^04, yierde ^9n. 19. 47n; vierveldich 52 2. Auch in den kontrahierten Verben 
treten Doppelformen auf: z. B. gesin 610, besin 728, gesien 37. 44 s.s; sin 16 9 u. 6., sien 3 s; 
sis 25 a, sies £ so. — geschin (m/*.) 44 93 , geschien (part perf.) Warn. 38. 

b* 




Einleitung. 



Diesem Wechsel entspricht die Vertretung des ie durch i in: behildes 422; hilt 13 », 
behilde (:bilde) 24 32; lizen 426, verlizen 7 14; liz 19 34. 30 ss; lizet 19 31; bedrigen 86 «. 6.; yer- 
lisen 984 u. d.; nngebriyet 12 w; begizen £92$. 3429; ylizen 34 20; lif ('lief') 35*; sliffes 364; 
aticA tn (fer Kontraktion fl in 38 26. 28 ; hizes 47 6 ; kisen &cftm. 16 ; odcr gebieden 60 5 ; genieden 
Gm. 23. Desgleichen in schire 9 22 n. o. (: ordineren 58 is) ; spigel 18 23 ; dif 34 is ; cirheit £4 28 u. o. ; 
vlimen 37 1; rit 61 38. Kontraktion: zin 31 5 t*. 0.; knin 37si; quit 41 22 w. 5.; lin 44 36 (t^J. 
fif. IX) ; git 50 28. 

i vertritt e m irate 623 (sonst eriste), mirken (: sterket £922); e* m gine (fjene 9 ). welich, 
wilich kommen nebeneinander vor; wilher Bl. 44, wilcher Warn. 4; Gm. 17 vereinzelt welc. 

Zweifelhaft sind die ie m wiere 17 37 und znienyeldich 3£2i (gegen zniyeldich 59 is); 
nachtonig in hayien Gm. 161. 

Herrschend ist i in it (ith 62 1), das auch fur iht steht, welch letzteres aber in der Begel 
ith gesehrieben wird. Aussto flung des i findet sich bet Enktise: sit 5 12; mirt 16 4; salt £7 s. 46 32; 
sftlent (= siilent it) 49 23; lazent 49 si. Mittelhochdeutschem unde entspricht unit Ausnahme 
von 3827, Bl. 7, tfro. 6£. 66. 153. 160. 182, Warn. 43 stets ripuarisches inde, das ofter, besonders 
vor d-Anlaut, in der Kurzform in auftritt. — Wegen der VerhcUtnisse im Vorton vgl. 8. XVII; 
vereinzelt ist das vortonige i in yirstrickit 4621; bitduungen 34 u; bitzeichenet 4724; invnrich 
43 s 1 ; intdruen Chn. 48. Dam inbarmet 19 29 ; inberen 41 20 ; inberrin Warn. 48, inlazit Chn. 20. 

Im Nachton wird e hdufig durch i vertreten: 1. Verbalendungen: cfimit, cnmit £17. 

4n. 14 17. £03o; vgl. Is. 3s. 4 22. 5n. 19. 29. 77. 89. 1024. 18 1. 1927. £9*6. 3928.30. 46 16.21. 48s. 27. 
5*24; Bl. 2. 23. 24; Schm. 20. 43; Gm. 20. 27. 31. 72. 123. 127. 178. 193. 199. 201. 211; Warn. 

15. 20. 34. 48. 2. Kasusendungen: sundin 3 13; vgl. 61. 8 si; stilis (: is) 13 is. 54 is. Bl.ll. 
Schm. 12. Gm.151. Warn. 12. 43. 3. Suffixe bene. Inter fixe: dngit 5 is, d&ginde Bl 44 
(sonst duget, dftget); nndugen 3136; oviz 9 12; heidinen 3529, heidenen 367; eilif 432; ewilich 
£7so. 41 22 (sonst e welich); heimilicheit 44 21 (sonst heimelich usw.); siiziste 48 16; bescheidinisse 
495; dusichsisten 507; hevil 5026; erist 5£s. 11. 55v%. is. 5825 (irate 62s); minnisten 56n; diniste 



5612; bezeginnnnge Bl.32; dusint Gm. 100. Warn. 8; werilt usw. s. 0. 8. XVII; die e-Form 



werelde, die in der i IMie y herrscht, hat von den Jdeinen Stuchen nur Gm. 20. 156. — geilir 
Gm. 223. Wechsel zeigt das -igen-Suffix, z. B. snndegen 20 s, aber vlizichen 54 9. — EinzelfaUe 
sind maninge 28 n ; cussinge 44 si; die Begel ist sonst -unge. 



AuffdUig bleibt die recht > reit (s. 0. 8. XIX) parallel laufende Palatalisierung und 
Vokalisierung (?) des h (= ch) > i m moite Gm. 71. 120 < mohte, welches die herrschende Form 



f 



ist. Man erwartet -oute (vgl. Hasenclever a. a. 0. § 59. 60, Bamisch a. a. 0. § 19), aUenfaUs 
-dte. Mdglicherweise liegt hier nicht der Diphthong oi, sondern das der Hs. geldufige oi = 6 vor. 
Dann wurde Schwund mit Ersatzdehnung (?) anzunehmen sein. Vgl. indes moithe Mittelndl. 
Osterspiel 663. 683. — Zu 1 als Dehnungszeichen fur a (ai), (oi) siehe bei a und 0. 

Dem herrschenden Deminutivsuffix -lin tritt vereinzelt wivechin 9 19 gegenuber. 

* 

Die bemerkenswerleste Erscheinung auf dem Gebiete des Vokalismus ist 
die Wandlung des i vor Nasal, am haufigsten vor Nasal + Konsonant, zu o; sie 
ist heute namentUch im Ahrtal und Sieggebiet beobachtet: vgl. Norrenberg, Beiir. 9,418; Arth. 
MuUer, Niederrhein. Marienlob S. 27 (dock auch Weinh. § 50, Heinzel 8. 250. 265). Die Er- 
scheinung ist indes auf die t IAlie ' beschrankt , wdhrend der Schreiber bei den Jdeineren Stueken, 
der en Schriftform sonst ripuarische Eigentumlichkeitcn ja durchaus nicht mangeln, die Ver- 
dumpfung vermeidet und damit offenbar treu der Vorlage folgt. 

Der pronominale Akkusativ sg. bezw. Dativ pi. erscheint fast immer als on ; in nur 3 20. 
Ferner: dronken I15. 62. 4. 562; vgl 526. 50 22; dongen 2 a. 617. 25. 7i; vgl donge : bednongen 
30if. 53s. 61 34; vernom £7. 20. 5i. 14. 1923. £824. 30io. 31 2. 41 15; vernon 59 10; nom 3i; ge- 
wonne 326. 49 19; vgl. 14 u. 17 10. 50 32; vonden 5 s. 11 18 (:afgrunde); 51s. 61 19.2s (: intbinden) ; 
vgl 18 11. 926; vonfte 76. 3832. 38. 45 15; hon 7i4. 4929. 60 33; honne l£2e; honderwert Us; vgl. 
11 si; wonden 11 is (: vinden); conde 11 33; beduonc(?) 1£4; gomme 15 a;. wont 1534. 33. 18 is; 



Emteitung. 




gewon 19 $ (: bin) ; stomme : inbonnen 23 if.; songes : rouges 25 as f. ; sons #7 19 ; bonde 31 is 
(:snnge); vgl. 38 1. 11; 51 4; dron 3126. 3# 17 «drin); sont 3#33; vonger 37 s; sonnes 38 85; son 
40» (: on). 44 11. 49 m; bon 39 30; son gen : clongen 4#6/".; glommen : stommen 4334. 86. 

Auch an einigen anderen SteUen vertritt das i; docke (duckeF) #29 (w/J. ducke 
Heineel 8.250); Einflufi des 1 Ziegrt offenbar vor in wolt 4 10. 11. 629. #033. #76, bolp 4 20; des 
w w wozen 15 13; wosen #On, uw^w der Beim dodes : wizes 10 2% f. passen tourde. — ist fur e 
emgetreten in nost 21 35 ; in einigen Fallen fur a (?) : lifhovede 3 33 ; mohte 39 10 ; vonde Gm. 168. 
Wechsel mit u: dogede#u; worcele #19; verdoldich 2 27 t*. 0. , verdoldicheit (hdufig) , verdolet 
#836, nngedolt 53 14 gegenuber verdoldicheit #20; wonde #34 neben wnde #35, wonden #04 
( : bnnden). gelovede 5 28. 15 6 nefccn gelfivede 5 23 ; scholtgemare 40 26. 32. 

Auch bei fehlt jede Quantitdtsbezeichnung mil Ausnahme des Dehnungs-i: doit (sub si. 
v. adj.) 2 si u.o.; loin 42bu.d.\ noit 10 37; stoiz 35 13; geloist 56 is; geboit 59 35; roit Gm. 185. 
Sonst steht fur b blofi 0. 

Der Diphthong on (On) tsf *u 6 geworden in bom 9 10 w. 0.; oge 11 36 t*. 5.; dof 14 2; 
hovet 18 32 t*. 5.; stete geloven w»t Ableitwngen; och uberwiegt gegen onch; zonen #0i2 w. 0.; 
bescboen #6 6 , bescbohen 6r*n. 140 ; daneben schowen , beschowen. royet 27 20 ; lof 34 38 (Xau5) ; 
36 1 Qaufe) ; sogen 41 34 ; auch in vrowe, yro wede ( f Freude '), vrowen (hdufig) ist wohl anew- 
nehmen. Dag eg en ist der Diphthong on selten : cowf 34 39 entspricht nicht gam der Mundart 
des Schreibers, die in der *Lilie* nur evnige onch und z. B. 10 12 ongen tula/ft, todhrend in den 
kUmeren Slacken onge Gm. 89, onch Gm. 96, fronde (o/fer) und rrondebere Chn. 153, fronhen 
Gm. 79. 139 vorkommen. Hier (Gm. 131. 139) findet sich der Diphthong auch fur n : onch (sonst 
nch), offenbar ein Best der nichtrvpuarischen Vorlage ; vgl. Weinh. § 474. 

6 fur no beztc. tie: soch 4 11; mozes 3727. 



o 



u a stehen fUr n jeder Quantitdt, fur n, in, no, tie, ja fur on in d&ch 5k, verd&wen 
50 31. Der einzige Fall mit Umlautsbezeichnung ist brneden Warn. 35. 

Beispiele: 1. n: nmbe; sftlen I12. 2. u: du (hdufig); c&me 51s. 3. tt: dnre 22n; 
fryer 3032. 4. in: gesnnen 3i; drn (3?) 830 u. 6.; yerlnset 9w; yln 3828; vmnt 534; gebiidet 



49 10 ; vgl. auch Beime wie irbnden : gnden 56 9 f. 5. no : gennch 51 22 ; gude 58 12. 6. tie : vnze 



36 9, s&siste 48 1$. 

n herrscht in dn, du (= mAd. dd), son ('So^n'); snster 4i8 u. s. vnr(e), vfir(e) ftommen 

ror nf^en yor, for; bnrne, bnrnen neben bernen, birnen (s. Gloss.); sn we JW. #3. 52 steht 
vereinzdt. 

Daneben findet n Verwendung als Schriftzeichen fur v und w; die** iWederum drucken 
u und yn soktic wn aus: s. u. S. XXIII. 




II. Konsonantismus. 1. Die Verschiebung: t, k, p. 



Unverschobenes t: dat fast, dit schlechthin ausnahmslos (das #96 fawn = da s6 oder 
Schreibfehler sein) ; dath <7m. 7# (t#J. S. XV) deutet vieUeicht auf hohes, h dhnliches z seiner 



Vorlage zuruck; vgl. Heinzels Bemerkung zu dith S. 274. — it (auch iht erscheint 




in dieser Form) herrscht und hat nur ein ith 62 1 (das indes < it iht kontrahiert oder einem 



als iht, ith mifherstandenem it der Vorlage entsprechen kann) zur Seite; dagegen findet sich id 
Schm. 22, Gm. 138. 166. 224, Warn. 27 (it Gm. 122). it in EnkUse s. 0. S. XX). — wat stets; 
wad Warn. 24. — Neben allet als Begel steht ailed nur Gm. 83. Nach dem Norden des 
Bipuarischen weist lieyet Gm. 93 ; vgl. Bohme a. a. 0. S. 42. 

t m cnrt 11 mal ( : gebnrt 13 29 f.) ; curtliche 6 6 u. 6. ; cnrteliche 37 33 ; daneben knrder 
Warn. 10 ; Verschiebung nur in cnrce 6 5 ; cnrc 11 36. — intusschen 5# 6. 60 6. 

FereweeJte .Fofo; besat 52«; gesat 13 7. 22; satte 19 h. #16; sette #62. 5722. — grade 
9 16 (?) ; gebnt 30 34 (?). 

Die Verschiebung z erscheint im Anlaut meist als z; daneben c: ciden 4i; hoge- 
cides 40i; cit 0#25; beceichenen 033 u. 6.; ce 724 u. o\; vgl.Uzi. 192.81. #027. 40 12. 48 u. #488. 




EinUitung. 



29 ts. 30 s. 46 io. 55 so; doch nur einmal czuht 63 3; bitzeicbenet 47 94. Im Inlaut ist c nur 
ncwA r Qblich: wrcele It u. 5. neben wrzele; herce ltu.6. neben herze; snace lit, suarce 84 fed. 



ne&en suarz Un; cure 65. llss; lurcer 12 11. 553i; arcedie 2927; mL 3099.24; wrce 45s (wrze- 



gart 2#. 14). — Intervohalisch: nur immer in cruce; entsprechend erucigere IPss u. <5. 

^Toe^ £dn<7e herrscht z; zs nur tn bellewizsen 822; wizsen 48 33. ^tie^ 8 kommt vor: 
wise 525; grose 552*; user masen Sc^w. 44; ebenso fur anlautendes z: alee (=alze) 13 is «. 6.\ 
sons £7i9; sin(?) 3824; fur z tm -Austotrf: das(?) 29b; var t: leste 38 17 u.o.; dber zelezt 149. 

zz wechselt mit z : *. B. ezzen 1 15 — ezen 6 2 ; bezzere 8 28 — bezere 1 21 ; bizze 8 is 
bize 17 u; beslozzen 9 30 — beslozen 3026; wizzen 10 7 —wizen 49 21; Z7msteBtm<7 tn bezesen 
£28; s tn wosen ^0n. 

tz erscheint als z, zz, tz; je einmal als tcb, zc, eweimal ah zch: nflze Is, nuzze 92, 
nutzes ^15; antlitze £ie, autlize 4 10, antlizche Forn. 12; lftzel £3, luzcel Gs, lutzel 13 u «. d.; 
lutchel 48 86 ; hize 3 29 , hitze 5 12 ; besezen ich 5 25 , setze 3 23 , sizt Gm. 3, besitzet 50 s ; scatze 
8 9, scaz (7m. 75; zecrazchent Gm. 233. 

Aus -tes, -ts verscharfUs z erscheint ah z, tc, tz : if. 5. ezlich (hdufig) ; etcelich 4 is u. o. ; 

seltzene 5s; etzwat 13s. Un«<*<« Ferscfctefcunp tn des ze MipC die 'Xtte', aber Bl., Warn. 
deste (s. Gloss.). 

k erscheint unverschoben in suket 53 21; sftkent Was; sons* after suchet, suchent (&2u.ie); 
welc (7m. 17. Anderer Art ist nach Weinh. § 230 das k in nekent 3 34 ; genecket 61 24 , aVw er 
§93 ah kdlnisch bezeichnet. Ripuarisch nicht seUen ist weitergehende Verschiebung des k tin 
Inlaut und nach Nasalen (Weinh. § 235), die vorliegt in nach, nacbet, nacbtheit ; smacb, smacben, 
gesmach, gesmachen (s. Gloss.) ; drunch Gm. 73 ; jamercbeit (?) 37 91 ; auch hk m scenbkes Gm. 61 
wird so zu deuten sein. 

SchrifUeichen fur k sind im Anlaut c und k, tm Iniaut nur k, tm 4«^a«t nur c Die 
Stammsilben von ZusammenseUungen besw. Ableitungen mit Pr&fix und losem Suffix xcerden 
hierbei voie selbstdndige Worter behandeU: also s. B. stare 3 28; sterclicbe 7 10; starcbeit 4 2s; 
aber starkeste 6 24 ; sterkede 6 23 u. 6. — Im Anlaut ist fur gewisse Wortgruppen, wie becoren 
mit Ableitungen, cruce, Crist ausnahmslos c im Gebrauch. In den khineren Stucken uber- 
wiegt k im Anlaut. 

ek wird stets durch ck, durch eg nur in driecgebter 61 19 (neben drieckih 61 27) wieder- 
gegeben; ck fur k nur in genecket 61 24. 

p ist /art nur tn intervokalischer SteUung versehoben, jedoch im Anlaut und Auslaui, 
im Inlaut nach Konsonanten, audi in Gemination oft erhalten; 0. B. plach 18 5; pilere 3527; 
patb, pades 8cAm. 25. 34; bolp 4 20; auch sonst stets heipen; helpe 24 1. Gm. 57; aber hilf Gm. 94 
wohl Best der Vorlage. — nap 6 2 ; stets up ; werp 5 31 ; niderwarp 7 u ; scbarpe 19 10 ; bulpelich 
30 12; uppe 21%; cloppen 22 w(: offen); scheppere £786 u. 6.; aber neben gescheppenisse 26 u auch 
gescbefnisse 48 13 und gescheffede 26 2; es werden tn den pp-jFormen Ableitungen von scbeppei 
tn denen mit f, ff solche von scbapen vorliegen. Verschiebung: geschuf, ungescbaffenre 24 37; 
geschaffen 2529 u. 0.; droffe 35 4; sliffes 304; gescbraffet 36 si; oifenbare 37 15; offenunge ('Hoff- 

nung *) 53 1 5 ; claffen (7m. 221 ; wafeno TFarn. 51. Zweifethaft ist die Wiedergabc des pp durch 
pb tn upbiget 8chm. 38; sonst ist pb nur ublich in propbete 4 35 u. 0. — Verschiebung im Aus- 
laut zeigt das Suffix m herschaf 48 4, vgl. 46 36. 8cnm. 54. 



t 



Wenn die heutigen Verschiebungsgrenzen mit verhdltnismdfiig nur geringen 
Modifikationen der Lokalisierung unserer Hs. zugrunde gelegt werden konnen, so 
wurden die oben dargelegten Verhaltnisse auf ein Gebiet weisen, das nordlich 
etwa durch die sogenannte Benrather Linie (B. nordlich der Wuppermiindung) ab- 
geschlossen wird (vgl. Ramisch a. a. 0, S. 16). Damit ware der nordlichste Zip f el 





> 



des ripuarischen Gebietes abzutrennen, was uns mit HUfe der fruheren Be- 
stimmungen, die dllgemeiner auf den Nor den Ripuariens lauteten, in die K diner 
G eg end fiihrt. 1 ) 

2. Die ubrigen Erseheinungen des Konsonantismus. 

Labiate: b findet sich fast nur im Anlaut. In durchgehendem bit — Gm. 4 aber 
mit, bit nebeneinander ; mit Gm. 24. 35. 40. 63. 231; bit Warn. 29 — und bedalle 22 1. 40 n ent- 
spricht es mhd. m. 

Im Inlaut entspricht thm intervokalisch , sowie nach 1, r — ausgenotnmen arbeide 
62 ss u.6. — stets v, das auch u, seltener f, ff geschrieben wird. Im Ausilaut erscheint der Reibe- 
laut stels als f. Nach anderen Konsonanten bleibt b inlaut end: crumber 3n u. 6.; dumbe 10 u; 
lambe Schm. 32; auslautend steht b neben p; crumb 5 is; dump 10 33; lamp Schm. 25 u. 6. 
Beibdaut: haven; verdriven 17% u. 6.; erheven 41 %s u.6.; erhuffes 18%. uv als w: wer 41 is. 
halve 44 28 ti. o. ; erve 9 27 u. 0. ; gewerf : derf 50 nf; undertwerve TTarn. 18 ; dusentwerf 11 29 ; 
gaff 50s (: traf). 40 21; afgrnnde 17 as t*. 6.; of (hdufig). — Alteres f tflt'rd* vorliegen in vergifenisse 

▼ergiffenisae 9 31 n. 0. 

bb ist erhaUen in stubbe 11%. 47 19; cribbe 50 si t*. 0.; sibbc 44 26. 

f u?«ird durch t (u), f, w wiedergegeben ; 5. B. vile, vure, driveldicbeide, vadere 24 15 «. o. ; 
▼In 5828. f, «fa« tn der '.Lito' sdtener ist, wird in den kleinen Stucken hdufiger: fiole BZ. 18 u. 6.; 
fluith BZ. 24; vgl. Schm. 26. 45; Gm. 182; froude 6?ro. 4 «. d. ('Lilie': stets vrowede); manige fait 
Gm. 208; froliche Gm. 213. 220; fleische (rro. ^i8 ne&en v- (u-)Forroen. — w /for f, v ist seltener: 
wan lis u. d.; waren 5ie; vgl 5 20. 6*21.32. £8js. 29 10. 582. 44 89. 488; 8cAm. 4. 45; (Tin. £. 
fa*, vu- ittrd bisweilen, besonders vor r, durcA w ausgedruckt: wr 427 u. 0.; wre Pis u.d.; wr 
('FetterO 53i. 5Gm; wnden 5,2 is. 55*. 60n; wrderden 39 1; wl <?wt. 188. 

Umgekehrt wird in den Initialen W m# ForZtefce durch Uu, Uv, Vu, Vv wiedergegeben: 
z. B. Wat 5is hsl. Uuat; 0is Uvat; WeB 17s2 hsl. Vues; Want 5822 hsl Vvant i*.*/ 1 : Wu=w 
m 45 $6 ist wohl Fehler. v, nn a& Schriftzeichen fur w ist seZfen; vant 7 21. 11 28; Vane 82; 
vonde Gtot. 168; beschouuet Gm. 175 steht vereimeU; nnorden 13 29; t#Z. 57.8. 728. 18 87. 21 u. 
41 s ; suuer 52 4 (?) ; 1#Z. /brtier nr, vr, wr. 

Reg elm a pig vertritt u das w nacft Ifonsonanten; *. B. suace lie; suert 11 10; 
bedningen 1^35; verduaset 14b; zuein, zna 52s; snivel 59s; sua BZ. 57; snie Gm. 105 — n tn su 
we Bl. 23.J52 (vgl. S. XXI) ist vietteicht auf diese Gewohnheit des Schreibers surueksufuhren. 

Uberaus hdufig ist w = wn , das bisweilen — so von Perdisch a. a. 0. 8. 16 — als 
aUertumlich betrachtet wird, das aber noch in der 2. Halfte des 13. Jahrhunderts vorkommt. Fast 
durehaus ist die Erscheinung auf Fdtte vor Nasal (m, n) + Konsonant und vor r + Konsonant 
beschrankt : von den 51 Fallen der Hs. bUden von dieser Regel nur wstenien 30 s ; gews 33 5 ; 
wcherent 49 21 sine Ausnahme. Beispiele : wrcele 1 2 ; wrpen 1 is ; wrde 2 is ; wnde 2 ss ; ge wrme 
5 so ; antwrdes 22 s ; verwnnen 37 a , wrzegart Bl. 14 ; wnsch Gm. 107. 

Charakteristisch ripuarisch ist die Erhaltung des w vor anlautendem t in wrechen 
2 is. Hi 1. 14 20, als v, n tn vrechen 19 28 u. 0. — Ausge fatten ist w aufier regclmapig in vrunt usw. 
in true und Ableitungen (s. u. bei t) ; rue (s. Gloss.), rnich 44 2, verlnen 54 s (?) ; tn fluster 4 is u. 6. 
unter Verdumpfung des & 

Dent ale: d tsf erhaUen aufier in den mhd. gewohnlichen Fatten auch im Anlaut, 
intervokalisch, in der Gemination, sowie inlautend in -rd- und -Id-, ferner sonst ver* 
etmeit, s. B. otmudichde 17 u. — Beispiele: dr oaken lis; duvele lis; verduaset 14s, aber 
bitdungen 54s4; thretin Warn. 43. 




*) on statt in weist freilich, wit mir G. Roethe su bedenken gibt, auf em sud- 



Ucheres Gebiet (vgl. 8. XX). 



I 



XXIV 



Endeitung. 



Doppelformen dagegen eeigt du: has da 1 94 u. 6.\ wenea ta 3 so; has tn 14 m ; hestu 

JW. ,29; deia du 4 21 u. 0.; deiatu II2; bis du 12 17 u. 0.; JK. 50; bis tu l£ie; Bl 41; macht du !7r, 
macht tu 13 si ; maht tu 14 34; weistu 10 24 u. 6.; weiat du 26 it. Kontraktionen : machtu 10 97; 
mach du 102; sal du £4si. 48ib gegenuber salt du 15$ u. 6. — dat du I61; dat tu 1495. Sonst 
herrscht du. 

Anlautendes t tat erhdlten: s. Gloss, unter t; dam tastene £19. 11 93; getruntene 16 is; 
getrue 18 4 tfc 0.; a&cr intdruen Gm.48; vgl Weinh.§ 187; betirmen 25 as; getredeu 4£9e; pyL 
5(*m. £6. 6491. £10 ; getroste Gm. 52. 

Inlaut: huden I39; gereideme £a u. 0.; Ja Erweichung kotnmt vor: unbesnidene 13%; 
bl&meden Schm. 34; s.u. 8. XXV; aber otmutdicheit 1799; detden 21 is (sonst dede). Vgl. auch 
sahde 5i; sold dir El. 31. In Fremdwortern t: ypocrite 8s; creature 44 96 u. 6.; nature 53si; 
aber neben arcetere 36 94 arcedie 29 27 u. 6. ; kemenade Warn. 20. 

-ded- > t Uegt vor in hfiten 8 99 ; beh&ten 39 5. — Doppelformen seigen wande touZ 

want (hdufig). 

Eigentumlicher Wechsel eeigt sich besonders in den fdcineren Slacken in megede 43 3 u. 6., 
Schm. 2 u.6., meghede Schm. 33 gegen megeten Bl. 30; megethen Bl 47. magetuom -erscheint 
als mage thum Bl. 9. Schm. 50 ; unsicher ist muthnisse 32 24 ; sonst th oft fur auslautendes t < d : 
noth 999; lith 57 16; vgl. Schm. 25.46; Warn. 46. 47; auch das t der Verbalendung erscheint als th: 
bereith «bereidet) 41 ie; fluith Bl. 24; versmath Gm. 19; vgl. Gm. 135, sowie ht. 

Gemination: hedde 495 u. 6.; hadden 17i; bidde £098; erachudde 34 13; aber neben 
midden 3 26 mitten Gm. 114. Bine SondersteUung nimmt ein dritde 20 35 u. 6. (achtmal) ; daneben 
dride £029. £724. — tt: bittere £31 u. 5.; bittheren Gm.231; bittherliche Warn. 26. 

Die eahlrekhen unverschobenen -rd- und -Id- des Versinnern seteen die S. XI fur die 
'Lilie' geeogene Diaiehtgrenee endgultig, auch fur den Schrciber der Hs. fest: hungerde I14; 
worde £30 u. 6.; volherden 5 17 u. 0.; durch rerdicheit 036; kerde £725 u.6.; yierde 28 n u. 6.; 
gerde 304 ; geburde 33 1; hirde 33 a u.6.; warden : wrzegarden Bl. 27 /., u.s.f, aber wertdicheide 5 19; 
wirtde Gm. 133. Die Schreibung d statt t in kurder (a. 0. S. XXI) wird auf diese Verschiebungs- 
verhaltnisse des d zuruckzufuhren sein. Die FaUe dorte, dorten, vorte, vorten enthalten neues 
-rt-, das erst niederrJieinisch durch Ausfall eines dazwischen liegenden Konsonanten (f [?], h) 
entztanden ist; s. u. bei h, ch. 

geweldich £3 t*. 6.; bealden 5is; -veldich 6 is u.6.; aide 94 u. 6.; zuivelde 99i; keldene 
II90; gelden 3£97 u. 6.; selden 4619; ercalden : behalden 52\*f; heldet Bl. 34 u. s. f. 

Ein charahUristisch ripuarisches Demonstrate ist aldus 593. 18 n; dua ££30. 

AbfaU eines t: omudicheit 7 15 (sonst otmudichei t) ; in las it Gm. 20; inberrin Warn. 48; 
besonders im Auslaut: ze vordea £7 17 (oder adverbiales -ea- Suffix wis in vergevea? Sonst ze 
vorderat); zovera 13 10; aliea erea £737 (: achepperea); undugen 31 sa. Mit Vorliebe vor d-Anlaut: 



beceichen die 4 is (oder < beceichene T) ; han dait 5 21 ; alzhan 11 9 (? 9 : hant) ; du sal den 15 



de dei dich 50 22; s. auch oben bei inde> in und bei du; mach du; aal du. Vgl. Kraus 8. VI 



75. Demselben Prinzip ist wohl der n-AusfaU in anuzliche « an nuzliche) 8 25 zuzuschreiben 
Suffix -achaf erscheint ohne t; s.o. bei p. Ob das mit Kraus S. 209 als „AbfaU u bezeichnet 
werden darf, ist zweifelhaft. — Andererseits tritt folgendes d heruber: ich willent dich 10 n. 
Einschub eines t (?) zeigt untwertliche 9 15. — geweat 3 30 steht neben geweaen 49 98 u. 6. 




Gutturale: g erscheint in der Begel im Anlaut als g, tntervokalisch oder inlautend 
vor Vokalen nach n als g ; nacA n auslautend oder inlautend vor Konsonanten als c, auslautend 
nach Vohal als ch. Z. B. gude 6s; geiat 610; dri veldige 619; d&gede 7 19 ; langede 5 14 ; dongen 7 1 ; 
penninc 47; lancmudicheit 5 15; geweldich £3; druch £5 19; 8elich Bl. 55; dach : mach Schm. 15 f.; 
genuch Gm. 7; daneben he in warehtihe 15 7 ; mahc 38 37 (vgl ahcteraprache 9 19) . 

Ausnahmen: meghede Schm. 33; geyenkeniaae 38 si; zegenkelich Schm. 52; uphiget 
Schm. 38 (f); dag Warn. 10; widerapenig Warn. 31. ch dringt vom Auslaut auch in den Inlaut; 



EMeitmg. 




einiche 5 13 u. 6.; otmudiche 013; virveldichen 7«; weitere Fade 7 12. 16 is. 28 n. 33 20. 33. 45 35. 

49 32. 54 9. 55 19 ; Bl. 38. 

g stets im Pronomen gein, engein, ingein; es vertritt j(i) w ge(t)zwat 22 12. 487, die 
gine 49 20. Ausfall des g *£t<7en bewede 45 4 ; Ban 55 27 ; dres (rw. 69. 

Im TFecnseJ mit h erscheint g tn seges 9m; sagen 56 s; zngit (?) 4621 u. s.; zoge (?) 5725. 



Pur ch>hh stefa einmal gg: laggen Gm. 221; fur ch < k einmal hg: sahgen £15. 



Den Lautwerten des g in unserer Hs. entspricht es, wenn g bisweilcn dls Schriftzeichen fur 



ch<k Verwendung findet: verdoldiclige 52 36; zeigen 554; bezeginnnnge Bl. 32; bezeigenet Bl. 46 ; 
rige Gm. 5. 

h ist hdufig geschwunden: 1. im Anlaut: da as 4\i\ bealden 5is; die elige 22ti; 
die offenunge 55is; Me offerdich Schm. 20; undert Schm. 18. — 2. im Inlaut intervokalisch: 
rcgelmdpig in geschin, sin, vlin, van und Kompositen, uzslan, versman, zin. Wdhrend bet 
den vier ersteren auch die Flexion des Prdsens den Schwund zeigt — geschit, sit, sin, intfeit 
usw. (s.o. bei 6, ei, I), fluith Bl. 24 — , hat slan neben ersleit 7 33. 9 33; slent 11 24 auch slehe 47; 



versman neben 3 Formen ohne h (s. 0. 8. XIX) auch *versmehent Ghn. 33 ; zin neben znt Gm. 38, 
cnet 2 ib. 31 7, auch znhet 5526 und die g-Form zugit (s.o.). — Ob in verluen 54 5 (: tmen) h- oder 
w-Schwund vorliegt ist unsicher. h ist ausge fallen in hoer Bl.13 (vgl. narre 44 25; horre 48 21) gemap 
dem h~ Schwund. — 5. t'm Auslaut, wo ho, na o^ Regel; dazu ze £28; dur 14 30 (sonst durch). 
Dem entspricht der Schwund in den Kompositen hogecides 40 1; hoferdich 2& 49; offerdich 
(i-Doppelung Ersatz fur ausgefallenes h?) Schm. 20; hofart Ghn. 227. 234; nagebnre 0830; druseze 
Gm. 68. — 4. im Anlaut des Suffixes heit, bes. nach vorausgehendem -ch oder -sch: stolzeit 54 u. 6. ; 
hereit£52?; menscheit 5023 u.o.; mencheit 442$; cnscheit 43$; kuscheit Bl.39. wisseide 4728 (ss 
vielleicht = sch; s.u. S. XXVI bei s); richeit 48 16 u. 6.; heimelicheit 60 37; nphiget Schm. 38; 
wareit Gm. 106; vgl. Gm. 220; Warn. 11. Ob die regelmafiigen Schreibungen verduldicheit, senftmudi- 
cheit usw. als verdnldic | heit oder als verdnldich | eit mit Verschmelzung bezw. Ausfall des h auf- 
zufassen sind, ist unsicher. — 5. im Anlaut des Kompositionsteils -haftec, des sen ft hierbei 
nach ripuarischer Art z. T. als ht erscheint — was auch in ahcter-, ahter- (siehe Glossar) und 
luhte 2628 (: duhte; aber lnft 26ii) der Fall ist — : warehtich 938; warehtihc 15i; bereftich #926; 
dinstetich 27 15 fdllt zugleich unter — 6. vor t: durchgehend in vorte, vorten (hdufig); erliite 61; 



erlutet 49 4 neben lnhtet 26 21; zut, zutich, unzutich neben znht, znhtich (s. Gloss.); bigeten 
Warn. 33. 36; bl 5 me den Schm. 34 neben driecgehter 61 19 und drieckih 61 27; thretin Warn. 41; 
bigeth Warn. 37; dock kann hier das th Schriftzeichen fur ht sein, wie in ith (hdufig, vgl. outh 432); 
reth 5 10. 11; lith : nith 23 mf.; vgl 23 32 und nit : liht 26iif. 42 if.; lieth Schm. 15; rithtere 
11 9 (?); reith Gm. 117 (th = t? s. 0. S. XIX reit); kneth Gm. 118; moth Warn. 16 (moite Gm. 71. 
120, s. 0. S. XX). — Wie h vor t auper als h oft als ch, so erscheint auch ch < k als h, nicht nur 
vor t (z. B. besnht 55s), sondern auch intervokalisch: sprehe 2n; stihet 18 is; trehit Bl. 2 (J). Auch 
hier Ausfall vor t: unbesutten 60 11 (vgl. besfit : gut 20wf.). Unsicher ist gerfiin 5,2 24. 
7. vor s: nesten 2 13 u.o.; ses, seste (hdufig); seBveldige ,24s; sesse 24 5; vusse 21 u; wasent Bl. 14; 
weset 21 7 u. 6.; vgl. gews : has 555. 

Dem Schwund des h t'm Anlaut stehen einige FdUe von Pro these gegenuber: here 
16 29 (?) ; heren 26 30 (?) ; heit Gm. 64. Doppeldeutig ist alzhan 11 9. 

Vereinzelt ersetzt h intervokalisch geschwundenes w ; ntften regelmdpigem echo wen, vrowen 
steht beschoent 26 b und schohet Gm. 80; beschohen Gm. 140 (?); frouhet Gm. 79; frouhen Gm. 139. 

qu anlautend, vor allem in qnam 29 e. 59 20 (quan 5 7. 18 2&) ; qneme 34 10 ; do eft ciime, 
enmen , oilmen (Inf. und Part. Perf.) 2n u. 6.; vgl. die Beime qnam : nam 21 29 f. 30 23 f. 31 28 /". 
32isf. 57 10 f. und die mit ciimen S. XII, XV, sowie Roediger, Annolied S. 90uff. 

Liquid en: 1 und 11 wechseln zuweilen: regelmdpiges willen hat wilen 5 13; zelle 11 h, 
nnzelliche 5828 nnzeliche 22 20 neben sich. — r: 1. Yerdoppelung (oder Metathese?) bei einigen 
femininen Genitiven und Datwen, sowie bei Komparativen, s. 0. S. XVIII. 2. Vereinfachung: 

here 44 11 « h6rre < hGrere). 5. Metathese: evenkirsten 20 22 neben evenkristene 4835; 




XXVI 



EMeitung. 



yorst 8 19 (Hs. eweimdlf). 33 n. In der Vorsitbe er- bisweilm nach prothctischer Negations- 
partikel: inreyere 8 37. 39 29 ; re- nocfc II 19. 30. Begelm&fiig ist sie in bernen , birnen , burnen ; 
borne, sprincbnrne (s. Gloss.). 4. Ausfall vor Konsonanten: snace lie; amer 10 7; barme- 
hezicheide 27 34 ; indaf 29 4 ; sicheheit 50 ss. — Im Possessiv siets unse ; tin Fragepronomen we. 
Zweifelhafl ist, ob m he is vrunt ocb andere luden 59 s ww* der suze reden (7m. 19 r-jKr«parn« 
vorliegt oder n- Ausfall (s. u.). 

e) Nasale: n vertritt m ausJawtaui m quan 5t. I8«; ofoie quam £9« u. 0. und <fte 
2tet me : nam («. 0. 5. XX 7) wore som# eke Aufldsung des dfter auftretenden qu& > quan *w 
fordcrn. — licbane 51 13; t>pJ. den Itetm licbame : ane 25 if.; aber A dame : licbame 37 nf., 
samen : licbamen 54 26 /". — vernan 9 91 ; vernon 59 10. 

Assimilation n > m tn umbereit, umbillich, nmbecant, nmmere (s. Gloss.). 

Ausfall des n sfets tm Sw/jfoc 6et d&get, doget, d&gede ustc.; nur mutagen 31 si s. 0. 
5. XXT V; duginde El. 43. Auch ferner vereineelt vor Konsonant : des yindes (?) 9 96 ; use 13 n; 
schobeide 18 s ; wallede 31 37 ; eilif 43 9. Im Auslaut: dnrch sinen wille 14 31 ; den ungehorsami- 
cbeide 32 is; ware 33 94. — mi rat 2821s; mi rait Gm. 27. 170; di snze antlitze Gm. 80; es durfte 
somit si El. 48 (: bi) beibehalten warden. — sie wir 2ft. 43 ; sol wir TParn. 33. 34. — 1m sehwachen 
attributiven Adjektiv deme wallede yische 31 37 ; vgl. 45 24 ; 2tf . 28 ; Gm. 56 ; Gm. 88 (?) ; ferner 
bit eineme andere nit 34 ss (n-Ersparnisf), sowie die Besserungen 2u. 62 n. 

nn wird durch n vertreten in sinen 2 is. 3796: vgl. die Korrekturen 2 m. 33 w. 

n tritt an in yaUenden 21 21. 

Bezeichnend besonders fur unsere Mundart ist das -n der 1. p. s. praes.: icb wenen 
Ii u.6.; auch EL 17; aber wene 33 93; vgl. willent dich 10 95; ferner 13 v. 1495. 1998. 22 3. 

£396. 24 17. 33 19. 41 10. 46 31. 36. 37. 47s. 5£ia. 53s. 23. 60 17. &2 92.3s. 63s. c; El. 53; Schm. 4; 
Gm. 45. 50. 51. 132 ; Warn. 36. 



s, 88, sc, ah, sch, sseh : sch ist das Gew&hnliche ; daneben sc in sconen 1 34, sowie 2 34. 




3s. 82. 28i, Schm. 5. 8. 31, Gm. 61. 75. 101. 184. 197. Vereineelt steht ahede Gm. 166. Im lnlaut 
herrscht grdpere Mannigfaltigkeit: sc fehU hier, doch yleislich 1 6 u.6.; (524 : geistlich) ; kfislich 
El. 10. 34; yleisslicbe 23 90. 20 FdUe mit ssch: esscbe 2k u. 6.; disscbe 597 u. 6.; vgl. 11 17. 13 u. 
21 so. £6 is. 31 87. 359. 43 38. 52b. EvnselfaU mencbeit 44 99. Auslaut: vleisb 2tf. £3; dish (7m. I. 

Diesen VerhaUnissen entsprechend erscheint -s -f h- als -sch-, -ss-, -ssh-: wischeit 2%. 
3028; wisseide 4798 ; wissheide 47 ss. 

Vereinfachung von ss: halslege £33. 



$ 7. JDia Druckeinrichtung, 

Die Denkmaler sind von den Mangeln der hsl. Uberlieferung moglichst 
gereinigt worden; andererseits aber mufiten die Eigentumlichkeiten der Hs. 
moglichst unverwischt zur Anschauung Icommen, zumal da sie den einzigen bis jetet 
bekannten Trdger der Uberlieferung darstellt. Jede Sclireibung, die lautliche Be- 
deutung haben konnte, jeder Satz, der nur einigermafien syntaktisch haltbar schien, 
so besonders die Falle, welche zu den von Kraus zu Bheinauer Paulas 107 gemachten 
Beobachtungen in Beziehung stehen, wurden beibehalten. Eine Rekonstruktion der 
Vorlage stellen nur die Besserungen in der l Lilie ' dar, der en urspriingliche Mund- 
art und vielleicht auch Schreibung sich im wesentlichen mit der des Schreibers der 
Hs. 68 deckt; in Bl. Schm. Gm. Warn, besserte ich, was der niederrheinische Schreiber 
der sudrheinfrankischen Stiicke auch gebessert haben wiirde, wenn er das Ge- 
schriebene genau Uberlesen hatte. Die zerstorten reinen Beime wurden nicht her- 



Eitdeitung. 



XXVII 



gestelU, um so gut cds moglich das sprachliche Bild festzuhalten, welches die Spiege- 
lung siidrheinfrankischer Reime in der Mundart eines Kolners ergibt. Einem nicht 
hnmer konsequenten Streben konservativer Art werden alle graphischen und sprach- 
lichen Abw eichun g en auch des Versinnern zuzurechnen sein, die sich von der Norm 
der Hs. welter entfernen. Fur die Herstellung der Vorlage sind oben S. XIII ff. 
und im Apparat Fingerzeige gegeben. 

Im ubrigen beschrdnkt sich der Apparat auf gelegentliche Winhe sum Ver- 
standnis des Textes, Feststellung der urichtigsten direkten biblischen (Mate, Auf- 
zeichnung bemerkensw erter Aufierlichkeiten (Miniierung usw.) oder Unregelmdfiig- 
keiten der Hs, und Rechifertigung der Besserungen, wobei die Hs. diplomatisch 
wiedergegeben ist, falls es sich nicht blofi um Citate dem Sinne nach handelte. 

Die Stucke der Hs. wurden getrennt und mit (iberschriften versehen, zum 
TeU mit Hilfe der Hs. in Sinnesabschnitte eingeteilt, ihre Verse abgesetzt; in der 
'Lilie 9 auch die in die Prosa des Anfangs bereits eingestreuten langeren Versreihen. 
In der Reimprosa der i IMie * und audi in der Prosa des Anh angs sind Seiten- und 
Zeilenzahlen, in den kleinen poetischen Stucken Verszahlen verwendet. 

Die Initialen sind durchweg beibehalten 9 dagegen einfache schwarze 
Majuskeln (mit Ausnahme des R im Inlaut) blofi in der i IMie\ wo sie gelegentlich 
zum Schmuck oder zur Hervorhebung von Fremdworten, Heilig ennamen oder Eigen- 

namen (z. B. MARIAM 4222, Aureola, Alleluia, Passche dach 439. 36. 38. 39) 

dienen; in Bl. Schm. Gm. Warn., wo sie massenhaft, besonders am Versanfang 
auftreten, wahrend die Miniuminitialen sparlicher werden, sind sie nur dann 
kopiert, wenn sie Miniumstrichelung zeigen. Sie sind durch einfache Antiqua- 
majuskely die Initialen fett, die Uberschriften und Schliisse gesperrt gedruckt. Eigen- 
namen sind durchweg grofi gesetzt; desgleichen Got mit Ausnahme von Stellen 

wie so sulet ir sin alse gode 9 22; ware got inde ware mensche 39 38. 

Ohne Vermerk im Apparat sind ferner folgende Anderungen an der Hs. 



vorgenommen: 1. i ( j, r t, s I, u v, z z wurden normalisiert ; dagegen charakte- 



risUsche Eigenheiten, die irgendwie fur die genauere Bestimmung des Alters, der 
Herkunft usw. der Hs. in Frage kommen konnten, wie c fur k und z, u, v ftir w, 
w fur v oder wu usw. beibehalten; aber die verschiedenen Formen des Initial -W 
(s. o. S. XXIII) ausgeglichen. — 2. Die gewohnlichen , Ubrigens ziemlich seltenen 
Abkiirzungen wurden aufgelost. Nur wo ein Zweifel iiber ihre Auflosung bestand, 
wurden sie unter dem Texte notiert Ihesus ist fast immer, Cristus meist in 
Abbreviatur vertreten: lh'c, Jh'c, lh's, lh'u, Jh'u, Ih'v, jh'm; xp'c. 

Das kleine Spatium ist angewandt, um Besonderheiten in der Wort- 
oder SUbentrennung bezw. -verbindung zu bezeichnen. Also z. B. ge danc wird 



ge danc 1 2 u. 0., an gestes > an gestes 819, ahter sprechere > ahter sprechere 823; 



umgekehrt irerlifhovede > irer lif hovede 3 33, ethalden > et halden 4 31 usw. Da 

die Schreibung in der Verbindung und Trennung von negativem in-, in, sowie von 
ze-, ze schwankt, so bin ich in jedem einzelnen Falle genau der Hs. gefolgt, auch 

habe ich z, B. aleine, al eine nebeneinander stehen lassen. In zweifelhaften FdUm, 



xxvm 



Emleihmg. 



so bei Zeilenabtrennungen — die Hs. kennt keine Bmdestriche — hdbe ich mich 
nach der in der Hs. am meisten beliebten Form gerichtet, jedoch einen Vermerk tw 
Apparat gebracht. 

Die Hs. hat eine verhaltnismafiig regelrechte Interpunktion; als Zeichen 
Jcennt sie indes nur den Punkt, der an gone wenigen Stellen von : oder ! abgelost 
wird; s. o. S. VI f. Der Wert der hsl. Punkte leidet allerdings darunter, dafi sie 
sum Teil auch als Reimpunkte benutzt zu werden scheinen. Ich habe die moderne 
Interpunktion eingefuhrt, jedoch der alien handschriftlichen ihr Recht gelassen, 
indem die zahlreichen Stellen, wo dem neuen Satzzeichen in der Hs. em Punkt 
entspricht, durch Fettdruck markiert sind. Gewohnlicher Druck des Satzzeichens 
deutet also an, dafi es von mir eingefuhrt ist. Wo der Punkt der Hs. syntaktisch 
durchaus unhaltbar war, ist er beseitigt, aber im Apparat notiert worden. 



§ 8. Die Verfasserfrage. 

Eine bestimmte Angabe fiber ihr en Verf asset bringen weder die 'Lilie ' nock 
HI. Schm. Gm. Warn. In der 'Lilie* haben wir es vielleicht mit einer Verfasserin 

zu tun. Jeden falls wird diese Vermutung nahegelegt durch die Verse 44s4ff.: 

owi sal imer cflmen de selige dach, dat ich dich, size Wile, sfile gesien, inde 
eweliche an diner umbehelsungen lin, inde diner sizer cussingen gesadet 
werden . . . Der Vers: Hon ave wolde ich gerne horen sprechen einen wiseren 

man 60 32 bildet zu unserer Annahme nicht notwendig einen Widerspruch. Dafi 
der Autor sick an weibliche Leser wendet, durf — abgesehen von der Ermahnung 
an die Ehefrauen 54 21 if. — auch aus der Art geschlossen werden, wie das 
Thema: Christus als Brautigam 40 iff. uff., some der Chor der elftausend Jung- 
frauen 43 1 ff. behandelt wird; 43 15. 31 richten sich unmittelbar an Frauen. 

Aus der Einfuhrung der elftausend Jung frauen kann man aufein Kolner 
Lesepublikum schliefien. Hierzu sUmmt die Sprache der Dichtung. Die Warnung 
vor geistlichem Hochmut, die 47 13 fur geistliche Inde ausgesprochen wird, 
bestimmt genauer, an wen sich das Werk richtet: die 'Lilie 9 ist offenbar 
hauptsachlich fur Nonnen verfafit. Und es war selbst eine geistliche 
Frau, welche sie schrieb: eine solche Mahnung wiirde im Munde eines Laien, 
der angstlich besorgt ist, nichts zu schreiben, dat wider die czuht, ove wider den 
geloven geit (633), kaum verstandlich sein. 

Vor ein weibliches Publikum fuhren uns auch El. Schm. 6m. Warn. 
Bl. 9. 30. 47 konnen sich nur auf Frauen beziehen, was durch die Verse: wilt du 

eine hoferdich maget sin und Nu hore, maget, su we dn sis Bl. 49. 52 nock 

deutlicher wird. Schm., mit seiner Schilderung von der megede danze, ist durchaus 
ir weibliche Leser bestimmt. Gm. 140 f. nennt Christus nren briidegome; die 
Leser werden Her zwar aJlgemeiner kindere, vil lieven kint, kinder anger edet 
(58. 131. 170); aber Warn. 42 heifit es genauer: dar ane gedenket, ir vrowen min. 




Damit ist zugleich ein neues Moment gewonnen fiir die Zusammengehorigkeit 



Eitdeitung. 




der vier Stucke — fiir die indes ein weiblicher Verfasser nicht nachweisbar ist. 
Aber auch ein weiterer Grund fur die Zusammenstellung der sudrheinfrankischen 
Dichtungen mit der kolnischen in unserer Hs.: sie ist ein fiir kolnische Frauen, 
jedenfalls Nonnen, zusammengestelltes poetisches Erbauungsbuch. 





. Der Arihang 

Die Handschrift des Traktates im Anhang befindet sich im Besitze des 
Herrn Architekten Otto Aufleger in Miinchen; ihre Herkunft ist unbekannt. 
Sie ist ein Bruchstuck (10 Papierbldtter) , das Wasserzeichen ein Hirschkopf 
(Sechsender). Die Blatter sind von mir geordnet und mit Bleistift numeriert 
warden. Die samtlichen Bander sind stark wurmstichig und abgegriffen; von 
2. 3 sind Ecken und Bander ausgerissen, wodurch der Text beschddigt ist Durch 



einige der zahlreichen Wasserflecke sind 1', 2 rv stellenweise unleserlich gemacht. 
1. 2 scheinen friiher einem Einband aufgeklebt gewesen zu sein. Im ubrigen 
ist der Text, von einigen abgeblafiten Stellen abgesehen, gut leserlich. Die 



Blatter bilden die 5 inneren Blattpaare einer Lage; ihr Text ist nicht unter- 
brochen. Die drei inner sten Blattpaare (3 — 8) halten noch lose zusammen und 
tragen Bindfadenreste. 

Die Schrift tvird dem Ends des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts 
angehoren. Abkurzungen sind selten. Scheinbar ist (dies von einer Hand geschrieben, 

dock beginnt 2 r mit dem ziveiten Stuck ein anderer Schriftduktus. Die Breite und 
Hohe des Blattes betragt 13x20, die des beschriebenen Baumes durchschnitUich 



10 9 5 x 14,5 cm. Die Seiten sind einspaltig geschrieben und enthalten je 32 — 35 Zeilen. 
Bisweilen werden Absatze gemacht. Die ersten Worte der Stucke sind mit etwas 
krdftigeren Zugen geschrieben. Abschnitte beginnen mit gewohnlichen Minium- 



iniHalen, die eine Zeile hoch sind; neue Stucke mit solchen von 2 Zeilen Hohe. 
Im Text finden sich hdufige Alinea in Minium, sowie rot gestrichelte Majuskeln. 
Korrekturen und Nachtrage sind bisweilen in Minium ausgefiihrt, Spatien mit 
roten Schnorkeln gefiillt, Eigennamen u. dgl. bei Citaten rot unterstrichen. Aufier 
der S. 75—77 abgedruckten 'Predigt uber die Lilie 9 , Blatt 6 V , Zeile 11 bis Blatt 8 r , 
Zeile U, welche das vierte Stiick bildet, enthdlt das Bruchstiick noch weitere 
Predigten aus dem Gedankenkreise der MysUk: 

1. Von dem geistlichen Segen leiblichen Siechtums, 7 Punkte. Der 
Anfang fehlt ; die ersten Worte Bl. 1 r lauten : 



fol das 



Daf erlt das man gaiftlich fterben . lft ain glichntift I dem. 



zitlichen 1 tod ze v'fton. Schlufi 2 r , Z. 14. 



2. Vom Absterben weltlicher Neigungen. 2 r , Z. 15 bis 4 r , Z. 20 



a) die vier Arten des Absterbens; b) des Menschen vierfacher Lohn fiir seine 
Entsagung; c) die funf Zeichen der Auferstehung in Gott nach dem Absterben der 
WelUichkeit ; d) dufiere Kenn zeichen der Guteti, welche der Welt abgestorben sind. 




Einleitung. 






, Uber Matth. 633. 4 r , Z.21 bis 6% Z. 10. 

Von der vierfachen Erkenntnis der menschlichen Schwachen 
als Vorstufe zur Seligkeit. 8 r , Z. 12 bis 10 r , Z.28. 

Die drei Hauser der Gottseligkeit 10*, Z.29 bis 10 v unten. 

Schlufi: von dem das es aL 

wegent w61ti vmb vahn als ef an ime . aller finer begirtt 

Die Sprache ist alemannisch mit grobdialeJctischen (schwabischen ?) 

Spuren: durchgehende Umlautsbezeichnung ; fast stets ai fur altes ei; oft an, 




fur a; auch 6 fur &, das also nicht nur schlesisch (Weinh. § 91) belegbar ist: h5n 
76 11. 77 d; h6nd, 5n 7626; 6 fur 6 (neben 0): tdd 76 19. 21 ; 16ssen 77 1; bl6zz 7722. 



In Endungen a, u: innan, usnan BUM l v ; innan, uzzan Blatt 2 V ; wortan 75 17 
ftbun 7620; geiibunt Blatt 8 r . — i als feminine Adjektivendung: warhaftigi 75 16 



and&htigi 75 17; gewftri 7631. li Deminutivsuffix: s&mli 753. 7725. 

Die Lautverschiebung ist vollig durchgedrungen ; aber es findet sich nicht 



me im Bairischen p fiir b, eh fur k. Auslautendes wie inlautendes z ist fast 



stets durch s wiederg eg eben : wis 753. 77 15; ussen 755. 13; das 759 u. 0.; das daz 
763; es 75 10 u. 6.; dis 75 20; vergessen 76 u; besserlich 7621.26; mfls 7628; 
bldslich 774; bl6zz 7722; alles 7720. 

Bei der Druckeinrichtung verfuhr ich nach den gleichen Grundsatzen wie 
bet der Wiesbadener Us. 



* * 



Zu Danke verpfliehtet bin ich vor allem der Direktion der Nassauischen 
Landesbibliothek zu Wiesbaden, welche mir die Hs. 68 auf lange Zeit zur 
Benutzung in Dusseldorf iiberliefi, imbesondere dem derzeitigen Leiter der Hand- 
schriftenabteilung, Herrn Prof. Dr. G. Zedler, fur die treffliche Photographie der 
beiden als IAchtdrucktafel beigegebenen Seiten. Herrn Dr. A. Spamer in Munchen 
danke ich einzelne tcertvolle Hinweise, besonders den auf die 'Predigt uber die 
Lilie'; Herrn Architekten 0. Aufleger in Munchen bin ich fiir die freundliche 
tJberlassung seiner Handschrift und die Publikationserlaubnis verbunden. Was 
ich dem akademischen Leiter der D. T. d. M. schulde, ist aus zahlreichen SteUen der 
Anmerkungen zu ersehen. 



Dusseldorf im Sommer 1909. 



Pawl WOst. 



Die Si lie. 



* 



[3 r ] ze Got, wie der gerechte man dieser lilien si gelich. Ich wenen 
dat die wrcele, die under der erden verborgen is, bezeichen den gedanc in 
deme herzen, den nieman inbekennit, alse de wise man sprichet. We weiz 
wat in des menschen hercen is, wan des menschen geist; So sal de gedanc der 
wrcelen gelichen. he sal nfize sin, Dat is, he sal reine sin. Wan ave? van 5 



vleislichen, inde wereltlichen, inde duvelichen [3 V ] gedenken. 



Vleisliche gedenke sint die, dere dat vleisch gelustet; Alse die man na 
vrowen, inde vrowen na mannen. uncuscheliche denkent, ove ein iewelich 



, uuv U «vuvuvuv ~~~~~ , 



mensche na gelustelicher spisen, ave na senften cleideren denkent. de gedanc 
en is niet wiz, want he bevlecket die sele sere. Werltliche gedenke sint die na 10 
wereltlicher have steint, den niet genugen inmach; die also viele me gerent, 
so si me havent, \4 r ] inde en wizen niet weme si dat lazen sulen, dar umbe si 



die sele gevent. Des wirt der cuninc in deme jungesteme urdeile sprechende: 
4 get vermaledieden van mir in dat ewige vur! wande du mich hungerde, ier 
engavet mir niet ezzen, noch dronken dfl mich durste'. Dis gedanc he in is 15 
niet wiz, de dich, arme mensche, in die suace helle brenget. Wat sint nu 
duveliche gedenke? Dat sint die gedenke der stolzheide; Die machecfew den 



engel zu eineme duvele, die [4 V ] wrpen den menschen uzer deme paradise, inde 



verdreven Saul wan deme cunincriche, inde macheden Nabugodonosor zu eines 
dieres gelichenisse. Dise gedenke sint aneginne aller sunden. Diese hat ein 20 
iwelich mensche, den dunket dat he bezere si dan ein andere. vflr diesen ge- 
denken mflzen si sich huden aller meist, die ith sunderliches gudes an in 
havent, antwerder van naturen, ove van Godes genaden, ove van werelt- 
licheme gelucke. Van natu-[5 r ]ren has du sconen lif, inde stare, inde sunt; 



5. das ztceite e in gelichen ub. d. Z. 8. uncuftheliche. 9. ge dant. 10. hinter he- 
rot durchstrichene8 und pungiertes du. 11. nach genuge radiertes t. 13—15. Matth. 25, 41. 42. 
15. is fehlU 16. suace = swarze. 17. e in die uber i. mache | den engel. 22. r in aller 
dwrch Rasur aus n. 24. nach du Punkt. stacr. 



IXeuUohe Text* det Mltielalters XV. 



1 




Die Lilie. 



Van genaden has du die d&gede der selen, alse verduldicheit, otmfidicheit, 
cuschicheit, wischeit, inde der geliche. Van gelucke der werelde bis du her, 
inde riche, inde edele inde geweldich. Ei wie lftzel is dere, die sich diser 
dongen niet in erheven, inde vergezen gare, dat si erde sint inde essche, 

5 inde dat si niet van in selven in hant, wan die sunden. 

Die uurcele, dat is des gerehten gedanc, sal ouch schinen. An deme 
[5 V ] schine veraom geistliche vrowede; dat is dat du Gode bit vrolicheme, inde 
willigeme, inde gereideme hercen dienes, inde dat du andere geistliche lude, 
bit diner unvroweden niet enbedr fives. Diese dfiget, die geistliche vrowede 

10 heizet, si is vile sere n&ze alien den die deme geiste volgent; wande si ver- 
drivet die groze sunde die heizet traheit zfi Godes dinste. Si brenget die 
himelische sflzicheit in dat herce, inde stediget dat herze wider die [6 r ] be- 
corunge. Si entfenget die nesten an Godes minnen. It wrde alzelanc, solde 
ich alle die maht dieser dogede sagen, die geistlichen hercen wale bekant sint. 



15 Si zuet dat herce van wereltlichen sahgen, inde vfiret it in die stat, die Got 
sinen hat verborgen; den engelischen choren is si heimelich, zft Godes antlitze 
c&mit si sunderlich; Inde cureliche sprehe ich, dat si is ein meister aller guder 

gedenke inde worde, inde werke. [6 9 ] 

Die worcele si is ouch senfte ane ze tastene. Bi der senfticheit, ver- 

20 nom die verduldicheit , ove senftm&dicheit. In diesen hercen restet Got, alse 
he selve sprichet: 'Up weme sal min geist resten, Wan up deme otmildigen, 
inde deme senftmftdigen ! ' De gfide Got, de selve senfte is, he in cfimet niet in 
die unsenfte herce, dat is in die stolze inde zornige, in die nidege herce. Wilt 
du dat ich dich wise ein senfte mfidich herce? Hore inde fich [7 r ] Jhesum den 

25 sfizen. Hore dat he sprichet: 'Lernet van mir, dat ich senftmftdiich, inde ot- 
mfidich bin van herce'. Sich ouch wie he dede, dat he lerede. Prflve alle 



sine wort, alle sine were, inde sich wie senfte. inde wie verdoldich! We 



, W^V/ OAAAV, TT^X^, 



9 



mohte die alle gezelen! Wie dicke ze man einen dat he bezesen were bit 

deme bosen geiste; wie decke wolden en sine viende morden, inde he enwrach 

30 sich noch bit werken noch bit worden. [7 V ] Ganc noch vfire bazl sich wie sftze 

he was an der bittere martilien. Sich sin verredenisse . sine bende, sine bac- 



, »*«V, ^V^^V,, 



siege, sine halslege; sin minnincliche antlize bespuen, inde verbunden alse eines 

dieves; sich sinen geisselen, sinen spot, sine smaheit; sine crone, sine nagele, 

sin cruce; sine scemeliche nachtheit, sinen ezicH; sinen doit, sin wonde herze, 

35 inde mirke sflze senfticheit, inde sinne senfte sfizicheit. sich dat wnde herce, 



wie verdoldich [8 r ] it was! Ich sprechen dat duit sies, wande ich wenen dat 




. Hduldicheit ; also U fur u* vcrschrieben. 3. 12. e in die fiber i. 8. ande*|re. 
12. statt inde hat die Rs. ifi blafsbraun auf Bos. , darunter zwei Tilgungspunkte (?). swische* 
i und d in wider Bas. (e ?). 13. w in wrde auf Bos. 16. sinen = den sinnen (?). die 
emelchife. 17. swischen sprehe und ich rod. n. 20. her.|cen. 25.26. Matih. 11,29. 

28. bezefen = besezen. noch bit ein Buchstabe rod. 29. docke (oder dvckeF). 31. -de- 



in uerredeniffe uber der Zeile, unten ein Buchstabe rad. 35. linen 



Die Lilie. 




9 



dir die side darumbe is up gedain, dat du it mflges gesunen. Nom dit herce 
in lege it in din herze, dat du dieseme herce werdes gelich, so wirt din herce, 
inde din gedanc senfte ane ze grifene alse der lilien wrcele, inde so in scadit 
dir noch stolzeit noch zorn, noch haz, noch engeine andere sunde, die der 
senfter verdoldicbeide, inde der verdoldiger senfticheide , wieder si, [8 P ] wande 5 
Jhesus is deme herce bi. hie sprich van der lilie stille ane. 

Wir haven gesien der lilien uurcele, Dat is des gerehten mannes 
gedanc; nu sien wir den stain. De stam, de uzer der uurcelen geit, bezeichenet 
steiden willen zfi gfiden werken. dis wille cumet van gfiden gedenken ane 
zuivel. Der stam der lilien is reth, inde lane, inde stare. Also mfize de gude 10 
uuille aller erst reth sin. Leider wie viele der crumber willen is; wande alse 
manige sunde, alse [9 r ] manige crumbe. So wanne du willen haves zfi einicher 
sundin si ze dune, so is din wille crumb; wande he engeit des rehten weges 
niet. Zfi deme levene wane he geit, zft deme irreme viende, de zft deme ge- 
rehten menschen sprichet alse die prophete leret: ' Crumbe dich', sprichet der 15 
verredere, der duvel, zu deme gerehten, 'dat wir uverdich waren'. Wi vile 
is dere di sich crumben zft den sunden na des viendes rade; inde he nevert 
niet fiver si, wan up [9*] si, inde in si, inde ridet die armen so ware he wilt. 
Wande des han wir urcunde van der schrifr: also lange alse der mensche ane 
hovet sunden is, so in mach in der wient niet beduengen. wane he redet ime 20 
dat he sich crumbe zft den sunden, inde zft hant alse dat geschit, so hat Der 
vient gewalt uveron, inde crumbet en zft alien sunden inde schanden; Sunder 
die, die wise, schinende, inde senfte wrcele havent, dere stam en crumbet sich 
niet. wande uzer deme gftdeme gedanke, spru-[10 r ]zet de rechte wille, de wilt 
die sunden begeven, inde den dfigeden volgen, also lange bizeme die wise 25 
blfimen gewonne, inde die gelen, die in midden den steit. al hie Sprich van 
deme g&den willen. 

Der stil he is ouch stare, also sal de gude wille sin, dat on in geine 
ungewidere muge brechen, dat on en geine neze mugen vulen, en geine hize 
doren, dat on en gein gewrme ane bize. Wi manich wenes tu is gewest, die 30 
gfiden willen hadden inde rechten, inde sin doch begaven, wande dat un- 
gewidere si brach; [10 v ] Dat is wider mflde van wereltlichen schanden, ove 
van dode irer lif hovede, ove van ires selves sucheden. Dit geschit den dumben 
luden, di denkent alse si sich Grode nekent, dat si en gein uvel beruren insule. 
Si in gedenkent des gerehten mannes niet, Jobpes, den Got selve lovede dat 35 



1. zwischen -n- und -en in gefunen Ras. (i). m in Nom auf Ras. 2. in vor lege 
inde. 3. r wi wrcele uber der Zeile; darunter tin Balken rod. scab it. 5. wie der. 
6. Die tfberschrift steht am oberen Rande von Bl. 8 V . Am wit. Rande verwischte Schrift von 
spdterer Hand: d . . . . dttt(?) .... 16. waren = yaren. 18. i in die Uber e. 19. fchrife. 
21. nach bat Punkt 25. bizeme = biz be ime 'bis er sich*. 26 f. al hie rechts am Rande 
neben Zeile 5 von Bl. 10 r; der Rest der tfber schrift am oberen Rande des Bl. 28. n(v) in 
ouch uber 0. on] da. 31. ei. sin Kontraktion < si in. 32. cb in brach unt. d. Z. 

1* 



i 




Die Lilie. 



ime en gem mensche insinen ciden up ertriche were gelich, inde gaf ine doch 
deme viende zebecorene, an sineme gude, an sinen kinden, inde an sineme 
vleische. Niman en was alse [11 r ] gut alse Job, niman in wart so sere becort 
alse Job. He in brach doch niet, wande sin stil, dat is sin wille, was stare 



, .» «««v «*i* ««,**, 



5 lerne dit dat widermude is en zeichen der minnen 

an den die sint gudes wilen 

Lerne dat man den penninc sere slehe, 

die munze wale entfe, 

Du salt den hamer minnen, 
10 wolt du descunninges antlize gewinnen 



9 



Soch dat du wolt, ungeneme were 
in wrde gejaget sere. 






De regen, de die den stil vulet, beceichen die becorungen di deme [11 
gude sint gelich. Van deme regene is geschriven: 'It regende starke up die 

15 sundere'. Dis engestliche regen, is ezwanne der gude gelich. Wande eteelich 
mensche gewinnet guden willen sich der werelde ave zu dune, inde Gade ze 
volgene, So cumit ein regen der becorungen in sin herce, inde sprichet: 'Du as 
eine arme muder, ove bruder, ove suster, ove kindere, ove andere vrunt; be- 
gives du die, si muzen verderven, so in has du der minnen noch der barm-[£2 r ] 

20 erzicheide niet, so in macht du niet genesen. blif mit on, inde holp on, dat si 
niet endurven sich mit sunden generen; so deis du vile baz wan du dich 
einen behildes'. Owi wie manich volget deseme rade, inde alse he anderen luden 
helpen wilt, he verluset sich selven. Dise in havent die starcheit an deme 
stile niet, wande die becorunge hat si schire vul gemachet. En solde niman 

25 sine vrunt begeven durch Got, so in hedde Jhesus Cristus so grozen loin niet 
gelovet den di vader, ove [12 v ] muder, ove bruder, ove suster durch on lizen. 

De stam der lilien he is ouch sicher wrden wrmen; dat is vurden 
vienden, sal de gude wille sicher wesen. Wande, alse ein gut man sprach, de 
gude wille de Got erkennit, he in mach niet verwandelt werden. So we vur 

30 disen wrmen wilt sicher sin, de en si nimer sicher inde engetrue ime sefveme 
niet, wane he werpe sich an Got, inde he sal on ethalden, dat he niet in 
valle; inde of he ouch vellet, dat he niet enze-[jtf r ]breche, wande vnse here 
leget sine hant under on. He vellet senfte de up Godes hant vellet. dat dunt 
alle die, di sich up sine genade gerliche verlazent inde werliche sprechen 

35 bit deme propheten: 'here Got, du bis mine sterkede, inde min lof 




1. ime. 4. nach sin rod. e ; nach f til rod. i. strarc. 5. zwischen d und i in dit Ra$. 
Balken). 12. r in wrde uber der Zeile; unter dent r Basur. 15. ercelich. 16. nach 
der Punkt. 16. gude. 18. nach vrunt Buchstabe radiert. 20. fi uber der Zeile, 

daranter Punkt. 24. o in becorunge ub. d. Z.; unter dem o Basur. 25. nach hedde Punkt 
27. wrinen. 30. oder in de? feueme. 32. outh, vieUeicht doch Kontraktion aus ouch 
iht, geschrieben onch itb > outh. 



Die Lilie. 




De stil der lilien he is ouch sahde wr die sunnen. Die sunne vernom 
al wereltlich gelucke. We is de den wereltliche geluck, nit in verbrant in 
hat? Wir vonden ezliche lude die ungelucke widersteint; vile seltzene is 
[13*] deme gelucke wederste. War umbe? Want die becorunge si is in 
deme widermude offenbar, in deme gelucke verborgen. wi manich mensche is, 5 
den die vederliche geiselen hat geduungen sich selven cebekennene, inde an 



9 



den willen sich cebekerene ze Gode bevile; So quan de sunne des geluckes 
inde verbrande sin stil des guden willen, dat die ungewidere, inde die be- 
corungen niet enmohten gecrenken. umbe die so sint die becorungen des 
geluckes vile engestlichere , . wan des wider-[i4 r ]mudes, want in den geisselen 10 
bekennit der mensche sine missedat, inde rufet Got ane; gut gelucke wenent 
alle lude dat sit van irer werdicheide haven. Diser sunnen hitze si is engest- 



lich den. die it cranken wilen havent. inde niet otmudiche in levent. 



9 



9 



Der lilien stam he is ouch lane, an der langede vernom eine duget, die 
heizet lane mudicheit, ave volherdunge. Ane dise dugit so ne dflch engein gut 15 
wille, want si givet al eine die crone. Des haven wir urcunde an deme ewan- 
gelio, [14 9 ] dat unse here sprichet: 'Wo we volherdet an dat ende, die blivent 
bealden'. Wat hulpe gut gedanc, inde gut wille, ave du si begeves; Wilt du 
gecronet sin, du must striden biz an dat ende. Die dage lovit man aller erst, 
alse der dach vergangen is. Der dach, in deme du salt arbeiden, is din leven; 20 
dat het ende, dat sal man dir lonen na der arbeit dine han dait. Dise rede 
dunket manichen hart, de ecker die einige wordige dine sint, inde de siner 
selen ogen nit encan up heven, an dat gelflvede des suzen Jhesu, de [15 r ] aldus 
sprach zfl sinen jungeren, inde zfi alien den sinen: ( Ir sit', sprach he, 'die mit 
mir bestanden sint, in minen becorungen, Inde dar umbe besezen ich uch in 25 
min riche, alse mir min vader dat besat hat, dat ir ezet, inde dronket up 
mineme dissche in mineme riche'. Wes herce is so calt, dat van diseine 
gelovede nit entfenget in werde! Wes pine is so suar, dat si niet irlihtet 



enwerde? Wes gemude is so crane, dat it niet gesterket in werdit! So we in 
becorungen is, he neme hi trost. Sich [15*] dan Jhesus de suze heizet dine 30 
becorungen sin; Blif mit ime ane zuivel, he blivet mit dir; werp dich in on; 
he in is so verislich nit, dat he dich laze vallen. He sal dich hi behalden, inde 
sal dir dar na lonen. Du salt alle zit indineme herzen dragen, dat de suze 
Jhesus wart sineme vadere durch uns gehorsam biz an den doit. Wat dodes? 



1. vor fahde ca. 5 Buchstaben radiert: sicher(?). 4. deme = de deme. 6. nach 
hat ca. 3 Buchstaben rod. 7. zwischen b und e in cebekerene radiertes e. quian. 

8. oder in de v. unge| wind ere. 12. wert dic|heide. sit = si it 14. zwischen n und c in 
lane Basur. 17. -lio unter der letzten Zeile van 14 r. 17—18. Matth. 24, 13. 18. begens. 
19. vor man ein Balken rod. 21. han dait = hand dait. 23. Bl. 15* am oberen Bande und 
am rechten von Zeile 1—9 KriUeleien [Zahlen u. dgl] einer spateren Zeit. 24. Luk. 22, 28—30. 
nach fprach Basur (ein Balken). 25. i beim ersien in Ivai nach unten einen Strich (j-formig). 
28. zwischen d und e in werde Basur (ein Buchstabe). 31. der obere Teti des t in blivet rad. 
32. S. veriflich ver&chrieben aus yreiflich. 




Die Lilie. 



an den schent lichen doit, an den vile bitteren doit des crnces. wilt dn hi bit 



9 



ime ezen np die seme dissche des crnces, inde dronken hi [16 r ] in deme nap 
der martilien, inde da ane volleherden, so salt dn sicher sin, dat dn salt ezzen 
inde dronken, bit ime, die eweliche vrowede in sineme riche. Wilt dn eine 

5 cnrce wile bit ime hi arm sin, dn salt da imer bit ime cflninc sin. Ich sal dir 
cnrtliche sagen: volherde an gndeme willen, dn salt van deme snzeme Jhesu 
han, so wes dn gesinnes. Suze Got, gude Got, erlflte unser selin ogen, erheve 
nnsen armen geist ein luzcel, den dit lichame des dodes so sere besneret, dat 
wir dat groze mere [16'], den richen schaz diner gnde, ezwie ezlicher mazen 

10 gesin muz en, inde mngen, dat nns diese cleine widermnde licht werden, in dat 
wir willen inde mngen volherden, bize wir ein geist mit dir werden. Ei wi 



gnt is it dir dinen, want dn has den loin algereit in dine milde hant. Hoch 
bis du de suze ciininc, den sente Johannes din sunder drut sach die siven 
sterren in siner hant haven. 
15 Wat sind die siven sterren? Jch wenen dat it si die sivenveldige loin 

den du dinen has bereit. Diser [17 r ] loin gehorent vire zft deme lichamen 



9 



9 



9 



9 



want it van viren dongen is gemachet: van dere erden, van deme wazere 

van der luft, inde van deme vurre. Driveldich loin gehoret zfl der selen 

durch der driveldige macht die an der selen is; dat is gewalt, wisseit, inde 
20 gude. So we sinen lichamen inde sine sele hi wale berichtet, inde da ane 

wolleherdet, deme sint dise siven sterren bereit. al hie Sprich van den 

siven sterren. 

Der irste sterre is sterkede; den givet man dir zelone durch die erde 

die an dineme lichamen is, wande die erde si is dat starkeste under den [17*] 
25 vire dongen, die an deme lichamen sint. So gedane sterkede sal dir gegeven 

werden, dat du nimer crane, nimer alt. noch sich inwerdes. Der ander sterre 



, U*U*V» WAV, 



is snelheit, die gehoret zti deme wazere, wan it snel is van naturen. Die 
snelheit die du salt haven, si sal sin gelich der snelheit dines gedankes, also 
dat du ane stunde macht wesen, so wa du wolt. De dritte sterre mag heizen 

30 durch verdicheit ; dat din lichame so cleinlich sal sin, dat in geinre hande 
lichame dir widerstain in mach, du in [18 r ] muges dar durch varen. Dise 
dflget inde dis loin gelichet der luft, die alle lichame durch wert, wi vast si 
sin. De virde sterre beceichenet die clarheit, die an dineme live sal wesen; 
alse de suze Jhesus selve leret da he sprichet: 'Die gerehte lude sulen scbinen 

35 alse die sunne, in ires vader riche. bit deme si da sulen richen'. Dis loin is 



5. nach fal t rod. 6. nach willen Rasur (2—3 Buchstaben). 9. ezlizher. 



10. in vor dat = inde; vgl. 3,2. 11. werder. 13. vor fente (Zeile 10) am ScMufs von 

ZeUe 9 ein nicht gettlgtes fc6. nach fente Punkt. 15. I in Jch fehlt -ldige auf Basur. 
21 f. al hie links am Rande neben Zeile 11 von Bl. 17 r ; der Rest der Uberschrift am oberen 
Rande des El. uber van rod. sprich. 22. uber sterren Ras. 24. zwischen is und dat 
Rasur (ein Buchstabe). den] d'e. 28 f. zwischen also und dat Rasur von 2—3 Buchstaben. 
33. uicde oder niede (?). 31—35. Matth. 13, 43. 



Die Lilie. 




deme vure gelich, want dat vur is vur anderen dongen schone inde herlich 
Nu has da Ion. den virveldichen . des lichamen: dat he sal sin stare, snel 



, ***,** W ** J ^VllW*W* . 



, ™„ „ ™. ~„~* v , OllW, 



cleinlich, inde [18 9 ] schone 



Der selen Ion is driveldich. aJse si selve is. wandfe si na der dri 



• wiov ox o«T« ±o, 



veldiger gotheide gebildet is. dis loin is beceichent bit drin sterren. Der 5 
vonfte sterre is die gewalt, die der selen sal werden gegeven, dat si sal 
mfigin allet dat si wilt. Der seste sterre is die wisheit, want du salt cunnen 
so war zfi din wille steit. De sivende sterre beceichent die gude, want dn in 
salt dat niet willen wan dat gut is. Da bis du eweliche sicher, da invortes 
dn in gein nngelucke. umbe sus [19 r ] danen loin sal man stercliche striden, 10 
inde volleherden an deme stride. Sunder dat is eine groze vorte, dat niman so 
heilich in is, de diser dfigede sicher si; Wi manichen heilichen man haven wir 
vernomen, die na grozen dugeden wart verloren. Ich wenen dat die stolzheit 
si der niderwarp, du si sich up ire macht alze sere verlizen. Hon ave sulen 
wir nemen die omudicheit, dat wir uns uver nimanne durren erheven, de 15 
argere ave gfider schinet dan wir; want wir in wizzen welich unser [19 v ] 
ende bezere sulen sin. Ei geweldich Got, wise meister, wi verborgen sint dine 
urdeil: Judas din jungere, de indineme namen dicke zeichen hadde gedain 
wirt verloren: der schechere. de al sin leven din widersache was, he wirt be- 



> 



, *«,* «ww^ u ^*^, 



> 



halden ! Warumbe ? 



9 



vant der jungere an deme in was verkeret 

inde de schechere wart bekeret. 

Bekere uns, size vader, so werden wir zfl dir bekeret 

want wir sin leider van dir alee sere gekeret. 

Bekere uns inde gif dat wir volleherden 



9 



9 



9 



4. wante; t halb zu d gebessert. 6. nach is Punkt. 7. in in mfigin durch Bos. atia m. 
10. nach fas 2 Buchstaben radiert. 13. Joh. 20 f. zwischen Warumbe and yant freier Baum 
von etwa 3 Buchstaben. 27. Vberschrift teils uber Zeile 1 von Bh 20 r , teils in Zeile 1. uber den 
grunen radiertes bladeren (schwarz). 31. in wande d aus t gebessert. 32. e in viende uber dem i. 
36. in worden uber der Zeile: r durch Bas. aus a. vor dat Punkt. 37 ft. Matih. 12, 34—35. 



20 



25 



want sunder dich in mugen wir niet [20 r ] behalden werden. 
hie sprich van den grunen bladeren der lilien. Nu wir haven 
besin die uurcele, inde den stil der lilien, nu willen wir uns an die bladere 
keren. Die bladere umbe den stammen steint, beceichent die wort die der 
gerechte man sprichet, de gfiden gedanc inde gfiden willen havet. Wi wale 80 
der lilien bladere des gerechten mannes wort bezeiehent, wande si sint eineme 
suerde gelich, inde cegelicher wis; alse man mit deme suerde die viende dodet, 
inde die vrunt beheldet, also deit de gude man, de ersleit den duvel, inde 
heilet [20 p ] die dugede bit sinen worden. Dise bladere sin alle zit grune, 
want des gerechten mannes wort sulen dat ewige leven an in dragen. An den 35 
grunen bladeren bekennet man die gude wrcele, inde an den worden dat 
herce: want alsus leret uns de wise meister. de suze Jhesus: 'Der munt he 




Die Lilie. 



sprichet van der vulleden des hercen; De gude mensche he sprichet gude wort, 
inde bose mensche he sprichet bosheit, van deme scatze ires hercen '. Wane 
dat salt dn wizzen dat einre hande luden sint, [21 r ] die heizent ypocrite, dat 
is gelich semere die nnder den grnnen worden, die snarcen hercen dragen. Die 

5 denkent bosheit, inde sprechent wale, dat si ire bosheit bedecken, inde dat si 
di einveldige hercen bedrigen mngen. Darumbe manet nns de suze Jhesus: 
1 Sit', sprichet he, 'einveldich alse die duven, inde wis alse die slangen'. Sit 
einveldich, dat ir nimanne bedrigen in willet; sit wis, dat nch niman bedrigen 
in muge. Van disen sprichit he aver: 'Ungerechte lude lerent die [21*] selve 

10 lerunge, die Moyses lerede; volget iren worden, niet iren werken; Want si sint 
alse die gekelkede graber, inbuzen wiz, inbinnen vol unreinicheide'. Inde sente 
Panlus sprichet: 'Ir insnlt niet alien geisten geloven, snnder prnvet die geiste, 
ave si van Gode sin', Wi man dise lude underkennen sule, leret uns de suze 
Jhesus: 'Ir suit si bekennen an iren vruhten'; dat is an iren werken. Want 

15 die were sint offenbare, die gedenke sint verborgen. Disen zuivel muzen wir 
haven, [22 r ] alse lange de sumer dis levenes weret, alse lange bizze de winter 
des jungesten dages cumit. dane wirt man sinde, wiliche bladere grune bliven. 
Owi wie durre werden die andere bladere dan, die zfi den geistlichen lilien 
niet ingehoren; Si sulen dorren wr deme vorste der an gestes, si sulen dorren 

20 in deme vurre der ewiger hellewizsen, alse die gerehten grunen inde bluen 
sulen vur ireme herrin. al hie Sprich van den worden. 

Wat mugen wir nu [22 v ] sprechen van den armen, der bladere -izft 
durre sint? Durre wort havent alle lugere, alle ahter sprechere, alle smeichere, 
alle spottere; alle die schentliche, ave unnuze ave muziche wort sprechent. 
25 Muzich sint alle die wort, die man ane redeliche not. ave anuzliche andaht 



9 



y 



sprichet; Yan alien sogedanen worden, mflz man rede geven, in deme dage des 
urdeiles. we is so gerecht, de sich hie niet in revere? Wane willen wir uns 
hie erveren, inde bezzeren, so sulen wir da sicher wesen. Wir [23 r ] lesen van 
eineme heiligeme manne, dat he binnen drizich jaren ni wort ingespreche. 
80 Ein an der drug einen stein dru jar in sinen munde, dat he der stillen ge- 
dehte, so wanne he sprechen wolde. Du in salt niet wenen, dat si dumben 



weren, die sich so sere vur den worden hflten, Wane is it sus groz angest van 



1. t im zweiten fprichet ub. d. Zeile. 2. oder in de. nach deme Punkt. 3. nach einre 
und heizent Punkt die untcre Hdlfte des y in ypocrite rod. 5. nach fprechent Anfang eines w. 
6. e in manet ub. d. Z. nach uns Punkt. 7. Matth. 10, 16. 8. bedriget ; t dutch Bos. aus n. 
9—11. Matth. 23,2.27. 11. nach fente Punkt. 12. 1. Joh. 4,1. 13. s in uns ub. d\ Z. 
14. Matth. 7, 20. 17. dant. 18. nach werden Punkt. 19. das zweite r in dorren vor 
wr ub. d. Z. 19 f. hat die Hs. Zetle'8—12 folgende Doppelschreibung : Si fulen doiren wr 
deme norfte der | an geftes. fi fulen dorren indeme | nnr deme uorften. der angeftef 
si | fulen dorren indeme uurre der ewi | ger hellewkfen. 20. das zweite r in uurre 

durch Bas. aus f. 21. ein Teil der tfberschrifl [al hi] links neben Zeile 14 von BL 22*; 
der Best uber der obersten Zeile. 22. r m armen blafsbraun ub. d. Z. 25. anuzliche « an 
nuzl.. 27. reuere = erviere. 30. i vor iar radiert. 



Die Lilie. 




den muzigen worden. wat gewirt der lugenere, inde der ahtersprechere , inde 



J 



9 



J 



i 



der andere, die da vure genant sint; war zu sint die duren bladere nuzze 
want zfi deme vure! It is [23 v ] ein zeichen dat si nit wale gelovich in sin 
die die aide durre bladere havent. De suze Jhesus he wisede sine jungere 
bit welichen zeichenen man die gelovige lude solde bekennen. 5 

Der zeichene is ein, dat man bit nuen zungen sule sprechen. wilt 
di nwe znnge bekennen, so bekenne aller erst die aide. Die aide zunge was des 
leiden viendes, die an aneginne der werelde bit deme wive aller erst sprach. 
Wat sprach he? hore! 'Warumbe', sprach he, 'hat uch Got verboden, dat ir 
niet ezzet van deme bo-[£4 r ]me der cunste des uveles, inde des gudes?' Ei, 10 
bose geist, dine wort sint alse du selve bis. Mirket, dat sin erste wort was 
ahctersprache, Want si ludent also, alse Got durch nith in dat oviz verbodden 
hedde. Owi wie manige luden sint, die diser alder zungen volgen! Alse wie: 
Seges du it', sprichet ein zu deme anderme, 'wie dich de man hude ane sach, 
inde wie untwertliche he dich grade?' Dit is eine aide zunge; dit is ein durre 15 
blat: Ingeloven disen worden niet, der slange he sprichet si. He [24 v ] sprichet 
noch bit des armen menschen zungen, alse du bit der zungen des slangen. 
Ave horet wre baz! D& der vient horde in deme paradise, dat ime dat arme 
wivechin zuiveliche antwrde, du lahte he sich an die offenbare lugene. Du 
Eva antwrde: 'ezzen wir den appel, so sturven wir lihte ', inde der slange 20 
vernan dat si zuivelde, 'nimer niet', sprach he, 'iren suit niet sterven, sunder 
so-schire alse ir die vruht gezet, so sulet ir sin alse gode, inde suit wizzen 
gut inde uvel; Inde want Got dat wiste, dar umbe hat he [25 r ] uch die vruht 
verboden'. Hores die offenbare lugene des slangen: 'IRen suit niet sterven' 
sprach he. Wie gelogen dat si, da£ bevonden wir noch alle dage; want die 25 
erste lude si sturven zehant an der selen, da na an deme lichamen, inde 
havent dat jemerliche erve up uns geervet, dat wir durch noth sterven muzen. 
Owi des gekoses, owi der alder zungen, owi der durrer bladere, der ahter- 
sprachen, des zuivelichen wordes, inde der lugenen! Ich manen alle, die dit 
lesen of [25°] vernemen sulen, dat ire oren beslozzen sin, zu der ahtersprachen, 30 
dat dat vergifenisse in ir herce niet in cume, inde dat dat zuivelwort uzer 
iren munde niet inge, Inde dat si den lugenen niet in volgen, noch selve 
ingeine insprechen. want der munt de da luget, he ersleit die sele, inde gude 
Got sal die alle verlisen die lugene sprechent. Dit is ein engestlich wort; we 
sal den finden, wenes du, den Got verluseU Ich wenen dat sin widersache 35 
der duvel. Owi [26 r ] des jemerlichen verlisens, Owi des unselichen vindes! 

Bit der warheide, dat is Jhesus Christus, in mach niman bliven, wan de 
warehtich is. Die lugene hat ein unseliche dochter, die heizet smeichen. dit is 



> 



3. nach nit Punkt. 7. dine Hs., di nne Bocthc. 9. unter W rad. y; a. B. als 

Vermerk fur den Bubrikator v. 9/'. Genes. 3, 1. 10. nacli borne Punkt. 13. manigeluden. 
15. it. 17. du = do. 20. Genes. 3, 3. 21 ft. Genes. 3, 4. 5. 24. Nach Hores Mastir (tu. ? ). 

25. da. 29. i | Iich. 33. oder in de. 37. watheijde. 



10 



Die Lilie. 



den richen inde den geweldigen luden vile, inde alze heimelich. Si lovet ire 
bosheit, ove si intschuldiget si, inde sal vet dat herce der snndere bit der 



dotlicher salven irer durrer bladere, dat is irer lugelicher worde. We inde 
ever we den smecheren, die de bosheit gnt heizen [26% inde dat ungereht 
5 alse dat rehte lovent; den niet ingennget ires selves unselicheit, si in machen 
och ander Inde nnselich. 

Si blendent die ongen der amer snndere, 



dat si van ire snnden niet in mngen gekeren 
alse si lovent die bosheit 



» 



9 



10 die ane znivel zfi der hellen geit. 

Dar nmbe mnzen si zneweldige pine haven 



9 



vur sich selven. inde wr andere Inde missedat. 



9 



al hie Sprich van den spotteren. 

Nn cfimen wir an die spottere, 
15 die sich an nimannes wort in willent keren 



noch sine willent in geine sunde [27 r \ haven gedain 
so wat si bit spotte havent missedain. 

Den spottere muz ich widerdriven 
dat he behalden muge bliven; 



9 



9 



20 Inde den ungezogenen willen wir die selve lerunge geven, 

dat si beide mugen haven dat ewige leven. 
Die nncusche, inde die spotliche wort cflment van dnmben sinnen 
want sich die armen niet inbekennent noch inversinnent. 



9 



Sage mir, dnmbe mensche: weistu wat dn sis, wa dn sis, wat din ge 



25 Ich willent dich eines [27 v ] deiles leren. 

Du bis ein crane vaz vol unreinicheide, 
des machtu dich selven wale bescheiden. 
Du in bis ingeines dinges gewis wan des dodes 
so du doch der stunden uver ein niet in wizes. 



werdin sulel 



9 



30 Du in weist ove du izu leves 



9 



inde ove du bit rehteme urdeile inde ewige helle geworpen werdes. 
Da mftzes du wis werden an den pinen, 
ane bis du hie dump an den sunden. 
Din leven it is leider engestlich, 
35 want dine sunden, inde dine pinen merrent sich, [28 r ] 

Dit inwere niet so g&t alse de geliche doit, 
want so wrde'doch minre dine noit. 




2. 3. noch fundere and faluen Punkt. 7. amer = armer. 8. noch fi Basur (1 Buchst)- 
11. eueuieldige. 13. al hie rechts neben ZeiU 11 von BL 26*. Der Best der Vberschrift tiber 
ZeOe 1. Siehe die beigeheftete Ltchidrucktafel. 15. kerfit. 16. sun de. 24. viettekht lies 
rale ge werdin: leren 25. 25. am oberen Bande von BL 27* rod. van .. .(?). 27. mach|tn. 
33. drip. 35. fand'e. 36. ge|liche. 37. nach doch Baswr (5 Buchstaben). 



Die Lille. 



11 



Nu mirke rehte wa du sis: 



9 



deistu dat. so wirdes Du wis. 



9 



9 



Du bis indeme engestlicheme graven der trene, 

da du dich in salt ingeiner sicherheit verwenen. 
5 Der stricke der becorungen is also vile, inde noch me 

wan des stubbes in der sunnen vare. 

Du up dat herce inde sich upwert, 

ich wenen din spot he geit honderwert 

Da vindes du den engestlichen rithtere alzban 
10 he [J28 9 ] hat dat scharpe suert in siner hant. 

he in lezet ingeine sunden ungewrochen 

si sin gedahl, gedan, ove gesprochen. 

Du must hervure, ganc herevort! 

zelle dine schentliche inde die spotliche wort. 
15 Da must du diner boser wonfe ein ende vinden 

da du in macht noch wichen noch wonden. 



9 



9 



9 



9 



Dar na sich under dich, inde begrif dat hellissche afgrunde 
da du die nunslahte pinen salt vonden. 
Die erste is dat vur, dat nimer inreculet 
20 dat [29 r ] ander is die keldene die nimer in rewarmet 



9 



Dar na is de wrm undotlich 

inde de stanc so unverdregelich ; 

Dar na die vinsternisse die man sal tasten 

inde die hemere die slent ane raste 



9 



9 



25 dar na die bende suar inde vurich 



9 



inde der duvel suarz inde alze vreislich. 

Dar na cumet die schemede, 

vant da inis noch der roc. noch dat hemede. 



9 



Dar na mirke dusentwerf dusent ungemach, 

30 die ingeine zunge gecellen en mach. 

Kere dich dan umbe [29*] 9 inde sich honder dich, 
inde mirke wi du gelevet has unnuzlich. 
Sich alle die zit die du van conde has verdan: 
weiz Got die rechenunge in mach dich niet vergan 

35 Eine stunde inwirt dir niet vergeven, 

also cure alse du din oge mohtes up geheven. 



9 



Sich dar na vur dich. inde mirke bit sinnen 



9 



manich hindernisse dat du noch must verwinnen 



9 



3. entgeftlic | heme. 6. de*. 9. = richtere. 12. gedahc. onege. fprochen 
H. li in schentliche gebes$ert aus h. 15. wortle. 17. auch vor under und dat Punkt 
20. r m nimer dutch Bos, aus n. 30. ge cell8 1 1 en mach. 31. ubcr K Bob. 



12 



Die Lilie. 



salt du hi ley en bit dineme vromen 

also dat da zfi deme himele muges cfimen. 



9 



Allet din leven is [30 r J vol becorungen, 
darumbe beduonc dat vergiffenisse der zungen 
5 Wende dich nu zu der rehter hant! 

da vindes du dinen engel alzehant, 



> 



9 



unvro stande bit einme idelen bfich 

want dn ne haddes der gnden werke ingeine ruche 

die an deme bfiche solden geschriven stain, 

10 ove du si heddes alse du soldes gedan. 

Sich zu der lurcer hant wa din vient steit 
bit eineme vollen bfiche vro inde gemeitl 
in deme bfiche steint [30 p ] alle dine sunden 
van der zit dat du begundes sunden 

15 vile eincliche geschriven; 

der in is uver al ingeine ungebrivet bliven. 
In bis du noch nit zu der vorten erwecket, 

so bis tu an deme dode gestrecket; 

Intwache noch inde laz die bose wort varen 



9 



9 



9 



9 



20 dat du deme engestlicheme worde mfiges intfaren 

dat Got zu den ungerehten sprechen sal: 



9 



i 



9 



geit, vermaledieden, in der ewiger hellen dal 
in dat vfir dat deme duvele is bereit, 



inde eineme iwelicheme de [31 r ] sine wege geit\ 



25 Tin honne inde ile zfi der cameren 



9 



da bluent die lilien bit den grunen bladeren. 
al hie Sprich van den worden. 

Wat beceichenet nu dat der lilien bladere, 
der is nidene me, inde si sint mere dan da ovene? 
30 Wir haven gesprochen dat de stil is der gfide wille, 

so is des stiles niderste deil, des willen aneginne ; 
so is dat overste deil, des gfiden willen ende. 
Her na sulen wir mirken, inde bekennen, 
dat in deme aneginne des gfiden willen, 



35 noch dan in mach man die wort [31 v ] nieth beduingen 



9 



noch bit so grozer mazen gesprechen, 

on ingebreche beide an der zul, inde an der rehter zalen 



4. beduanc. 17. ewischen I und n Punkt aufBas. 20. s in mfiges uber der Zeile. 
27. al hie rechts von ZeUe 11 der Setie (wiUen ende. Her na falen wir al hie); der Best der 
tfberschrift oben uber der Sette. Der neue Abschnitt kann indes nicht, wie es die SteUung der 
Vberschrift forderte, zwischen das Beitnpaar ende : bekennen (32—33) fallen, fiber dem en *» 
worden sieM halb ausradiert fvnteren(?). 81. anegi (Basur) n ( Basur)\n& Die Basuren sM 
je einen Buchstaben grofs. 32. giid'e. 37. ander zu. 



Die Lilie. 



13 



Tile bladere beceichenent vile worde, 
inde unbesnidene ove unzutige wort 
werden bit den grozen bladeren beceichent. 
Wir werden dis alien dach geware, 



5 dat sich gude lude niet in cunnen bewaren, 

si in muzen under stunden etzwat sprechen 



o 



da on der mazen ove der zute muze gebrechen. 
Wan so we sich an sinen worden wale behuden [32 r ] can 
de is, alse Jacobus sprichet, ein vollecumen man. 
10 he is andeme stile zovers an die blumen cumen: 



9 



an deme alle lude horent iren vrumen. 

Die wort eines mannes de alsus vollecumen is 



9 



beceichenent die bladere ake overst des stilis. 
Der is lutzel inde si sint dar zu cleine, 
15 want siner worde is lutzel. inde si sint hovesch inde reine 



9 



9 



9 



Ich wenen dat de prophete alsus verre was braht, 
de da sprach: 'ich haven minen munde eine hude gesat 
dat ich bin alse [32 v ] ein stumme worden 
dat ich niet unmuzich in werde an den worden'. 
20 al hie Sprich van deme suigene. 

Hi sal man mirken dat de selve man dise maze bat, 
den de alien dingen hevet maze gesat. 
he sprach: 'herre Got, setze eine hude uver minen munt 



9 



dat niman van minen worden werde wnt\ 
25 Dise maze hilt unse suze meister inde use herre 

want he dede selve na siner lere. 



9 



He hadde da vure bit des wisen mannes munde gesprochen: 

i an vile worden in mach sunden niet gebrechen'. 

[33 r ] darumbe was he an alien sinen uuorden zuhtich inde curt 



30 alse it alien heiligen luden cedune geburt. 



Dit macht tu aller best mirken an siner martilien, 
da die rode rose lerede die wize lilien. 



Wilt du vlizliche horen wi de ewanglista sprichet 
ich wenen dat dir din herce brichet. 



9 



35 Du de suze Jhesus stunt vur deme bisschove der juden 

he begunde on vragen bit maniger reden. 



9 



De suze gebundene Jhesus he ne gaf ime eingeine antwerde 
also dat is si alle wnderde. 



9 



1. uber e in vile radierter i-Strich. 2. nach wort Punkt 8. uber der ersten Zeile 
von EL32r r ad. worden. 8f. Jakobus 3,2. 13. alfe. 17. vor eine radiertes n. Ps. 38,2. 
20. wie 12, 27. 23. nach he Basur (3 Buchstaben, fpr (?) ). Ps. 140, 3. 25. meifte'r. 28. der 
ente Balken des n t* gebrechen auwad. Matth. 6,7(9). 29. fin* en. 33. e in sprichet ub. d. Zeile. 



14 



Die Lilie. 



Die [33 v ] valsche gezuge si sprachen wider on sere 



» 



wane dat suze lamp stunt alse it dof were; 
it stunt alse ein stumme inde sueich 



? 



durch mine minne jemerliche inde bleich 



5 Dat eweliche wort it in sprichet niet. 

mirket, alle gelovigen, inde sit: 
He is stum de al eine sprechen can; 
he suiget alse ein schuldich inde ein verduaset man 



Zelezt du he doch solde inde wolde sprechen 



9 



10 bit vile curten worden wolde he sine stille brechen; 

bit curten worden sprach he die warheit. 

[34 r ] volget ime, sine lilien, alse uch hat geleit; 

Setzet ure zungen in also gedane hude, 

verwonnet bit suigene der bosere ungemude. 
15 It inis ingein dinclihtere dan dat si suigent, 

den dere herce in senftmudicheide ligent. 

Ein ander suigen is, dat cfimit van grozeme zorne 

da die bose hercen ligent in des ungemudes dome. 



9 



On were michel bezere dat si sprechen 



j 



20 dan si sich an on selven also harde wrechen. 

Dar umbe de sprechen sal, he spreche gezogenliche; 

de suiget, [34 v ] he suige verdoldicliche. 

Has tu gude wort inde gut gemude inbeiden siden, 

so maht tu beide suigen inde sprechen wale geliden. 
25 Ich willen, suze sele, dat tu Jhesum in din herce leges 

Jhesum den suzen, den du so senfte dreges 

also alse he du sueich inde niet in sprach 

du he alse ein stumme deme valscheme urcunde underlach. 



? 



9 



Lerne verdragen bit Jhesus, it gif ime grozen danc 



9 



30 dat he die valsche urcunde aller erst dur dinen willen dranc 



9 



Luget man up dich durch sinen wille 

vrowe dich sere [35 r ] inde suich erkers al stille 

Din suigen is diner viende martilie, 

in du salt dar ave bluen alse die lilie. 



9 



35 Di selicheit is dir endeil gedan 



9 



die he den sinen gelovede, bit worden sus gedan 



12. alse = alse he. 15. das erste i in inis durch Rasur axis e gebessert, i «• 
dine durch Bos. aus o gebessert 19. nach we-| ein Buchstabe rod. 20. zwischen w und r 
in wrechen Rasur (1 Buchstabe). 22. e in fuiget uber der Zeile. 28. a in underlach ver- 
tctscht. 30. r in dranc aus a gebessert. 34. dat. 



Die Lilie. 



15 



'Ir sulet selich sin, alse uch die lude sulen hazen 
inde durch minen willen sulen uch verwazen. 



9 



vrowet uch, sprechen ich, inde sit vro 
want ur Ion salt groz sin inde ho\ 



9 



9 



5 An dit gelovede salt du din herce hangen; 

dich sal na deme lone verduldicliche verlangen 

De gelovere he is warehtihc 

he is meh-[35 p ]tich, riche, inde willich. 

Din schoz he si erker wit inde gereit; 
10 he sal dir gevullet werden, weme lif ove leit. 

Mugen dich diner viende zungen here zu bereit gemachen, 

in salt du dan niet vro sin inde van hercen lachen? 

Si in wozen des niet wi sere si dir vrument: 

ein iwelich wort sal alse ein gomrae, zu diner cronen cumen 
15 Ich wenen, alse du dragende wirdes die crone der eren, 



du woldes dat der w r orde me gewesen were. 
Dat golt diser cronen sal dine stille [36 r ] wesen; 
dat silver sulen dine gude wort geven. 
Des goldes sal vile sin, des silveres sal gebrechen; 
20 want du salt michel me suigen, dane sprechen. 

Nu sich wie manigen stein du willes in diser cronen dragen 
also manich scheltwort muzes du hi verdragen. 
Dit silver inde dit golt inde dese gesteine, 



si sint vile verre van ein ander gescheiden 



y 



25 Sulen wir si vaste ze samene brengen 

ich wenen dat vur der minnen sal dan oven intfengen. 

Din verduldich herce sal den oven wesen; 

da inne mach [36 p ] dat suze vur wale weren. 

De smit diser cronen is der heilige geist; 
30 he smidet bit deme hamere des wider mudes aller meist. 

In vorte den hamer niet also sere, 

want he hat die munze dines suzen heren. 

Du sal den blasbalch, die gunst des heiligen geistes vernemen 

de dir sal den starken wont der guder andehte geven. 
35 Alse der wont der glider andaht dit vur der minnen beweget, 

•so verdiec si dat si rehte levet. 

Du in salt disen wisen smit durch sinen harden hameren niet [37 



9 



r 



wilt du van deme geiste geisteliche leven. 



begeven 



9 



1. Matth. 5,11.12. 17. vor wesen verwischter vf-Amatz. Am oberen Bande von 
Bl. 36 r uber dine 18 radiert fuigene(?). 26. dan = da + en. ouen auf Basur. 29. nach 
is Punkt. 35. nach andaht Punkt. 36. uerdiefci. 



16 



Die Lilie. 



Sich erker dat du haves den anavalz der verduldicheide 
so mach du den hamer intfain bit sicherheide. 

Ich bin verre uzer der materien getreden; 
die minne verdruch mich; du must mirt vergeven: 
5 wane du ich die zutige wort, inde die stille loven wolde 

ich wenen dat ich ireme lone ze rehte volgen solde. 
al hie Sprich van den suilen der stolzcheide. 



9 



Nu willen wir uns wider an unse rede wenden 



9 



inde sin wi der lilien bladere de groze suilen versuenden 
10 [37 v ] Die suilen sint die stolze gemflde, 

da inne losschet dat eiter der undugede. 

Nu sin wir wie man si muge brechen, 

wat worde man zu den gesualten gemuden sule sprechen 

Alle die stolzen inde die zorniche lude, 
15 havent alle gesuollene inde getruntene gemude. 



Van der girden is ouch dat herce gesuollen 
dat ingein richedum in mach ervollen. 



9 



Sich ove dise bladere sin it sere lovelich 
die dise suilen heilent alsus dotlich. 
20 Ein dotlich suere is die stolzheit, 

die [38 r ] der selen den doit ane deit. 



9 



9 



Nu sin wir wi man den muge verdriven 

van dere sichere selen live. 

Dit sin wir aller best an deme meistere der otmudicheide 



9 



25 ove wir willen volgen sine guden geleide 

Hore wi he sine jungere lerede, 
du si der suere der stolzheide besuerede: 



'Man pliget des in der werelde sere 
dat man den cunigen budet here; 



30 inde si heizent die walededich 

die uver si sint geweldich. 



9 



It in sal under uch niet wesen ho, he si uch alien zu dinene gereit; 
so mach on erheven sine ot[58 P ]mudicheit. 
Alse des menschen sun in is niet cumen dinest ze nemene, 
35 wan anderen luden dinest ze gevene 



Want alse ir selve muget pruven, 
wi ich mich under uch an deme dineste uven 1 
Dise wort gaf he sinen jungeren, de suze lerere 
alse de up eine suile leget der lilien bladere. 



9 



7. al hJ rechts neb en B137', Zeile 11; Sprich bis Itolzcheide uber ZeUe I 
28—35. Matth. 20, 25- 28, 36. 37. Luk. 22, 27. 33. ot | otmudicheit. 



Die Lilie. 



17 



Sit wi groze maht hadden dise bladere 
die de stolzheit verdriven also sere 



9 



y 



van den herzen der gilder jungere 

inde leiden si in den week den si lerede 
5 ir suze meister inde ir here. 

Dise [39 r ] bladere sal de gerehte mensche haven 

bit den he die sichen muge laven, 

inde gewinnen den die otmndicheit 

die besueret sint van der stolzheit. 
10 Diser bladere macht du vile gewonnen 



9 



9 



9 



wilt du die heilige schrift vernemen bit sinnen; 
nemelich dat ewangelium, 
da du vindes den otmudigen Jhesum, 
die sich otmudichde bize an den doit 
15 dat he dir beneme des dodes not. 

It is der erden vile schemelich, 
alse si erkennet Got also otmudich. 
Du in mohtes niet genesen wan bit Godes otmudicheit 
ware wilt du dan ge-[39 r ]varen bit dinre stolzheit? 



20 wi wilt du stolz cumen zu deme riche 



9 



danne der stolze engel muste entwichen? 

Sich wie suar die stolzheit si, 

die in deme vasten himele niet in mohte wesen vri! 

Si muste durch den starken himel vallen 



9 



25 in dat afgrunde, bit iren volgeren alien. 



9 



Den wech de dar widere dich mach geleiden 

den in maht du niet behalden, dan bit der otmudicheide 

Eine curte lerunge is dat: 

die otmutdicheit climbet in der stolzheide stat 



9 



9 



30 die stolzheit sal genidert werden 

bize [40 r ] an den bernenden grunt der erden. 
Wes erheves du dich, erde inde essche? 
wi has tu dines aneginnes inde dines endes vergezen 
Gedenke wat du weres, inde wat du sules gewerden 

35 inde erheve dich dan na dineme werde! 



? 



9 



Ich wenen dat it wiere dage ergein nadinem dode 
die dich nu erhevent die sint dich dan vile node. 



9 



4. nach lerede Punkt. 19. uber varen am oberen Iiande radiertes v . . . . 20. nach 

wi ein Buchstabe radiert. 21. das erste n in entwichen uber der Zeile. 29. nach ftolzheide 
Punkt. 36. wiere vgl. Glossar. 

Dent ache Texte des Mitteialters XV. 2 



18 



Die Lilie. 



Dines selves urdeil wirt dan gendit uver dich 
vil arm mensche, wes erhuff es du dich ! 
'Wa is min gfit inde wa is min erve? 
owi wi engetrue sint [40 '] mir mine erven! 



9 



5 Wa is min vleisch des ich so wale plach 

deme ich indede ingein ungemach! 



9 



owi wi is it den wrmen ein deil gedain! 
owi siner schoheide, die alsus solde ergan!' 
Dise clage si wirt leider alze spade; 
10 dar nmbe, alse man die zit hat. so volget rade 



inde gesinnet, inde vondet genade. 

Aldus gedane bladere sal man up die gesuollene hercen breiden 

dat si brechen inde verlisen den wont der stolzheide. 

al hie Sprich van deme zorne. 
15 Ein ander engestlich suile heizet der zorn; 

die is in des \41 r ] dumben menschen hercen ein mulich dorn. 

want alse de wise man sprichet, 

de zorn in des dumben hercen stihet. 

Dis dorn inlezet nimanne in geine raste haven: 
20 de selige de on wale uz mohte gegraven! 

Here zft is och nuze der lilien blat, 



9 



ove it up die suile rehte wirt gelaht. 

Wir keren uns ever an den spigel aller dflgede 

inde sin wi he sine wort here zu vugede. 



9 



25 De suze Jhesus quan eines in eine stat 

da he alze vergeves herberge bat. 



9 



Maht du dit ane rue in dineme hercen ver-[41 r ]bergen 
dft de arme Jhesus niet in mohte geherbergen? 



9 



9 



Erbarme dich noch uver den armen gengelere 
30 so wirt noch vrolich sin herberge! 

He nimet die herberge noch gernere dan du 
he suchet noch wa sin hovet mflge haven ru 
He wilt ecker din herce haven 
da inne maht du on wermen inde laven! 
35 Des ime die bose lude nit ingunden 



9 



9 



9 



9 



want si der gude an on selven nit in vunden, 
Des uurden erzurnet die jungere, 
inde sprachen ane den suzen here: 



14. al hie links neben Bl 40*, Z. 13; das ubrige oberhalb von Z. 1. 25 ff. Luto* 
9, 53—56, 26. nach alze getilgtes u. 



Die Lilie. 



19 



t 



Wilt du wir sprechen [42 r ] deme himelisscheme vure, 



dat it vercere dise bose gebure?' 
Dise wort waren des zornes ein zeigen 
den de gude meister wolde beweichen. 



> 



5 He sprach: 'ich in weiz wat geistes in uch levet 

de ur gemude alsus beweget! 



9 



9 



Ir sulet wizzen dat ich cumen bin 

niet durch imannes verlust, wan umbe gewon 

inde dat ich die suche inde heile 



> 



10 die deme viende waren worden zedeile! 

Dit was ein gut lilien blat; 

up siner jungere zorn lahte he dat, 

inde brach die suile [42*] der mide, 

inde satte ir hercen in senften vride. 
15 Ich willen dir ein ander blat wisen 

dat must du inde salt van rehte prisen; 
dat de suze Jhesus sprach du he verdruch 
den bosen schalc de on zu sinen backen sluch 
Ein undure schalc sluch den cuninc van himelriche 
20 sich wat jamers diseme muge gelichen! 



9 



9 



Hedde on doch ein geweldich mensche geslagen 



y 



min herce mohte it des zebaz verdragen. 
Wan de suze here verdruch it baz dan ich; 
want he was van [43 r ] hercen senftmudich, inde verdoldich, 
25 Dat vernom an siner antworde, 

die zu sineme hercen rehte gehorde! 
He sprach: 'bezugit mich hanich uvele gesprochen; 
so sprechen ich wale, war umbe has du dich an mir gevrochen?' 
Inbarmet uch alle die oren havent, 
30 alle die einiche minne zu der minnen dragentl 



Lizet dit wort uren zorn cebrechen 

so wanne ir uch an imanne willet urechen! 



9 



De sich vrechen mohte wale bit rehte, 
he liz sich ungevrochen an eineme boseme kenehte. 
35 Alsus gedane wort brechen [43 v ] des zornes suile 

du maht derelesen an deme suzeme Jhesu vile: 
an der ein willen wir uns noch keren, 

dat he sprach an deme cruce vor sine crucigere! 



9 



2. e in ge- uber getilgiem L 4. vor wolde getUgtes wnd rot durchstrichenes we. 

17. hinter verdruch Punkt. 22. hfce. 24. van durch TUgung des ersten vr~Striches au& wan 
gebessert. 27 f. J oh. 18, 23. 31. I. Lazet ? 



2 



* 



20 



Die Lilie. 



Hore, mirke, inde be halt wat he sprach 
du he leit dat dotlich ungemach, 



y 



du on die nagele sere bunden, 

an sinen viere jemerlichen wonden. 
5 He sprach: 'vader, vergif it disen, die mich martelen 

want si ne wizzen nit dat si sundegent'. 

Dit is ein blat dat uver alle bladere geit 

dit blat dreget die voile heilicheit 

Din herce is alze umbereit, 
10 deme dit [44 r ] wort in dat herce nit ingeit 



9 



9 



9 



Wider alien zorn inde al nngemude 
so mach dit blat zonen sine gude. 



9 



Lege it in din herce inde halt it sere, 
dat de suze Jhesus bat vor sine crucegere 
15 want si selve nit inbecanden 

wi groze sunde si an sich wanden. 



Du salt wosen, alse dir iman uvele deit 



9 



wiste he wat pinen na den sunden geit, 
inde hedde he sich ze einem male besut 



20 he in spreche noch in dede dir nimer nit dane gut; 

Want dat sprechet de suze Jhesus werliche: 



i 



so we sineme evenkirstene "affe" sprichet, 



[44 v \ he is des hellischen vures schuldich*. 

her na berihte sich ein iwelich, inde laze sinen zorn varen 



9 



25 wilt he sine sele bewaren 



9 



He lerne och so suze wort sprechen 



9 

o 



dat he eines anderen zorn muge cebrechen 
he bidde och vor die on havent erbolgen, 
wilt he des suzen Jhesus lerunge volgen, 



9 



30 inde neme in sinen herze dat it on cumit van dumbenheide 



9 



die ime dunt ove sprechent leide, 
want si sich van der hellen nit in willent scheiden 
da der zorn hine leidet. 
al hie Sprich van der girden. 
35 Die dritde suile is die leide girheit 

[45 r ] dere vil na ingein mensche intgeit; 



9 



si hat bevangen allet ertriche, 
ich in weiz ingeine ire geliche. 



5. Luk. 23, 24. 16. nach groze gettlgtes fu. 22. Matth. 5, 22. 34. Anordnung 
wie 18,14 unci sonst. 37. vor allet getilgtes und rot durchstrichenes alien. 



Die Lilie. 



21 



9 



want it in is niman he in wille riche sin 
man, inde wif, die alden inde die cleine kmdelin 
Alle willent si dat gut haven, 
van der wigen bize zfi deme grave 



9 



9 



9 



5 Inde die maze safte he ime c&me ieinich man 

de glides ieinich deil gewan; 
Want bit deme gude weset de unmeziche mut, 
de imer ginende is uppe dat unseliche gilt, 
Inde in sint nit dat dit gelucke is ungeluckich; 



10 inde dise [45 r J selicheit is unselich 



9 



want si die sele van der warer selicheide 
inde van deme rehteme gelucke scheident 
Want dit is des suzen Jhesus lere: 



9 




I 




in mach niman dinen zuein wider uurdigen herren 



9 



15 Ir in mfiget nit dinen Gode inde der richeit' 

die so manige sele hat verleit, 
die nimer in wirt zfi Gode bracht 



9 



9 



ove alle heiligen detden alle ire maht. 

want van der hellen in is ingeine wider vart; 
20 we ime de eines da vunden wart! 

want he sal imer vallenden sin: 

dat erve sal imer wesen sin; 

Sin schaz sal [46 r ] on imer zfi deme afgrunde wigen 

dat he nimer in mfige stille geligen. 
25 Dit is de engestliche suile 



9 



9 



die der dumber lude bedruget also vile. 
Dise suchede maht du wale verwinnen, 
wilt du des suzen Jhesus leven lesen bit sinne: 
Sich wi arm he in dise werelt quam, 
30 du he dines vleissches roc an sine gotheit nam! 



9 



Sich wi arm was allet sin leven 
alse wir mflgen an sinen worden vernemen: 
Die wort si sint jamers vol; 
want he sprach: 'die vusse si havent ire hoi 
35 die vugele havent ire nost [46 p ] bescheiden 



9 



9 



da si der rasten mflgen inne beiden; 
des menschen sun he in hat der stede in geine 
da he sin hovet anne geleide'. 
Dar na sich dat aller armeste ende, 
40 da ime gebunden waren beide die vuze inde die hende 



9 




2. cline ken deli n. 5. sailte. e in cume iiber der Zeile. 14 — 15. Matth. 6. 24 



34—38. Luk. 9, 58. 35. uugele ; das o halb radiert 



22 



Die Lilie. 



da he nachet stunt bedalle 



9 



in deme spotte inde indeme schalle! 

Hi willen ich dat du uves dinen gedanc 

inde an on drives din herce ane wane, 
5 inde durch mirkes dat schentlich armude, 

dat de suze Jhesus leit al eine durch sine glide, 

inde dat duriche wrdes: 

sich ecker wi [47 r ] duime des antwrdes! 

Pruve dat he noch schande in vorte noch ungemach 
10 he in wrde arm durch din gemach; 



9 



inde in schone dineme gemache inde diner eren nit so sere 
du ingeldes gezwat deme suzeme Jhesu, dineme lerere. 
He in biddet dich nit also vile liden alse he leit: 



9 



sin cruce it were dir harde vile al zebreit; 



15 he biddet dat du ime al eineme dat herce geves 

inde dat du na der werelde nit in streves. 
he in mach bit ingeime gesellen sin: 



9 



9 



al eine mach he inde wilt he wesen din. [47 
Bit ime mach dir inde sal dir wale genugen 

20 wilt du die sachen rehte wegen inde pruven 

Ane on so in maht du nimer riche werden 
ane besezes du den himel inde die erden. 
Gewinnes du och inen aleine 
so in dart du nimer armflde geweinen 

25 want he incumet nit al eine 

de suze cfininc inde reine: 



V 



9 



9 



9 



9 



sin vader cfimet bit ime, inde die eligegeist 
inde die schare der dugede aller meist, 
die brengent die unzeliche volleist. 



30 Dus gedanen gast is it gut inde suze intfan 

inde bo-[4£ r ]se geste bit aller der mah* uzslan. 
Dis gast he is alien den gereit, 
die ime die herberge havent bereit: 



9 



Des givet he selve urcunde 



9 



35 bit sines druden Johannes munde: 

'Ich stan', sprichet he, *zu dere dure inde cloppen 
inde so we mir sine dure willet machen offen, 



» 



9. Brune; dock ist fur den Miniator links neben der Spalte p vermerkt; vgl den- 
selben Fall Bruno 26, 29. 18. din unter der Zeile. 24. ge|w!nen. 26. oder in de. 

30. u in suze aus y gebessert. 31. mahc. 36 — 23, 3. Apokal. 3, 20, 



Die Lilie. 



23 



9 



alse he gehoret mine stomme 

ich sal zu ime gan dar in bonnen, 

inde ich sal bit ime ezen inde he bit mir' 

wrde uns dis gast, wi riche weren wir! 
5 wir solden wale werden gespiset; 

aha wiliche mursel [48 v ] van sineme dische risent! 

wir sin ecker wat wir ime anerihten mugen; 

he is otmudich, ime mach lihte genugen. 

Ich wenen he wilt dinen willen haven: 
10 ane is he crane, dn maht on doch da mide laven. 

Wider diseme willen sal he dir sine genade geven 

da mide volget dat ewige leven. 

Dit is die himelissche richeit, 

dere ingein ander schaz gelichet: 
15 Der ane salt du dine gerunge legen 



9 



9 



9 



ingeine ander girde salt din herce bewegen. 
So maht du lihte vor der bosere girheide [49 r ] genesen 
inde sicher ander genaden Godes wesen. 
Ich wenen so wen dis ezens wale geluste, 
20 an ime solden sterven alle vleissliche geluste; 

want so wanne sich die himelsche gelust in dat herce lechte 
ich wenen dat die werelt ire gelust alze vergevdfe brehte 



9 



Sus gedane wort sal man up die suile breiden 
dar in die bose girde hat ir vergifnisse geleidet. 



9 



25 Al hie ane Sprich van den wizen blfimen, van deme erste 

uze Jhesus, ich keren mine ogen ever an dich, blade, 

want di burden si besueret mich! 




Mine ogen [49 v ] sint mir sere vergangen 
inde dar umbe willen ich an dir hangen; 



9 



30 want du bis dat ware lith 



9 



9 



9 



dat dine volgere in verleidet nith. 
Geleide bit dineme lithe mine sinne 
want ich van mir selvere duster bin 
Want du bis gut inde richliche milde: 
35 ane si ich arm inde genode. 

Gif mir, suze vader, dine sture, 
dat ich sprechen muge van dineme vure 
dat is dine suze minne; 
dar zu ervulle mine sinne! 



2. o in bonnen aus e gebessert. 11. nach Wi- Rasur {2 BcUJcen). 16. girde auf 
*faw. 24. dat. 25. Al hie ane rechts neben geleidet; der Rest der Uberschrift uber der 
tyalte. 32. vor lithe getilgtes und rot durchstrichenes litle. 




24 



Die Lilie. 



Ich bin bit diner helpe cftmen 



9 



9 



9 



ander lilien wize blfimen 

an wen die [50 r ] sesveldige sache bezeichent is, 

war umbe du, suze here, ze minnene bis. 
5 Der bladere an der wizer blumen sint sesse 

an einer iwelicher lilien die voile weset. 

Bit den sint sesse sachen bezeichent, 

die nns an des suzen Jhesus minne beweichent. 

Dat erste blat bezeichent die erste sache, 
10 die is darumbe dat he nns hat gemachet. 

In diseme blade Uses dn die groze werdicheit, 

die dir gegeven hat die gude gotheit. 

Hi sal du mirken zua sachen, 

wie inde war nmbe [50 v ] he dich hat geschaffen 
15 Diner selen gedene is vile herlich, 

want si is edelich. 

dat haven ich da vnre bescheiden, 

da ich sagede van der selen dri veldicheide ; 

dat is van der driveldiger maht, 
20 die si na der gotlicher driveldicheide hat: 

want alse an deme vadere, inde deme sone, 

inde deme heiligen geiste, 

is gewalt, inde wisheit, inde gflde, 

also hat eines menschen sele die selven dri dugede 

25 Want si hat an ire die wisheit, 

dat is des gdden inde des bosen eine [51 r ] bescheidenheit 



So hat si och die glide, 

dat si mach minnen dat gfide. 

Si gewalt is die dride macht, 



30 da mide die sele dat bose verdriven mach. 

Alsus is die sele geschaffen na Godes bilde: 



9 



si were selich die dat wale behilde 

die sich bit den suarcen sunden niman beschrive 

dat si dit schone bilde mide verdrive. 



9 



35 al hie Sprich van deme anderen blade der lilien 

Den lichamen hat dir och Got gegeven, 
den he geschuf van der ungeschaffenre erden. 
mirke wi groze cirheit he dar ane hat gelaht, 



ove du pruves aller [51 '] lidelich na siner maht 



5. twch blumen Punkt. 17. vor ich Rasur (1 Buchstabc). 33. niman = nie mt 



ane. 35. Anordnung wie 18, 14 und $onst. 37. nach erden Ra&ur (2 BdUcen). 39. ubtr 
der neuen Seite in blafsbrauner Tinte 1 [=30?]. 



Die Lilie. 



25 



9 



Inde dat wizes dat he den lichame 
dir durch groze minne hat gedan ane 
darumbe dat du des ze otmudigQr sis, 
alse du dines lichamen crancheit sis 



9 



9 



9 



9 



5 des der engel nit in mohte sin, 

du he ane sach sinen grozen schin. 

ei wie wale were geschit siner stolzeit 

hedde he gehat des vleisches otmudicheit 

so in dorste he nit begert haven der unmeziger eren 
10 alse he gesin hedde wie nider he were, 

Dar umbe du der engel nit. inbestunt, 

de ingeine sache an ime druch, 

die [52 r ] on mahte nideren an sineme gemude 



9 



9 

o 



Got he machede den menschen durch sine gude 



9 



15 dat he bit des vleisches otmudicheit 

verwnne des geistes stolzheit. 



9 



Umbe dise rede is dir de roc des vleisches ane gedan 
minne Got herumbe, wilt du it rechte verstan! 



Dit han ich alsus gesprochen ze dude 



9 



9 



20 durch ezeliche dumbe lude, 

die Gode nit in willent danken 

alse si sint iren lichamen cranken, 
inde in sint nit dat an der crancheit des vleissches 
liget de groze sterkede des geistes. 
25 [52*] Nu sich wie grozer minnen Got si wert wider dich 

de dich hat gemachet beide her inde otmudich! 
An diner selen liget dine hereit, 
an deme lichamen dine otmfldicheit. 
du in mohtes nimer baz geschaffen sin; 



9 



30 spriches duit anders, dat unreht it is din. 



Zu der stat der dumber engele 

hat he dich betirmet in deme himele 



9 



9 



dat du da imer sinen lof songes, 
ove du selve hi levende dar na ronges. 
35 Dit is die erste sache darumbe du Got salt minnen, 

[53 r ] die andere sache salt du och mirken bit alien sinnen 
Den guden Got induhte nit genuch, 
dat he dich den anderen craturen vore druch: 



3. du uber der Zeile. 15. nach def Rasur von 3 — 4 Buchstaben. 23. nach vleissches 
Pwnto. 34. nach hi Punkt. 



26 



Die Lilie. 



9 



he ne wolde dich noch dan me eren 

inde sette dich alien sinen gescheffeden einen heren 

Wilt du dis rehte wis werden 

so mirke den himel inde erde. 



9 



5 Sich dat, dat dine hudere sint die engele, 

die Godes antlize beschoent in deme himele. 
Die sunne, der mane, in dat gestirre, 



in mugen sich van dineme dineste niet [53 v ] gevirren; 
si sint bit ireme dineste din 



9 



10 want si gevent dir iren schin. 

Die luft is dir ze dinene gegeven, 
want ane si in mohtes du nit leven. 
wie dir die erde si underdan, 
des in mach niman ingeinen zuivelhan 

15 Wat nfitzes du des wazeres haves 



9 



9 



dat weist du, so du dich wessches ove laves. 
Dit sint die vir done da die werelt ane besteit: 
die dinet dir mit alien den dingen die si umbe veit 
Naht inde dach sint dir gemachet, 
20 zu dineme nutze inde zii dineme ge-[54 r ]mache: 



Der dach he luhtet dir zu diner arbeit 
die naht is dir zu diner rasten bereit, 



9 



Inde wat mach ich nennen alle sachen; 
alle dine sint durch dinen willen geschaffen. 
25 Want die engele in dorten der werelde nit 



9 



die alle zit ane sint iren heren, dat ware liht. 



9 



Wi groze minne du Gode her umbe schuldich sis 
dat maht du selve pruven, bis du wis! 

Pruve inde minne den grozen heren, 



9 



30 de dich hat gemachet zu also grozen heren 



9 



inde want [54 v ] he dich hat gemachet alsus wert 
dines du ime, des is he wale wert* 
Want wolt du siner creature dinest nemen, 
so salt du ime billiche dinen dinest geven, 



9 



35 dat du Gode sis also under dan 



9 



alse du sine gescheppenisse wilt under dir han 
Sich wi unbillich dich dat duhte 



9 



van deme vure inde van der luhte 



9 



4. oder in de. 7. vor geftirre radieries ge. 17. dir. 18. iiber mit Basur, 

29. wie 22, 9. 3G. vor wilt Punkt. 



Die Lilie. 



27 



inde och van deme wazere inde van der erden 
ove si sich van dineme dineste kerden! 



9 



michel umbillicher salt it dunken unsen scheppere 
dat du dich van ime keres: 



* 



5 want du [55 r ] wolt die werelt haven zu dineme gemache 



9 



die du ingeine wis niet in has gemachet 
inde du in wilt nit dinen dineme heren 



9 



9 



de dich geschaffen hat zu sinen eren. 
Sich och dat die werelt, der herre du bis, 
10 in geines lones an dir warden de in is: 

wan du beides grozes lones, 
van dineme heren, der ewiger cronen. 
Wilt du dan dat alle dine zu dineme dineste sin bereide, 



die ingeines lones an dir beiden 



9 



15 wi sere salt du dinstetich sin deme 



9 



van deme du so suzen Ion denkes nemen! 
Din [55 v ] dinest sal sin ze vordes, dat du on minnes 
van aller diner maht, inde van alien dinen sinnen. 
Ei wie suze ein sons is die reine minne 



9 



9 



20 die nit in rovet, wan machet riche die sinne! 



9 



So we sine minne nit in wilt Gode geven 
wanne geve he allet sin gut inde sin leven? 
Al hie ane Sprich van deme dritden blade der lilien. 

Dat dride blat dat is die dride sache der minnen, 
25 it mach din herce noch me verwinnen; 

want dat blat beceichent die groze verdulheit, 

die Got kerde zu des menschen bosheit. 

want du der mens-[5£ r ]che sich hadde geworpen in die sunden 

bit rehte mohte on Got werpen zu deme hellisscheme grunde, 



9 



9 



30 inde zu deme ewilicheme vure 

da ime die losunge were dure, 
wane des indede he nit ze hant 



9 



biz he ime bude aller erst die hant 
siner barme hezicheide 



9 



9 



35 ove he sich lihte kerde wider an dat geleide 

sines suzen schepperes, 
die on hadde geschaffen zu aller eres. 



19. = Ei, cines wie sufsen Sinnes ist die reine Minne (P). 22. n in leven rot ge- 

stricJielte Majtiskel. 23. Al hie ane rcchts im Zeilenspatium nach leven, das ubrige uber der 
Seiie. 35. hinter geleide TunkL 



28 



Die Lilie 



Want dat vinden wir gescriven stan, 
dat Adam, du he die sunde hadde gedan 
he barch sich under eines bomes risen 
alse on niman da in [56 v ] solde Gode wisen 



9 



5 he was schire zu eineme doren worden 

du he wart ungehorich Godes worden 



9 



9 



de was geschaffen in so grozer wisseit, 
inde viel so schire in so groze dumbenheit! 
Noch du inbegaf on Got nit na deme valle: 



> 



10 want he geruhte bit ime callen, 

inde sprach: 'Adam wa bis tuV 

alse he spreche: 'bekenne dich nu 

in wie grozeme jamere du bis bewangen! 

want du min gebot has uvergangen! 
15 sich van wie grozer selicheit, 

du sis gevallen in dise jamercheitr 

Dise maninge givet he [57 r ] noch alien den sunderen 

noch dan dat si sich van ime durren keren. 



y 



He verdreget sine smaheit so gutliche 



9 



20 he beidet. inde manet dich dicke vederliche 



9 



9 



9 



inde in vrichet sin unreht niet schire 

dat he dine minne also verdine. 

Al hie Sprich van deme vierden blade der lilie 



Vernom wi wale he diner minnen si wert 



9 



25 dere he also maniche wis begert! 

Want uns inbeweget nit so sere zu der minnen 
alse dat wir sin dat man uns beginnet minnen. 



Dat herce it is vercaldet sere, 
dat nit in minnet sinen minnere 



9 



9 



30 noch dan dat [57 v ] he vile crankere is 

wan du du da geminnet bis. 
Minne Got, de dich geminnet hat! 
minne du minne, dat is mi rat! 
du minne hat sich selven an dich gedragen 
35 du in salt ire dine minne nit versagen. 

So we bekennet dat in Got verdolet hat 



> 



inde verdragen na siner missedat 



9 



9 



2. noch funde Rasur (2 Buchst.) 3. he und fich uber der Zeile; unter he Rasur- 
8. e in -heit uber dem i. 11. Geties. 3,9. 15. nacli wie Rasur {2 Buchstaben). 23. Al 
hie links neben Bl.57 r ,7; der Rest der Uberschrift uber der Spalte. 27. i in minnen uber 
der Zeile, zwischen m und n Rasur. 



Die Lilie. 



29 



9 



zu deme hat Got rehte sache 
da he siner minnen sin herce mache. 
Diser minnen in mach sich noch in sal niman intsagen 
wan de ingeine sunde indaf clagen. 
5 das in is niman, [58 r ] alse ich wene, 

wan de nit inquam zfl diseme levene. 
Size Got, ich incan dir nimer in vollen danc gesagen 
dat du mich bizze here has verdragen! 



9 



9 



verdrach mich bizze an dat ende miner dage 
10 dat ich mine sunden in wollen clage! 



9 



Ich bin zuder vierder sachen der minnen cumen, 
die sal ich lesen an deme vierden blade der wizer blumen 



9 



gif mir, suze Jhesus, dat ich si voile gesin mfige 
inde dat ich och si zesprechene duge; 
15 want alle dugede [58 v ] ligent hi, 

of man dit blat lnterliche ane si. 

Hi liget der strom der barmherzicheide, die Got an nns wolde legen 
inde uns zft siner minnen bewegen. 



9 



So we hie nit beweget in wirt 
20 sin herce hat einen bosen wirt 



9 



9 



de it an boser hardicheide sterket 



9 



dat it des cruces pine nit in mirke. 

Is din herce hart alse die erde sunder wazer 
du maht die trene des suzen Jhesus dar in vazen 



9 



9 



25 inde begizen dine durre unnuzze erde 

dat si naz inde beref-[5# r ]tich wirdit. 
Noch is eine andere arcedie, 
der du node mohtes vercien, 
wie du maht cfimen an dat weinen 

30 of din herce is hart inde steinen. 



9 



9 



9 



Ich willen dir einen hamer wisen 
inde dri beizele, die sint iseren; 
die salt du in din harde herce slan 
dat die trene dar uz mflgen gan: 



9 



35 Dat here cruce mache zu eineme hamere 

die beizele sin die dri iseren nagele, 
die durch gruven beide bende inde vuze 

des guden Jhesus inde den suzen. 



9 



6. inqua ; lies inquan ? 8. hinter bizze ist an dat ende radiert und getHgt 9. a in 
dat ub. d. Z., zwischen d und t Basur. 10. in wollen = in voUen = vollig; vgl. 7. 11. Iicb. 
13. nach voUe Punkt ub. d. Z. 24. du maht die del trene. 37. hinter vuze Punkt 38. I des s. ? 



30 



Die Lilie. 



In brichet [59 v ] dich diser beizele in gein 
so bis du hardere dan de stein 



9 



9 



de groz wazer inder wstenien gaf, 

du on Moyses zuirent bit einer gerden traf 



5 Wane it is ein stein der naturen 



* 



den man noch bit iserne noch bit vure, 



noch bit ingeineme harderme donge 
mach gebrechen ove beduongen, 



9 



wan bit des cikelines blude al eine. 

10 nu hore inde vernom, wat ich meine! 

Ein michel starker blut will ich dir zonen 
des du selve nit in maht gelonen: 
dat [60 r ] is des suzen lambes blut, 
dat van ime vloz bit starker vlut. 

15 dar in salt du din steinen herce legen 



9 



9 



so maht du it lihte beweichen inde bewegen 
dat dat wazer der trene dar uz vluzet 
der dine sele wale genuzet. 



9 



9 



Nu sin wir al van aneginne 
dit vierde blat der suzer minnen. 



9 



20 Dise sache der minnen beginnet alda 

du uns Godes sun quam also na, 
dat he unse menscheit an sich nam, 
inde zu uns in dise werelt quam. 



9 



Ich willen dat versuigen, [60 v ] dat he nun made wolde bliven 



9 



25 beslozen in siner reinere muder live 



9 



9 



dat moht uns sere zu der minnen driven 
dat die wischeit Godes durch uns so lange wolde suigen 
inde dat ware liht wolde so lange in vinsternisse ligen. 
Du salt dat aneginne des cruces bekennen 



9 



9 



30 an der cribben. inde an den armen benden: 



9 



Sich den cuninc des himeles inde der erden 
in eine arme cribbe geleget wolde werden! 



9 



> 



Sich jemerliche he gebunden lach 
de [61 r \ unser sunden bende zebrach! 
35 He winet als ein kint inde bermeliche, 

den die engele horent also vroliche! 
Des himeles vrowede wart un vro in der erden 
dat du mohtes vro indeme himele werden. 



9 



14. nach dat radiertes i. 23. qua. 31. oder iu de. 



Die Lilie. 



31 



Nu hore mich ein lutzel vort 
inde vernom eines propheten wort. 



9 



9 



bit des zungen Got van himelriche, 
sprach zu dem menschen also vederliche! 

5 He sprach: 'ich sal dich zin zu dineme heile 

bit des sundigen Adames seilen 
ich sal uch zu mir gewinnen, 
bit [61 v ] den benden den starker minnen' 
Nu mirkew wir dit wort dugefliche, 

10 want ich wenen dat ime cume einich wort geliche 



9 



dat man lese ove sunge 

dat uns so anGodes minne bonde. 



j 



want dat cruce liget aller meist an diseme curten words, 
dat zu unser losungen gehorde. 
15 Al hie Sprich van den seilen Adames. 



Nu sin wir wilich sin die Adames seil 
bit den Got zuet uns an sin deil! 
wir sulen och der minnen bende besin, 
die uns zu Gode sulen zin. 



> 



20 Du sich Adam willendes vergaz 



y 



9 



inde den [62 r ] verboden appel az 
umbe die ungehorsamicheit, 
so wart he uzer deme Paradise geleit 
inde indiser werelde kerkere 



25 verwiseL uzer der erster eren 



'9 



9 



inde wart da bit dron seilen gebunden, 
die van nimanne in mohten werden intbunden 
bize Got an unse menscheit quam, 
inde die selve Adames seil an sich nam. 

30 Der erste bant dat was die groze smaheit 

die Adam indiser werelde leit, 
du he sich dorste keren 
vreveliche van der erster eren. 
[62 v ] De da vure Gode aleineme was underdan 

35 he sach dar na sich alle done versman 



9 



9 



9 



also dat he sich einer undugen nit in mohte erweren, 
de da vure gebot deme wallede vissche in deme mere 



5. Osea 11,4. 9. mirker. duger|liche. 13. vor curten era radiert. worden. 

15. Al hie links neben El. 61", Zeile 9; der Best uber der Seite. Vber Sprich radiert van d . . . . 

16. nach wir radierte w-Hdlfte. 24. nach kerkere Punkt 28. qua. 29. nach felve Rasur 
(1 Balken). 34. gotle. 



32 



Die Lilie. 



He muste beide wr inde wazer vorten: 
des he da wre nit in dorte, 
du he Gode was underdan, 
inde sin gebot nit inhadde noch du fivergain 
5 Dat ander seil was dat groze armude, 

dat he leit du he sin gemude 
kerede van der himelscher richeit 
inde vil in dit [63 r ] manichveldige leit 



9 



9 



9 



de eines bomes vruht nit in wolde inberen 
10 de anders hadde so wes he mohte begeren. 



9 



Inde vile rehte vil he in dit armude 

deme nit ingenugede de riche Got inde die' gude 

Dat dritde seil was die suare arbeit, 

die he indiseme kerkere leit; 
15 want he in deme wnninclicheme gemache 

nit in wolde eweliche lachen. 

Bit disen dron seilen wart der arme Adam gebunden 

du he wart an den ungehorsamicheide wnden 

dat [63 v ] is bit der grozer smaheide 
20 armude, inde arbeide. 

Noch dan zuienveldich is die arbeit 



9 



9 



9 



die Adame inde sine kint noch umbe veit: 

Dat is ze warm, ze calt, hunger, inde durstes not 

muthnisse, suchede, inde ze jungest der doit. 



f 



25 Dit sint die starke seil die Got Godes sun an sich nam 

du he uns ze erlosene quam, 

inde wolde vur uns gelden unse scholt, 

des he nit in solde, hedde he gewolt. 

Al hie Sprich van der arbeide Jhesus. 
30 Nu grifen wir an dat erste seil, dat is smaheit 

inde sin [64 r ] wie viele dat he dere leit: 



9 



9 



alse vile alse ni ingein mensche me 
de sont geboren is ove was e. 
Ime inbot niman ingeine ere, 



9 



35 so he doch der engele inde der lude here were; 

Wane vile verdoldiclige verdruch sine smaheit, 
dat du in dine ere wrdes wider geleit. 
Wi sere on der bant des armudes bunde, 



des givet uns dat ewangelium urcunde 



9 



6. nach gemude Punkt. 9. b in bomes uber der Zeile. 15. nach gemache Puhkt. 

22. Oder iu de. 20. qua. 29. wie 31, 15. 33. nach was Purist. 



Die Lilie. 



33 



dat uns van siner geburde seget: 
'dat kindelin wart in eine cribbe geleget, 
inde bit cran-[£4 r ]ken duchelin umbe wnden 
also wart it van den hirden wnden*. 



> 



5 He ne was nit richere, du he gews 



* 



want he ne hadde noch die spise noch dat has 
Wi arm he an sineme cruce were 
des has du da vore ein curte lere 
want he was nachet inde bloz 



9 



9 



10 da he gare bit sineme blude vloz! 

Dit armude bant on durch dine minne 



9 



dat du den ewigen richedum mohtes gewinnen 
Wi he gebwnden were bit der arbeit, 
des heves tu geliche ein underscheit, 



9 



15 [65 r ] alse du die sivenveldige geisele ane sis; 

die machen dich van siner arbeide wis. 

Wi dicke, wenes du, dat ime alze heize were 

deme unverdrozeme gengelere! 

ich meinen Jhesum, den suzen predichere 
20 de in manichen steden spreide sine lere 

da on in deme heizeme lande 

die hitze dicke sere durch brande. 

Ich wene, he uch lihte den vorst gewnne; 

want sine cleidere ware dunne. 



i 



9 



25 Hunger inde durst waren ime heimelich, 

want he ne wolde hi nit wesen weledich 
up dat unse hunger wrde gesadet, 
[65 v ] inde unse durst gel a vet. 
Wi dicke wart he mude van pretchene, 

30 van gane inde van wachene. 



9 



He wart so sich inde crane durch unse minne 
dat ime niman gelichede al van aneginne. 



9 



Dis haven wir maniche urcunde 



9 



an der propheten inde an sines selves worden vunden 



35 'Sit' sprichet der prophete 

i inde mirket vile rehte: 



9 



dat mirke inde sinne iwelich, 
of mineme men is iman gelich!' 



2 — 4. Luk. 2,7ff. 4. wnden = vunden. 5. gews = gewuohs. 13. gebn|den 

15. am oberen Eande des neuen Blattes mil blafsbrauner Tinte in einer Hand des 15. Jahrh. 
. . . frontliche g . . tz (haibvenoischt). 17. ime uber der Zeile. 21. nach lande Punkt 

28. uber der neuen Seite radiert varde . . (?). 35 ff. Klagel Jer. 1, 12. 37. fin 



Deutsche Text* des MltteUlten XV. 



3 



34 



Die Lilie. 



Nein it, suze Jhesu, nein it! 

durch mine minne lides du dit 



9 



dat ingein mensche [66 r ] me ingeleit; 
want du bekandes baz lif inde leit. 
5 Owi sur is dir mine sele worden 



9 



9 



want du da alle dine geschufes bit eineme worde! 
wi manich dine lias du gedan inde liden 
dat du mich brehtes in den ersten vriden! 
Du wrdes so sere crane inde so nider, 
10 dat ich stare queme zfi dir dar wider, 

danne ich arme was gevallen 
in diser bitterre werelde galle. 
Nu, mine sele, erschudde dich, 
inde var zu deme cruce vrolich! 
15 inlaz den suzen Jhesum nit alleine stan 



> 



9 



ruf: 'suze [66 v ] cuninc, ich willen zu dir gan; 
dine wnden laz beschowen mich 
wi dif si sin inde wi engestlicht 
Laz mich min herce bit dineme blude begizen 
20 dat ich sin van dineme hercen vlizen! 

Gif dich bit dineme cruce in mine armen 
laz mich an diner umbehelsungen erwarmen! 
mache mich bit dineme blude rot 



9 



9 



9 



bit dir maze ich gebruchen suze brot, 
25 biz an minen jungesten dach, an minen dot. 



J 



Wilt du, mine sele, an diseme gemude bliven 



9 



9 



de suze Jhesus en is so unsftze nit dat [67 r ] he dich verdrive 

Wane du nesalt dat cruce nit so curtliche flvergan 

du salt vile muzliche da vflre stan, 
30 inde flverlis al van aneginne 

die crancheit der starker minnen. 

Din herze umbeve den suzen Jhesum al eine; 

he in wilt bit eineme andere nit haven gemeine 

Diner sucheden aneginne si sin bitduungen, 
35 inde die jamerliche wort siner suzer zungen 

'Ich bin trurich', sprach he, 'bize an den dot'. 

nu sich wie he steit, in wilicher not! 

He bivet alse ein espen lof: 

hieliget diner min-[67 r ]nen ein dure cottf! 



9 



9 



9. 8 in wrdes Uber der Zeile. 11. hinter genaUen PunkL 25. e m biz blafs- 
braun auf Ramr. 29. Sure. 30. hinter aneginne Punkt. 34. uber dem ztoeiten u in 
duungen radicrtes i (?). 36. Matth. 26, 38 (Mark. 14, 34). 39. conf. 



Die Lilie. 



35 



9 



Her na sich den bludigen sueiz 
de sine hut al uver al cereiz, 
inde lif in die erde bit grozer vlut 
al in droffen alse dat rode blut! 



9 



5 Sich wi de bose jungere 

verredet sinen meister inde sinen heren! 

HE cussede on vur sinen suzen munt 

alse he were sin getrue vrunt. 

Dar na sich die judissche hende 
10 anegrifen den cuninc insineme ellende 



'9 



inde trecken alse einen schechere, 

den suzen vader, den guden lerere! 

Sich dat ime gegeven [68 r ] wirt manich stoiz 

bit nide, uijsenfte inde groz 



? 



15 Sich aller der werelde rihtere vor der juden gerihte stan 



9 



t 



sich den suzen predichere zu Pilatus gerihte gain 
Sich wa he jemerliche geit al eine! 
sine vrunt hadden on begeven al gemeine: 
die hadden gesprochen, sine wolden on nit begeven 
20 alse lange alse si mohten leven. 



9 



9 



It in was in gein mensche nit de on troste 
ove de on van sineme jamere erloste. 
Sich wa he vor Pilato steit, 
inde heldet zuht inde [68 r ] verdoldicheit ! 
25 Sich wa man ime sine cleidere uz zuhet, 

inde sinen suzen lif bit den geiselen so zebluet 
dat sin heilich blut an den pilere spranc, 



9 



da man it noch spuret aver also lane. 
Sich wa he wirt den heidinen ein spot, 
30 de suze cflninc, de gude Got! 

Sich sinen roden roc, inde sine durne crone 



9 



inde denke wat du ime muges geven ze lone! 
Sich baz dan ich gesprechen cunne, 
wi dat blut uver sin antlitze runnel 



35 wi he geplucket wart bit sinen barde 



9 



an sinen [69 r ] backen, inde an sinen hals geslagen so harde! 

Sich wa he zu deme cruce geit 

inde dreget dat cruce bit grozer arbeit! 



4. d in rode aus t gebessert. 5. 9. hinter iungere und hende Punkt. 13. l in stoiz 

durch Easur aus 1 gebessert 15. den. 16. vor zu Punkt. 17. nach iemerliche 

radiertes he. 



3 



* 



36 



Die Lilie. 



Lof zu, hilp ime sin mice dragen, 

so mach he dine sunden des zebaz verdragen! 

Sich wa man inen ever nachet machet! 

sliffes du bize here, nu intwache! 
5 Hi geit ane die overste not, 

die martilie die brenget den doit: 

Sich wa die unrailde heidenen 

durch gravent bit den starken nagelen 

beide hende inde vuze des grozen heiligen 
10 deme himel [09 9 ] inde erde m&zen nigen' 

Owi wie jemerliche is nu din gebere 

groze cdninc, suze vader, inde herre! 

We hat dich braht in dise jamercheit, 



9 



9 



suze minne, wan dine barmherzicheit 



9 



15 inde dine minne, die dich zu mir hat gedragen? 

we mohte diser minnen maze gesagen? 
Wat mach ich dir wider diser minnen geven, 
suze minne, min herce inde min leven? 



Din is allet dat ich geleisten mach 



j 



? 



9 



20 wat mach ich dan dar uver geven, ei miner selen dach? 

Nu, mine sele, bescho-[70 r ]we dinen heilant 

sich wie gedane arcedie he hat an dich gewant 

die he selve wolde wutzen also sere 

alse ein getrue arcetere! 
25 Sich ove he nit des have gelazen, 

dat dine suchede mohte sazen! 



9 



he nam allet dat an sich 

damide he mohte geheilen dich. 
He zonede sine suchede an siner bivungen, 
30 he sueizede blut umbe dine bekerunge; 

Yme wart bit den geiselen geschraffet, 
uver alien sinen lif bit grozeme ungemache. 
He liz zu alien den aderen dat [70 v ] heilige blut 
dat dir diner sucheden also wrde gebut. 



35 He machede vinsternisse uver al ertriche, 

alse die gelazenen plegent iemzliche. 
Sich dat he ze jungest vur dich dranc 

den bittere mirren, gallen, inde eziges dranc! 



7. 8. htnter heidenen und nagelen Punkt. 11. e in wie uber i. 22. nach hat 
Punkt 23. unt | zen. 25. en in gelazen blafsbraun auf Rasur. 27. h in he Uber e; vor e 
fahehe Miniatur radiert. 35. vuer. 36. iemzliche = ie emzliche. 37. hinter dranc . Punkt. 



DieLilie. 



87 



Nu mirke die ungevuge vlimen siege, 

dar in Thomas sinen vonger inde sine hant mohte legen! 



Nu sich of he it des uvergangen have, 



da mide he dine groze suchede mohte gelaven! 
5 Wat mohte he nu me sprechen, dfln, ove liden, 



de durch dich in [71 r ] geine pine in wolde vermiden! 
Hi ingehorde nit me zn dan der doit: 
de qnam, inde quam bit grozer not 
Eine cleine pine in mohte nit verdriven 
10 die snze sele van deme reineme live. 

Ires heren doit in mohte in geine creature gedragen 
wan si mnsten on, alse si solden, ze rehte clagen: 
Dat schein an deme manen inde an der sunnen, 
die van der vinsternisse wrden verwnnen: 



15 Dat wart och offenbare an der ertbivnngen 



9 



inde an den steinen, die ahe stucken sprungen 
Wilich [71 v ] herce hi ganz blivet, it is hardere dan die stein 
die sprungen, alse si wolden den doden weinen. 
weine inde frowe dich in den trenen: 
20 want dir is baz geschit dan du mohtes wenen! 

Dis dot, inde dise jamercheit 

hat dich wider in dat leven, inde in die vrowede geleit. 

Dit sint die seil, die bnnden den alden Adame, 
die de snze Jhesns drnch an sineme heiligen lichame, 
25 dat he dich hi mide zoge zn siner minnen: 

in minnes dn noch nit, so bis du verre van dinen sinen 



9 



y 



'9 



9 



bit dat du mozes ge-[Z2 r ]winnen 

dat geware liht an den ogen inbinnen 

dat du mftzes voile sin 



9 



30 den suzen Jhesum, inde vor sineme cruce ligen 



9 



bit dinen warmen trenen, inde up dinen baren knin. 
Al hie Sprich van den banden der minnen. 

Der minnen bende sulen wir curteliche sprechen 
dat dich miner worde nit invermeche. 



9 



35 Die erste bende die den suzen Jhesum bunden 

ban wir bit ime in der cribben vunden: 



9 



9. naeh verdriuen Punki. 16. vor ze die untersten Buchsiabenenden von al sichibar; 
der cbere TeU radieri. 18. dotlen. 20. weinen. 27. 29. hinter gewinnen und fin Punkt. 
90. rwisehen i und g in ligen radieries n (also ligen am lin gebesaert). 31. nach warmen 
(ZcOenschlufs) Ansatz zu einem Buchstaben (t F). 32. A 1 hie links neben Zeile 6 von Bl. 72' 
(Der minnen . . .); der Best der ffberschrift uber der Seite. Hierdber radieri in sehwarzer 
Schrifi der minnen. 34. inuermethe; doch ist das t durch Verdkkung des oberen Endes der 

CrForm der H$. genahert. venn&hen = aufhalten. 35. Dit. 



38 



Die Lilie. 



Din losere lezet sich bonden 



9 



dat du vriheit mflges winden! 

Der ander bant wart ime ane gelaht, 

dn he gebunden wart vnr [72 v ] dat gerihte braht. 
5 An deme cruce vindes du den dritden bant, 

an beiden vuzen, inde an iwederre hant. 

Der erste bant was gemechelich, inde vol otmfidicheide 

der ander was vile suerlich, inde vol jamerheide. 

De vrie cfininc van himelriche 
10 dreget die bande eime dive geliche; 



9 



9 



De al eine bonden inde intbonden mach 

lidet anbenden unreht inde ungemach. 

Die dritde bende waren dotlich 

si daden die sele van deme lichame scheiden sich 



» 



15 Bit den ersten bant on sin m&der lisliche 



9 



bit den anderen [73 r ] benden bnnden on die juden nitliche 
bit den lesten benden bunden on die heidenen dotliche. 
Die erste bende waren linen, alse ich haven vemomen; 
die andere waren van eineme seile genome w; 



> 



9 



20 Die lesten waren hart iseren 

die on zn deme dode brahten, den snzen heren. 

Dit sint des suzen Jhesus bende, 

die on bunden durch dich in diseme ellende. 

Bit disen benden sal he dich ze rehte sin: 
25 we ime de der minnen benden wilt intflin! 

Ich han angest dat he inbose bende snle vallen 

unde sinen vienden werden ze schalle. 

[73 v ] Ylu in der minnen bende, wilt du vlin; 

wirdes du dan gevangen, so ne mohte dir nimer baz geschin. 
30 Ane dise bende in macht du nimer werden vri; 

wenes du it anders, dir is dat bose gevenkenisse bi! 

Al hie ane Sprich van deme vonften blade der lilien. 



9 




9 



at vonfte blat der blumen is die vonfte sache 

die uns manet dat wir zfl des gfiden Jhesus minnen wachen 



35 Ich han sonnes vile ze cleine 



9 



ze sprechene van diser sachen aleine: 

want ich in mahc nit begrifen bit minem mfide 

die unzelliche, inde die vederliche g&de, 



2. winden = vinden. 9. hinter himelriche Punkt. 13. t m dritde ub. d. Zeile. 16. nach 
anderen Punkt. 19. re in andere am n gebessert. genome m. 21. h in brahten ub. d. ZeiU. 
24. sin vieUeicht — sin. 32. Al hfe ane rechts neben genenkeniffe bi 31; der Best der Vber- 
schrift am oberen Bande d. Seite. Ober Sprich v5 radiertes van deme (?). 37. hinter mfide Punkt 



Die Lilie. 



39 



die de sfize va-[74 r ]der zfl uns wolde wenden, 

so wie lange wir sin in diseme ellende. 

Ime ingenngede nit dat he sinen engelen hadde geboden 

dat si uns wrderden zfl sinen geboden. 



y 



5 inde behuten nns wr aller not 



9 



alle unse levedage biz an nnsen doit, 
die uns hfldent al stilliche vor manichen sachen, 
die uns wan unseme scheppere mohten verre machen 
inde benement uns dicke den bosen willen, 
10 de uns mohte dun wider Godes willen. 

Uver dit allet gaf he uns sine sture, 
edel inde hulpelich [74 r ] over alle creature: 



y 



9 



9 



dat is sinen heligen lichamen inde sin blut, 

so suze, so reine, so stare, inde so gut. 
15 Dit is die spise vandere is gesprochen 

dat wort des min herce is intlochen 

Dat is dat der mensche hat gezen der engele brot 

dat brot, dat verdrivet den ewigen dot. 

Dit is dat brot dat sprach van ime selveme: 
20 'ich bon dat levende brot, dat quam van deme himele 

so we izzet dit brot wertliche 

he sal leven eweliche, 
want dit brot, dat ich geven, 
is min [75 r ] lichame, umbe der werelde leven'. 
25 So we nit innutzet diser spisen, 

Got sal on an deme urdeile verwisen 



j 



9 



zfi deme helleschen vure 

da he in war dit in geiner sture 

want so we sich van sineme heile willen des keret 
30 sin unheil sal her na wider sinen willen werdin gemeret 

Wan dise spise wilt wirtliche genutzet werden: 

owi, we is ire wert up diser erden? 

Dat willen ich dich bit curten worden wisen: 

so we wrminnet, he geit sicherliche zfl diser spisen 
35 Has du die [75 v ] minne, so sis unreveret, 



9 



want sin antlitze is van dinen sunden gekeret 

de al da wilt zfl dineme grozen vrumen, 

ware got inde ware mensche, in dine sele c&men 



a wan = van. 9. ke in dicke sum TeU auf Basur. 10. mohte «= mahte? 




11. Vner. 13. sinen h| heligen. 15. hinier gefprochen Punkt. 20. o in bon aus r gebesseri. 
20 ff. wohl nach 1. Kor. 11, 24 ff. 26. hinier yerwifen Punkt. 29. willen | des. 30. das zwtite 
e in gemeret uber der Zeile. wr = vur *zuvor\ 38. e in beiden ware uber der Zeile. 



40 



Dielilie. 



> 



Wat hogecides wenes du dat da si, 
da de himelsche brudeg&me siner brat cflmet bi 
da he sich selven vindet in der selen has, 
die ware minne, de suze Jhesus, 
5 Dit is die meiste werdicheit, 

die dir in diseme levene mohte werden bereit, 
dat ein also groz gast in dine sele wolde cftmen 
des dn heddes so groze [76 r ] ere, inde vrnmen. 



Sich wes du me mohtes ze rehte begeren 
10 des dich de gfide Jhesas mohte geweren! 



9 



Minne den suzen. want he is so minnesam: 



9 



9 



love on van hercen. want he is so lovesam! 



9 



We is baz minnen inde loves wert 



y 



wan de dich so manicher gaven hat gewert, 
15 der du nit indorstes haven begert! 

He gaf dich dir, d& he dich gemachede; 

ever gaf he dich dir, dft he dich widermachede 



9 



dat is dfi he dich van dinen sunden intbant 

inde bit sineme cruce ledegede van [76 9 ] des viendes hant 



9 



9 



20 Inde want du noch nit in mohtes sicher sin vor deme widervalle 

he gaf dir sture up den wech sich selven albedalle. 

wat mohte he dir so grozes geven 

alse sich selven, dat ewige leven! 

Umbe dich selven bis du dich 
25 dineme gevere zuirent schuldich. 

So must du sin scholtgemare bliven 



9 



want du in maht dich nit zuirent vergelden bit eineme live. 

Wat wilt du ime dan geven umbe on, 

des werdicheit flvergeit unmezliche alien son? 



30 [77 r ] Gilt ime also verre alse du maht 



9 



minne on van alleme dineme hercen, inde van aller diner maht 



9 



De g&de Jhesus nimet evene van deme armen scholtgemaren 
inde lezet dich ledich zu deme himelriche varen. 



9 



1. a in dat aus n(?) gebessert. 6. difeme lejleuene. 8. heddes. 19. am oberen 
Rande der neuen Seite radierUs van. 21. vor fture getilgtes fture. 24. hinter dich PunkL 
29. $|nergeit. son = sin, 'Sinn', zwischen z und 1 in unmez liche radierUs e. 33 — 41, 2 hat 



die H$. ZeUe 5ff.: 



inde 
lezet dich ledich su deme himel 



at fefte Al hi ane T riche varen 





inde dat lefte blat der bli 



men 



fiber der Seite; darUber radierte Vorschrifl 



Der Best der ttbtrtchrift 



Die Like. 



41 



Al hie ane Sprich van deme sesteme blade der lilien 

at seste inde dat leste blat der blfimen, 
Dit is uns nfize sprechene z& cSmen. 
Dit blat is der sester sachen ein zeichen 




9 



5 die uns aleine zfi der voller minnen mach erweichen. 

Die uurcele diser sfizer minnen 

sfilen wir [77 v ] an deme vrolicheme worde vinden, 

dat de g&de Jhesus sprach, 

dn ime bi was siner martilien dacb: 
10 'Ich varan', sprach he, 'dat ich uch die stat bereide, 

inde ich sal ever cfimen zfi uch, na urer beiden, 

inde sal uch zu mir nemen, dat ich uch geleide 

dare da ir ingeinen angest in hat van deme gescheide; 

da in sal ur vro herce nimer truren van in geineme leide' 
15 Heve dich up, suar herce, inde vernom dine selicheit 

die dir din here inde din vrunt hat bereith! 



9 



9 



Van diser vrowe-[78 r ]den in can ich nit gesprechen 
wan dat niman in can gerechen. 



> 



9 



9 



Wan dat mfigen wir van den buchen lernen 
20 dat wir aller jamercheide da sulen inberen. 

Hunger inde durst, warm inde calt 

wirt da ewiliche nider gevalt. 

Sieh insal da niman wer den anderen erheven 

du minne sal uns alle da machen even, 
25 Wir sulen da alle cfininge sin inde riche 



» 



9 



9 



geweldich in deme himelriche 

Wir sfilen des gfiden Jhesus erve genozen sin 

wir sfilen [78 <] da drinken den ungemengeden win; 

Dat quit, wir sfilen der vroweden da gebruchen, 



9 



30 da in geine un vrowede in mach zu geruchen. 

Da sulen die Godes livesten also drunken werden 
dat si vergezen so wat si liden up der erden. 
De gfide Jhesus sal alle trene wisschen van iren ogen, 
he sal si bit siner verborgener suzicheide sogen 

35 Wat lihtes sal he iren ogen, wenes du, da erscheinen, 

die in disen dusternissen durch on wolden weinen; 
Wat sfizes sanges sulen [79 r ] die selige selen da horen 
die in diseme live hadden cusche inde verdoldige oren! 



4. nach fefter 2 Buchstaben radiert. 5. 8 in uns iiber der Zeile. 6. hinter minnen 
Pvnkt. 10 ff. Joh. U,2—3. 18. dat H nfmer niman; fl nimer geitlgt tmd radiert. 

22. nach da raditries t oder t, 23. wer = uyer. 38. e in drinken aus i gebmert. 



42 



Die Lilie. 



Dat quit, die hie inwolden nit boren einiche uncuscheit 

inde zu den vientlichen zungen drugen verdoldicheit, 
Der engele lof sfllen si da dar wider horen, 

van den nun volcflmenen choren, 
5 Inde si sfllen och selve mide songen, 

dat aller der himel sal van vroweden clongen. 

Dat ich noch gesprochen ban, dat is nit: 

wir sfllen da sin den g&den Jhesum, dat suze liht. 

wat schines wenes du dat he [79 v ] selve ane drage, 
10 so he van den gerehten selve sage: 



i 



9 



9 



Dan sfllen die gerehte lude blichen 
alse die sunne in ires vader riche 
doch ein iwelich na sineme werde, 
alse he verdinet hat hi in der erden'. ' 

15 Ein iwelich sal da na sineme cruce schinen, 

dat is, na sinen dflgeden, inde na sinen pinen 
Dar na dat din cruce was hie breit inde lane, 

dar na sal an deme schine gemazet werden din danc 

Na disen worden sal di sflze keiserinne 
20 die crone dragen der aller meister minnen. 

[80 r ] Weistu wen ich meinen? 

die suze MARIAM, die mflder also reinel 

Ires sunes cruce in stunt niman also bi, 

in der bitterer martilien alse si. 
25 Dar umbe claget he in eineme propheten also jemerliche 

i ich han des cruces keltere getreden also sunderliche, 

dat in gein man bit mir in besteit, 



> 



de geliche bit mir liden wolde mine druvicheit 

Dine clage is reht, vile sflze erlosere 
30 si sint alle van dir gekeret, 

It is ein arm vrowelin die dir gesteit, 

die dir al eine nit ave ingeit, 

[80 v ] indere hercen alse ganz din cruce steit 

dar umbe maches du si nu sunderliche vro inde gemeit 
35 sunderliche si umbeveit 

dine zesue. na der druvicheit. 



9 






Dise keiserinne in cflmet nit al eine zfl hove 



9 



wane si brenget wiz gesinde bit grozeme love: 



11—14- Matth. 13, 43. 14. erder. 15. nach Ein radiertes i. 17. stcischen b m^ 
r in breit radiertes e. 19. i in di durcJi Basur aus e gebesseri. nach keiferinne Pi«& 

26 If : Jea. 63, 3. 28. naeli wolde Punkt. 30. die li ; unter die Punkt. 35. nach umbeueit Pm& 



Die Lilie. 



43 



Wilt du mirken wie. wir sfilen volgen irer vroweden 
da salt eilif dusent sunnen alze male schowen, 
Inde dar na alle die sfize megede, 
die de keiserinne bewegen sal ove ibewede, 



9 



5 bit deme nuen gelovede irer cuscheide 



9 



inde bit [81 r ] iren siden sunderlicher reinicheide. 
Dise sfilen alle dragen sunderliche cronen, 
da mide ir brudegume sal sinen bruden lonen. 
die crone heizet in latine: Aureola 



10 sunder die megede indreget si niman da 



9 



inde sunder die blfidige martelere, 

inde die gelovige lerere. 

Deme Godes lambe volget die keiserinne 



so wa it hine geit, bit deme wizeme gesinde. 
15 da in mach niman gevolgen wan die megede aleine 

die an selen inde an live sint behalden reine. 



y 



Dis chor [81 T ] singet irem brudegfimen einen nuen sane 



9 



so sfize, so ho inde lane, 
stedicliche, gelustliche, sunder wane, 
20 den sunder die megede nit ingein heilige ingesanc 



9 



Disen chor rihtet die sfize keiserinne 
si leidet den danz, si is vorsengerinne 
ire stimme is so sfize. so sfize 



, wv >-mi>v , 



gif, sfize mfider, dat ich dich schire horen mfizeJ 



25 So singet na de chor sfize inde reine 



9 



inde volgent der sengerinnen algemeine. 
Si singent in sin herze deme liven brudegfimen, 
[82 r ] da si den selven sane in me hant genfimen 
Selich sint alle die die disen sane sfilen horen 



9 



30 seliger sint si die mide singent in deme chore 

dar aleine die reine megede zfi gehoren. 



9 



Idoch sal aller menschelich singen sinen sane, 
inde sal Gode gelden sinen lof inde grozen danc. 
Wat vroweden sal da in den invurigen hercen glommen 



9 



35 alse si horent die harpen also manicher scheller stommenl 



MAn sal da singen dat lange, dat sfize Alleluia 
zfi alien strazen verre [82 v ] inde na. 
Wat wnders it sal wesen Passche dach 
alse man zuei Alleluia singen mach! 



9 



2. eilif auf Eos. 12. inde die] indie ; de fiber n. 17. vor choR tin Buchst. rod. 
28. in me] I inne ? 33. z in grozen iib. d. Z., darunter Has. 38. 39. P und Alleluia rot 
9^richdt. 39. Endungs - n in fingen iib. d. Z. f darunter Has, 



44 



DieLilie. 



dat is, alse beide lichame inde sele sal gevrowet werden 

dat durch Got ruich was in diser erden. 

Da sal man gebmchen offenbare 

den suzen Jhesus, den wir hi np deme altare 
5 in des brodes in des wines formen intfen, 

also lange alse wir indiseme vleische gein. 

Da sulen wir unsen cfininc beschowen insiner cirheide, 

des wir in diser dusternisse so lange beiden. 

[83 r ] Hie liget aller der vroweden ein ende 
10 der wir warden in disen benden. 



9 



9 



want unse son in mach nit here cfimen 
wan zfi deme vadere. inde zfi deme sune 



> 



9 



inde zfi deme heiligeme geiste, 
da liget nnse vrowede aller meist. 
15 si liget och da algare; 



9 



de sfize (Jot he helpe uns dare 

da he selve unse ogen mfize erluhten 

inde sich selven setzen in unses hercen luhte 

dat wir imer mfizen schinen 



9 



9 



9 



20 van ime, vor ime. under den sinen. 



9 TV * *«**/, 



Hilp uns, here, dat wir [83 9 ] dare zfi der stat gehoren 
da wir dich, sfize cfininc, sulen sin inde horen, 



9 



, ~v.~^ xsv.*****^, 



9 



da uns die groze selicheit sal geschin 

dat wir dich heimelichere wan die engele sin; 
25 want du bis narre sibbe unser naturen, 

dan der engelschen creaturen. 

want du bis unse here inde unse bruder 

van des halven diner seliger mfider 

Wir sfilen unse mencheit werliche an dir bekennen 
30 want wir dich werliche Got inde mensche nennen. 



9 



Dit is die sfize heimilicheit 



9 



die wir [84 r ] sfilen haven zfi diner menscheit 
die in geine andere creature han in mach. 
owi sal imer cfimen de selige dach, 

85 dat ich dich, sfize bfile, sfile gesien, 

inde eweliche an diner umbehelsungen lin, 
inde diner sfizer cussingen gesadet werden, 
minnesame lamb, leidere der wizer herden! 
Din ruch sal alle balseme werwinnen; 

40 aha wat gerungen sal he machen da in binnen 



9 



3.4. hinter offenbare und altare Punkt. 11. son = siu 'Sinn'; here = herre *hdher f . 

24. heimel|richere. 27. vor want getUgtes und rot durchstrichcnes w. 39. alle durch Bos* am alfe. 



Die Lilie. 



45 



in den reinen hercen. in den wisen sinnen 



9 



der seliger brude, diner cunin-[84 p ]ginnen 

alse si cument in der wrce camere, 

in din herce, suze brfidegume inde here! 



9 



5 Die minne sal da nemen overhant 



> 



9 



9 



die vorte sal da werden umbe gewant; 
man sal da vroliche gan zu diner hant 
in din milde herce, s&ze heilant. 
Dine stimme sal man da horen also vroliche 
10 dat ire noch engel noch mensche in geliche; 

wat man gehoren mach, is eine crancheit 
wider diner stimmen, sfize wisheit. 
Wan dine stimme sal sprechen in alien die da sin 



9 



in alien die [85 r ] da schinent, sal man sin dinen schin 
15 Da sal ervullet werden dat an deme vonften blade gebrach; 

want diner gude sal da gelichen din smach. 
Du bis de selve hie bedecket up deme altare, 
dat du bis in deme himele offenbare. 



wan wir in mfigen nit gesmachen der grozer suzicheide 
20 die uns da sal smachen na diner mildicheide. 



9 



Suze Jhesus, geruche uns hie bewaren 



9 



dat wir zfi dir dare mfizen varen, 
da wir dich den levigen burnen 
sin bit deme [85*] ewige lihte burnen. 
25 Want du bis de burne da dat liht inne springet, 

alse uns de suze selme singet. 

In diseme lihteme burnen sulen wir alle hercen beschowen 



9 



beide herren inde vrowen 
der wir nu an zuivele sin; 



9 



30 weiz Got si werdent uns da alle schin 

we aller meist an unser minnen duge 



9 



9 



owe we unsen dumben wain hie bedruge: 
Want so wat ich minnen, dat is min, 
so wir an der lude hercen sin, 
35 al hie ane Sprich van den bagen. 

W r ir haven fiver unse maht [86 r ] gesprochen 



9 



inde unsen munt zfi deme himele intlochen 



9 



1. hinter finnen Punkt. 2. nach brude em Buchst. rod. 12. wif|heit; vor h tin 
c rod. i durch Has. aus t. 14. uber dem Rande von Bl. 85 r rod, £efteme(^) blade, nach f 
w fchinent ist B rod. fi in. 24. nach Tin Punkt. 25. Ps. 36, 10. nach inne Punkt. 
32. owe = ove. vor wain getilgtes w. bedrugen. 34. wir blafsbraun und undeutiich auf Has. 
(wat rod.?), hinter der tin e rad. 35. al bl ane rcchtsneben Tin 34; das ubrige ub. d. Seitc. 



s 



46 



Die Lilie. 



j 



wir muzen ever her nider stigen, 

inde zft der erden, bit der lilien blfimen nigen 

Dat die ho blume niget zfi der erden, 

da mide sal uns beceichenet werden, 
5 dat du in dineme hercen imer des ze otmfldiger sis 

so du der dftgede hocheit me an dir west. 

So we dugede ane otmudicheit ze samene leget, 

he deit alse de depulver wieder den wint dreget. 

Des guden morteres gelichenisse hat die otmudicheit, 
10 want [86 v ] si dat gecimbere der dugede ze samene hangen deit 



9 



9 




So dat gecimbere mere were 

cevile ane den mortere. 
Die otmudicheit die dugeden binden sal 
of si sint gewisse der selen val; 



? 



15 want die engestliche stolzheit liget imer in den lagen 

dat si den guden man de sich siner guden bagit. 

Des bages stric is engestlich, 

he is so verborgen, so heimelich. 

He cfimet selden in imannes mut, 
20. he in vonde. dainne sunderlich gut, 

So zugit he sinen stric, de is virstrickit 

de [87 r ] ime intfluet, de is rehte selich. 



9 



Der erste stranc is. dat der mensche wene 



9 



9 



dat ime Got sines gudes nit in lene. 
25 Bit deme stricke sint alle die gevangen 

die Gode nit in willent danken 



9 



9 



des gudes dat he on hat gegeven 
alse si van on selven leven; 
Noch dan van deme wereltlicheme gude 
30 dunt si dat in is zemude, 

inde sprechen/: 'dit is min eigen inde min erve 
ich salt gebruchen biz ich sterven; 
ich sal der mide dun inde lazen 
na minen willen setzen inde sazen 



9 



9 



9 



35 [87 P ] ich in erkennen hie ane nimanne in geine herschacf, 

dat mir min vader van rehteme erve gaf . 
Dar zu antwrden ich dir bit warheide. 



dat din eine strenge rechenunge beide 



9 



9. vor hat Ptmkt. 12. euile Hs, cevile Roeihe. 16. man = mane. 17. ftrit H$, 
stric RoeUie. 22. hinter de rad. i. 26. 29. tenter danken und gude Punkt. 31. fprechSn. 
n au$ t gebesserl. 34. ifi. 







Die Lilie. 



47 



9 



da du must rehte rechenunge geven 
alles des dat du genomen heves; 
ein cleine ort in wirt dir nit gelazen 



* 



du in mflzes it wider geven bit rehter mazen. 



5 So salt du bekennen wes dat gut were 

des du up ertriche hizes here. 



9 



Dat selve sprechen ich van deme glide der [88 r ] selen inde lives 



9 



want it muz allet under einer rechenungen bliven. 

Der ander stric is, dat der mensche pruvet sine waledat 
10 inde dar up leget so wat he glides hat. 

Dise willent Gode benemen sine genade, 
de vergeves givet alle sine gave. 



9 



Der dritde stranc geit up geistliche lude aller meist 
die wenent dat si aleine haven den heiligen geist, 
15 inde versment andere lude die sundich sint: 



j 



dar zu drivet si der stolzheide wint. 
Der vierde [88 p ] stranc is, alse si wenent dat haven 
des aneginne ni an on in wart erhaven. 
Dere ogen sint des stubbes des stolzen bages so vol, 
20 dat si an ireme wane worden sint also dol. 



9 



Wan dise ho stricke bedruget die otmudicheit 

die alle wege sicherliche bi der erden geit. 

Al hie Sprich van den gelen blflmen der lilien. 

ie blflme, die uns die minne bit zeichenet, si is wiz 




25 -Lf dat solen wir billich wesen. haven wir is vliz. 



9 



Want wat mach vor Godes ogen so schone sin, 

inde so reine alse der minnen schin! 

[89 r ] DAr umbe mirket der wisseide wort bit sinnen 



i 



ich bin', sprichet si, 'milder der schoner minnen.' 
30 It sint andere minnen, die in sint nit schone 



9 



die sint verre van diseme love, inde van deme lone. 
Etceliche lude minnent den schaz, inde die ere, 



etceliche des vleisches gelust: it sint allet irrere; 



WAnt ire minne cumet van grozer dumbenheide, 
35 die schone minne cumet van der wissheide. 

Got is die schone minne inde die reine: 
minne dise minne sunderliche, inde aleine. 



4. nach in zwei Balken rod. 15. nach inde ein Buchst. rod. 21. nach ho zwei 
rot dwrchsirichene BaUcen rod, 23. Al hi rechts am Ende neb en mine 24; das 

Ubrige ub. Bl. 88*. 25. d in dat aus a. 31. e in die uber i. 32. nach den zwei hohe 
Balken rod. 



48 



Die Lilie. 



Dise minne sal dich geweren 
alles [89 v ] des din herce mach begeren. 
Sich an diser werelde blftme 
manich herschaf. bit deme richedfime 



9 



5 Sich dat mere inde die wazer alse samen: 

da in is nit ane be halve den namen. 

It dunket si getzuat sin die arme blinden: 

sal si wale erwerin alse si die warheit sfilen bevinden 

Ganc, hore inde mirke des himeles lutercheit 
10 he is schone, dat is du warheit! 

Wane al da in sal dine minne nit bliven: 




ganc noch vure baz zu deme ewigeme live 
Dunkent dich dise geschefnisse schone inde gut 
kere [90 r ] bit vlize an iren scheppere dinen mut 



15 want da sal du vinden die oversttf hereit 



9 



die suziste walegelust, die uncegencliche richeit: 
an den salt du dine minne wenden 



9 



an deme salt du dine minne enden: 
Durch der schoner minnen ende 



9 



20 salt du minnen sunder ende 

want ich in mach dine gerunge nit horre brengen: 

dar du dine minne salt lengen. 

It is gut dat du an deme ende sunder ende Wives, 

an deme cfininge des ewigen lives. 
25 Al hie Sprich van der luden minnen. 



w 



ir haven geschriven ein lutchel van der Godes minnen, 
dat du [90 c ] zu unser minne geven woldis unsen cranken 

sinnen ; 



wir han gesprochen alse wir mohten, nit alse wir solden 
alse wir cundem nit alse wir wolden. 



9 



30 Nu muzen wir volgen der matterien 



9 



9 



die wir bestanden haven van der lilien 

inde van den gelen blflmen sprechen 

die du seis in den wizsen blflmen stechen. 



9 



Die gelen blflmen mugen uns die minne bezeichen 
35 die wir unseme even cristenen s&len reichen. 



9 



Die Godes minne in mach sunder dise nit bestain, 

de Got minnet, he niflz och die minne zu [91 r ] sineme nesten han 



3. r in difer ub. d. Zeile, darunter n rod. 4. nach manich rod. her* (?). 8. erwerin 
ervseren. 15. ouer|fter. 19. hinter ende Punkt. 25. Al hie links am Bande neben 
Z. 12 von Bl 90 *>; der Rest ub. d. Seite. 27. uber der neuen Seite rod. van der minnen (F). 
31. e in die aus r. 37. vor he ein Balken rad. 



Die Lilie. 



49 



Unse nesten sint alle die lude, 

ich in verwerpen noch heiden noch juden: 

Want wir sulen in alien des gunnen, 

dat si erl&tet werden van der ewiger sunnen. 



5 Doch sftlen wir groz bescheidinisse haven 



9 



zu weme wir aller meist minnen sulen dragen; 
Des mflze uns de gflde meister bescheiden, 
die uns zu disen worden wolde leiden: 
'Den man ane maze minnen sal. dat is Got 



9 



10 want dat wir on minnen, dat gebfidet dat erste gebot 

Dar na salt du dich selven minnen.' 
owi wie lutzel der is [91 P J die sich des ' versinnen ! 
Want sich selven in minnet niman, 
wan de siner selen ze vorderst glides gan, 

15 inde dar na sinen lichamen also minnet, 

dat it die sele nit in verwinnet. 

Nu mirke of du imanne mflges vinden 
de wider sine sele arbeide unde arbeide sinen kinden 
wie he on gewonne groz wereltliche erve 

20 so he sine sele van deme himele inteue: 



9 



9 



9 



Dit sint die gine die wcherent sine wizen weme; 
alse si stervent, si in wizen we dat gut neme. 
Der prophete sprichet: 'si sulent vremeden luden [9J2 r ] lazen 
dit wort hat jamers vile uzer der mazen; 
25 want wir muzen dat vernemen 



wie unse kindere, die unse erve muzen nemen, 



wie si uns imer vremede mugen werden 
die uns so lif so lange sint gewesen. 



9 



Hon ave willen ich dich curtliche bescheiden, 
30 want ich willen dich an dich selven leiden, 



9 



inde lazent zu dines selves urdeile 

of ich unwar sage an einicheme deile. 

Sich wat du dinen altvorderen geves van dineme erve 

des selven salt du wardende sin van dineme erven 



> 



35 inde lihte michel min 



9 



dar [92*] na dat he keren sal sinen son; 
Alse du dinen vliz keres an dine kint, 
also sfilen dine kindere an ire kint: 



8. nach worden Punkt. 9/f. Matth. 22,37—39. 11. i in minnen aus e. 15. oder 
in de. 20. /. interve ? oder inteue = entheye ? entewe ? 22. swischen fi und in rod. e (?). 

23. Daniel 11, 4 (?). 28* s in uns iib. d. Z. 32. of. 3G. son = sin. 



DeuUche Texte dei Mittelalten XV. 



4 



50 



Die Lilie. 



inde alse vremede alse du diner vorderen selen bis 
also sulen dir dine erven, des sis gewis, 



9 



Inde dat wizen alle die ire kint bit suntlicheme gude ervent 



9 



9 



dat si beide ire sele in der erven sele sterven 
5 Want so we sich weiz an boseme gude wesen, 

he muz it widere geven, wilt he genesen 
Dit sal weren an den dusichsisten erven, 
de ecker wizen mach dat he besitzet unreht erve 
Her umbe [93 r ] die sich minre minnent dan ire kint 
10 si sint vile kindisch, inde vile blint: 



9 



Wane willen wir die lutere warheit sprechen 



9 



si in minnent die nit die si zu der hellen brengen; 
Want so we deme anderen nimet siner selen ere 
he is sin doitvient. he hazet on sere. 



9 



15 Want die sele is bezere dan einiche wereltliche have 



9 



die vile curtliche muz ein ende haven* 

Want antwecter die have begivet dich, so du noch dan beheldes dat 



leven 



9 



of du muzes die have an dineme Snellen dode begeven. 



[93 v ] Dan wirt it dir machende jamer inde ruen 



9 



20 dat jamerliche bir, dat du levende has gebruen 



9 



du in maht it nimer verdflwen 



9 



dumbe mensche, drone win, de dei dich vrowen! 
Zu dineme bire is bose gruz gemenget, 
die dine sele zfi grozen noden brenget; 
25 Din bir, dat du brues, is wereltlich gewerf, 

want it des hevils der minnen nit in hat, darumbe blivet it derf. 

Dat quit, it in gehoret zu deme himelschen dissche nit; 

man drinket da ecker dranc de vrowede git. 

Die sich hie lazent [94 r ] in deme keltere des wider mfides drucken 



9 



30 die hie verduldich sint in wereltlicheme ungelucke 



9 



die sulen da der vruhte gevrowet werden, 
die si bit iren henden wonnent hie an diser erden. 
Dar umbe raden ich, e du beginnes sterven, 
arbeide gernere vor dich selven, wan vor dine erven 



35 Des du dir selveme deis. des has du sicheheit 



* 



9 



an dinen erven blivet groze ungewisheit 
want ir leven dicke missegeit. 



4. nach in d rod. 17. antweher. 22. e in dei aits r. 28. c in ecker aus r. 



c 



29. s in inudes ub. d. Z. 



Die Lilie. 



51 



Is nu lihte iman de rehte minne zu sinen erven [94*] halde 



> 



dat he durch si wider sine sele nit in behalde, 



vile cfime salt du imanne vonden 



* 



de sin vleisch wille na der minnen rehte bonden, 
5 inde deit du der selen inde des geistes lerunge volgen 

inde den geist na deme vleische nit inkere. 



j 



Hie verkerent si die minne alle die ireme vleissche so sere schonent 
dat si ime siner stolzheide nit in lonent: 



> 



wane si minnent it alze sere 



? 



10 inde volgent si ime so wa it sich hine kere 



j 



Dise minne is gekeret unrehte 

want die sele sal man minnen [95 r ] me ze rehte 

dar na sal man den lichane an der minnen sazen, 



> 



dat man ime an der narungen geve gude maze 
15 also dat it sich wider den geist nit inerheve, 



9 



inde dat it zu Godes dineste ge rehte leve. 

Size Got, du da alle dine geschaffen has bit mazen 



7 



du muzes mich an diser minnen also sazen, 



dat ich alle overenzicheit mflze lazen 



> 



20 dat ich zfi dir muze cfimen bit der enger strazen. 

So we weiz wie he sich selven sule minnen, 
de is genuch geleret an sines nesten minnen; 



want [95 v ] dat an der gebot leret dich, 
dat ein iwelich sinen nesten minne alse sich. 
25 dat quit, du salt zu ime die selve gunst dragen 



9 



die du zu dir selver salt ze rehte haven 
dat is die gunst nemeliche 



j 



9 



dat du ime des gunnes vlizliche 



9 
o 



so wat on vurderen mach zu deme himelriche. 
30 Wan it sin noch andere minnen die man zu den nesten dreget 



9 



die manich dumb mensche up dit gebot leget 

so he sprichet: 'ich dun Godes gebot; 

ich minnen minen nesten, dat gebudet Got.' 



9 



Hie bidden ich dich dat du [96 r ] dinen sin willes bit vlize zu 

keren, 
35 want wir willen Got bidden dat he uns wille leren 

diser minnen etzelich nutze underscheit, 

die manigen verleidet, inde hat verleit. 



5. oder in de deit. lies inde de it du volge (oder de it du bezw. deit du* volgen) der 
selen inde des geistes lere? vor des Punkt. zwischen e und r in lerunge i rad. 9. vor 
it rod. ti. 10. f m fi halb radiert. 26. 1 in feluer durch Eas. aus r. 34. nach zfi 

getilgies ke. 35. hinter leren Punkt. 

4* 



52 



Die Lilie. 



Die minne die man zfi den luden pliget keren 
dat si vierveldich si, mfigen wir beweren. 
l>ie eriste si is so suver, gut inde geistlich; 
die leste is al suuer, bose inde vleislich, 
5 intusschen disen zuein sint andere zua; 

die salt du bit vlize mirken her na. 
Der zueier minnen eine cumet van naturen 



9 



9 



die de lude deit [96 '"] an der minnen duren. 
Die andere machet einer hande heimelicheit, 
10 der nu vile in der werelde umbe geit. 

Nu keren wir die wort zfi der erister minnen 
want die sal nns aller meist ligen an den sinnen. 
Dise minne si is algare geistlich 
zfi diser minnen is gebunden ein iwelich 



9 



9 



9 



15 de andeme gebode nit in wilt ercalden 



9 



dat Got wilt uns zfi unseme nesten behalden. 

Nu sin wir wat geistliche minne si; 
want die ander minnen si velschent si. 



Dat sagen ich curtliche, alse ich it vernemen: 



20 geistliche minne dre-[07 r ]ges zu deme 



9 



9 



9 



zfi des geiste du dreges so gedane gerunge 

dat du woldes dat ime aleine an den sachen wale gelunge 

van den sines geistes selicheit sprunge. 

Cfime mach man dise minne volliche gerfiin, want die heimeliche 



minne pliget 



25 he sich zu diser minnen erhevet 

inde wirt ire dicke also gelich 



> 



9 



&&t he vile selich sal sin inde sinnich 
de si wale sal under scheiden : 

so groze gerunge liget an on beiden, 

30 Inde die gerungen sint ever so gelich 

dat ir underscheit in is nit gelich. 



9 



9 



[97 v ] WAn die minne die sich recket an den geist 
si is umbe den geist sorchsam aller meist; 
si vortet die stricke die deme geiste werdent gelaht, 
85 bit den he dicke wirt zfi den sunden braht. 



> 



2. so; zwischen s und o ein Balken rad. 3. Sie; auch am Rande als Vermcrk fur 
den Rubrikator s. 3 und 4. fuuer; Wortspiel zwischen sfiber und s&r. Roeihe faf&t raver 
beidemal ah steigernd auf: 'ganz und gar', und streicht die Kommata dahinter. 11. vor 
keren ein Bucket, rad. 13. vor geiftlich Punkt. 14. uber u in gebunden i»Strich rod. 



21. gciftes. 24. geruin = geruochen? Roeihe sMagt gerurin vor. 27. da. 



Die Lilie. 



53 



Wereltlichen schaden inde des lives suchede 
vortet si lutzel, want si machent die dfigede. 
Wan die heimeliche minne si hat umbe dise dine groze vorte, 
dat de vrunt besueret sfile werden bit werken of bit worden, 
5 inde dat he suchede inde rue sAle dragen. 

an dise done inde diser geliche le-[08 r ]get si ire clagen; 

Bar umbe machet si dat herce dicke suar: 

die it besuht havent, si wizen dat wale dat ich sprechen war. 



Alsus gedanen angest havent och die geistliehe gemflde 



9 



10 umbe die die si geistliehe minnent umbe ire dflgede 



9 



WAn doch an disen gedenken is ein sehone underscheit, 
want die heimeliche minne vortet des vleisches leit, 
inde die geistliehe minne vortet dat der selen vrume 
bit der ungedolt mfige werden deme vrunde benfimen. 
15 wan die oflenunge [98 v ] is der geistlicher minnen baz bereit 



dan si si der minnen die cflmet van der heimelicheit 
Och keret sieh die eine me an die sachen 



9 



9 



die man bit den uzerlichen sinnen mach gereichen; 

Si gelustet understunden baz des vleisches schonheide 
20 dan des geistes gesuntheide. 

Si suket me wereltliche ere, inde richeit, 

dan an einem armen der selen selieheit. 

Si wilt sieh an die keren die haven burge inde lant 

die armen si sint ire umbecant. 
25 Doch insprechen ich [99 r ] nit dat man die richen nit ins&le minnen: 

man sal, also dat die richeit nit in si dat aneginne 

Ich willen noch dan me minnen einen armen des geistes ich grozer 



4 

\ 
\ 



dan einen werelt armen de gerne wolde vile haven. 

Man sal Got in beiden halve minnen; 
30 ein iwelich geve urteil van sinnen. 

Git is die minne die cflmet van naturen 



haven 



9 



9 



wane in givet ire die geistliehe nit ire sture 
si wirt vleislich inde wirt ein haz: 
dat willen ich duden ein luzzel baz* 
35 Dat du dine kindelin [99*] minnes, dat is gut; 



want dar zu duinget die nature dinen mut, 
wane wilt du si ecker na deme vleische zin 
inde in wilt du den geist nit ane sin 



9 



9 



1. nach fuchede PwikL 2. 1 in lutzel durch Bas. aus f. 5. oder in de r. 6. an Boethe 
Van Hs.; aber amBande entspricht dem V kein Vermerk fur den Bubrikator. 13. nach vrume Purikt 
15. offenunge = hoffenunge. 16. minen. 19. nach un- rad. dun. 33. 11 in uleiflich aus u 



54 



• 



cin- rad. e. 



Die Lilie. 



du salt an on sin dinen unwillen 



9 



want dn si nit inzuges na Godes willen 
inde dn mnst ire snnden bit on dragen, 
inde in den pinen bit on haven. 



9 



5 Want dat sfilen wizen alle die den Got kindere hat verluen 



j 



9 



dat si die sfilen zin bit also grozen truen, 

alse si Gode willen antwrde vor ire selen geven; 

her na berihten irre kindere leven, 

[100 r ] Inde vlizichen sich selven, dat si also ley en 
10 dat si iren kinderen ingein bose bilde in geven, 

Noch inschonen on nit, of si ir leven fivele anevent 

inde of si uzer Godis wege geint. 

want die minne si is werliche ein haz 

die den menschen machet der sunden vaz; 
15 inde de hazet sinen sun, sprichet de wise man 



9 



9 



9 



de ime der ruden nit in vollen gegeven in can. 
Bit deme suren inde bit deme s&zen 



9 



sal man den bosen willen bfizen 
inde rehte geleiden der kindere vuze, 



9 



20 dat si sich vor den sun-[I00 r ]den behuden mfizen. 

In der naturen minnen sich och man inde wif 



9 



want also Got sprichet, si zuei sint al ein lif. 

Ei wie groze minne inde vrowede is da, 

da beide man inde wif volgent der geistlicher minnen na, 



25 inde levent so einmutliche samen 



9 



dat si havent einen geist, alse si havent einen lichamen. 
Want dat willen ich sagen den vrowen alien, 
dat si sulen iren vliz han wie si iren mannen wale bevallen 
in si grozliche inde offenbare wider [101 r ] Got, 



9 




30 da s&len si ime halden Godes gebot. 

noch dan sal man den mannen volgen under stunden 
dat si nit in vallen in merre sunden. 

Hie horet zfi groze bescheidenheit, 



9 



die uns ze sagene were ze lane inde ze breit 



9 



35 TAn gare vleischlicher minnen in willen ich nit sagen 



9 



want man sal si schuen, inde ire volgere clagen, 
want si ilent in die abysse, 
in die ewige vinsternisse. 



7. e in alfe ub. d. Z. t darunter Bas. 15. ztcischen i und n in finen n rad. 25. vor 



Die Lilie. 



55 



Al hie ane Sprich van den werken der minnen. 

Nu gein wir wider in nnse materien, 
inde voile sprechen die gele [101 9 ] blfimen der lilien, 
die una ein zeigen sint der minnen, 
5 da wir na Gode unse nesten mide minnen. 

Die ses gele blfimen die da in binnen den wizen sis stain 



j 



bit den salt du ses were der barmherzicheide verstain 
bit den wir onsen nesten sftlen ze staden cfimen 
inde wirken beide iren inde nnsen vrumen. 



9 



9 



10 Dise barmeherzicheit in bat niman 



9 



de sinen nesten noch nit minnen in can 

want dat herce mftz aller erist van der minnen intwarmen 

dat si sich fiver sinen nesten sal [102 r ] irbarmen. 

Dar nmbe die were der minnen inde der barmherzicheide, 



9 



15 si sint al ein bit ingeinme underscheide. 

wilich dise ses were sin der barmherzicheide 
wolde nns unse heilant selve bescheiden. 



9 



DAt eriste is dat man deme hungerigeme sal die spise geven; 
DAt ander is dat man den durstichen sal bit deme dranke laven 



9 



20 DAt dritde is dat man die geste sal zu der herbergen leiden 

DAt vierde is dat man sal den nacheden cleiden; 

DAt vonfte is dat man zfi den sichen geit; 

Dat seste [102 v ] is dat man den gevangenen bi steit. 

An disen werken is so grose werdicheit, 
25 dat so weme man si dnrch Godes minne deit, 



9 



9 



Got sprichet it si ime selveme gedain 
alse he selve wolde an deme ewangelio san. 
Alse des menschen sun gesitzet zfi deme urdeile 
he sal alle die lude in zua s char en deilen: 



30 Die gfiden sal he setzen zfi der cesuer hant 



9 



die bosen sftlen zfi der lurcere werden gewant. 
So sal der cfininc sprechen 
zfi den, die steint zfi siner cesfien: 
'Cfimet, gebenedieden mines vader, 
35 inde int-[103 r ]f eit dat riche algader, 

dat uch van aneginne was bereit; 
vroliche sfilet ir dar in werden geleit. 



1. Al hie ane im Spatium nach uinfterniffe 54,38; der Rest ub.d.S. 3. e in die 
uher i. am oberen Rande von Bl. 101* c (— KM)?) blafsbraun. 13. nach fal Buchstabe 
rod. 34 ff. Matth. 25, 34 ff. 37. dat. 



56 



Die Lilie. 



Want dfi mich hungerde, ir gavet mir ezzen; 

dfi mich durste, ir gavet mir dronken; 

Dfi ich gast was, ich wart van uch intfangen; 

dfi ich nach was, ich wart bit uren cleideren behangen; 



5 Dfi ich siech was inde gevangen, 

ir quamet zfi mir, mich ze trostene gegangen 
So vrowent die gerehten sich, 



> 



inde sprechent: 'here, wanne sagen wir dich 
dat wir dir disen dinst irbuden?' 
10 so antwerdet [103 '] der cfininc den guden: 



9 



'So war ir it dadet mitten minnisten 

da waret ir an mineme diniste.' 

So keret he sich zu den die zu der linker hant sfilen stan 

inde heizet si in dat ewige wr gan, 



9 



15 want si sich nit in hadden zn deme riche bereit 



9 



bit den werken der barmherzicheit, 

da mide si iren nesten solden haven getrost, 

ave si sich van den pinen wolden haven geloist 



Nu mirke diser werke werdicheit 



20 den al einen der himel is bereit 

die al eine den lof sfilen haven 



9 



9 



in-[104 r ](Le al eine sfilen crone dragen 
in des grozen urdeiles dage. 



War umbe is dit, wan dat dise sachen 

25 uns vollecfimen an der minnen machen 

inde der minnen zeichen dragen 
die wir zfi den nesten sfilen haven, 
want alse uns leret de Godes minnere 



9 



9 



9 



Johannes de sfize lerere: 



30 'so we sinen brfider sit dat he in noden steit 

inde ime nit in hilpet bit der barmherzicheit; 



9 



wie mach Godes minne in ime sin 

die bit den werken sich nit in machet schin?' 

An diseme worde mfigen [104 v ] wir dat wale mirken 



9 



35 dat so we die barmherzicheit nit inhat an den werken 



9 



die bezeichent sint an den ses gelen blfimen 
he in is noch nit zfi Godes minnen cfimen. 



9 



4. 8 in was tib. d. Z. 11. minnen. 11/f. Matth. 25,40. 22. oder in de. 24. naeh 
fachen Punkt. 30 ff. 1. J oh. 3,17. 32. e tn wie fiber i. 33. e in machet 05. d. Z. vor 
fchin fie; von dem c nur die obere Halfle geschrieben. 34. uber der neuen Seite ehca 

20 sdiwarze Buchstaben au&gewischt. 



A 



Die Lilie. 



57 



want Godes minne in mach niman haven, 
he in mfize och minne zn alien lnden dragen. 
Minnes dn alle die lude, aJse nnse here sente Johanne 



9 



inde dreges du nnminne zu eineme manne 
5 du in has der minnen nirigen in gein deil 

dat dir imer dan ave mfige cftmen heil. 



9 



hie sprich ane van der minnen zfi den [105 r ] luden 

at willen ich dich wisen bit Godes genaden: 




Got m&ze nns dat beste wisen inde raden. 
10 Jhesus Cristus hat ein lichame dat he van siner mfider live nam 

d& he durch nnse minne in dise werelt quam 

He hat och einen geistlichen lichamen 

dat is he inde die cristenheit alsamen. 

Dat hovet van diseme lichame is de gftde Jhesns aleine 
15 der ander lichame is die cristenheit algemeine. 



9 



Ein iwelich cristen mensche is ein lith an diseme lichamen 
alse uns leret sente Panlns bit namen. 



9 



9 



Nu sage, of iman wolde [105 v ] din hovet eren 
inde wolde dinen vuz of dine hant besueren, 
20 woldes du dich it an sine minne keren, 

of dnnket dich dat he din vient were? 
Sette he dir up din hovet eine crone gulden, inde van edelen ge 

steine, 
inde intfengede ein vur an dineme vuze, of dinem beine, 

ich wenen du soldes ime lutzel danken siner cronen, 
25 so he dineme beine nit in wolde schonen! 



Reite alsus is it an Jhesus geistlicheme lichamen: 
so we on wilt minnen, he mftz on minnen alsamen 
want so we ha-[i0£ r ]zet einich siner lidere 
he mach nit sin des hovedes minnere. 



9 



9 



30 Du cusses mich al ze vergeves vor minen munt, 

wilt du mich an eineme anderen lide machen wnt. 
Wilt du dat ich danke dir diner minnen 



9 



du must minen vinger alse min hovet minnen. 

Dit han ich gesprochen umbe sogedane sachen 



9 



35 dat ich die minne muge gemeine machen 

want die minne hat so groze breide, 
dat si nimanne van ire in wilt gescheiden 



7. luden schwarz gestrkhelt am oberen Bande von BL 10o r . 12/f. l.Kor. 12,12ff. 

30. vor mich Punki. minnen. 



58 



Die Lilie. 



Wan doch alse da vore eines deiles steit 



9 



dise mm-[106 v ]ne wilt haven groz underscheit, 

dat wir wizen zfi weme wir me minnen sfilen dragen 

also dat unse minne reite reit have. 



9 



5 Want so wiliche dine nit in is redelich 



9 



so wie gflt it si, it is unlovelich. 

Dar umbe willen ich bit curten worden 

dir sagen der minnen orden. 

al hie ane Sprich van den ordenen der minnen 
10 Die sfilen uns an der minnen aller nest wesen 



bit dere lerungen wir sulen an der selen genesen; 
Dat sint die gfide predichere, 

inde andere gereite lerere, 
die uns bit der gfider lerunge wolden sterken, 
is an deme ge\o~[107 r ]ven inde an gfiden werken. 



9 



Dar na sfilen wir die minnen al ze hant, 
die uns van der naturen sint bewant. 
Die nature si sal uns selve beschiden schire 
wie wir die minne sulen ordineren. 



9 



20 Ich wenen dat an diser minnen die kindere nemen overhant 

idoch me eren sal an vader inde an muder werden gewant, 



9 



Want dat man die ze vorderst ere 
gebfidet Got unse scheppere. 



9 



Der na geit die minne der guder heimelicheide, 
25 die wir aller erist [107 v ] sfilen an unse gesinde breiden; 

In is die minne bit geistlicher minnen nit entfenget, 
wie lihte si beide heren, inde gesinde zu pinen brenget! 



Want also meisteren die heren ires gesindes leven 
alse si willen Gode vorsi rede geven 



9 



30 Dar na sfilen wir unse nagebure binden bit der minnen 



> 



9 



9 



dar na sulen wir unse lantlude minnen 

Dar na sulen wir minnen alle die an unseme geloven sm 

ze jungest sfilen wir an alien luden machen unse minne schin 



Want of wir nit [108 r ] me inhaven: 



35 gfiden willen sfilen wir zfi alien luden dragen 



9 



also verre dat wir och unse viende nit in verdriven 
willen wir bit deme gfideme Jhesu bliven, 



9 



2. nach hauen Pwnkt. 7. r in Dar blafsbraun auf Ras. notch worden Punkt 

9. die Uberschrift fdlschltch erst Bl. 107 r : al hie ane im Ze He nspatintn nach fcheppere 23, der 
Hest urn oberen liande des BL 14. nacfi wolden ein Buchst. nul. 22. o in uorderft durch 

lias, aus e. 27. nacJi beide he rud. 32. lint. 36. nach alio holier Buchst. rod. 



Die Lilie. 



59 



9 



de och vor sine cmcigere bat: 
durch ihre helpe, inde unse lerunge dede he dat. 
So weme Got der genaden gan, 
de is reite ein vollecfimen man. 
5 want ane zuivel be is vrunt och andere luden 

de sinen vient minnet, also Got gebudet. 
inde dar umbe sal he dragen die ewige crone, 
die den voile c&menen min-[108']neren wirt ze lone 

Die hovet der ses blfimen sint golde gelich: 
10 da mide vernon ire werdicheit, die is ewelich. 

Die silverene stile dragen der glider worde zeichen 



9 



die du den armen salt bit den almusnen reichen 
Du salt och bit gflden worden trosten ir armfide 



9 



dat si it verdragen bit senfteme gemfide. 



15 so is dine almusene zniveldich worden 



9 



an den werken. inde och an den worden 



9 



9 



Inde so deis du baz bit den worden wan bit den werken 
alse die wort die sele ster-[I09 r ]ken. 

hie sprich ane van der nuer minneix. 



9 



20 "VToch ich in mach gesprechen, noch it in mach niman ge- 



N 



allet dat z& diser minnen gehoret; horen 



9 



9 



9 



wan wir sprechen dat wir miigen 
dat in geiner hande minne nit in dnge 
die geistliche minne in si da mide, 
25 want si minnet der selen vride. 

Dit is die minne van dere sente Paulus sprichet 
'de sinen nesten minnet, nit ime ingebrichet; 
want he hat den ewen vollebraht, 
want aller der ewe, he is np die gebot gelaht*' 



30 Johannes, de sunderliche [109 v ] minnere 



9 



he givet nns och dise lere, 
die vile sere mach die irveren 



9 



die sich van diser minnen durren keren. 
He sprichet: 'so we nit in minnet, he is doit 
35 want he versmet dat de levende Got geboit.' 

In dfl de gflde Jhesns saz zfl der merungen, 



9 



van der minnen was alle sine lerunge 



9 



5. andere = anderen. 8. am oberen Bande verwaschene Federprobt (15.-16. Jh.): 
pnlex e J flo. 9. D auf Bas. t in houet aus r . 11. nach glider Punkt rod. 20. nach 
gefprechen 2 Btichst. rod. 27/?'. Bom. 13, 8-10 (Gal. o, 14?). 33. durren, 34. l.Joh. 3, 14. 

36. In = inde. 



/ 



60 



Die Lilie. 



inde sprach: 'da mide sal man uch under kennen 
inde werliche sal man uch mine jungere nennen, 
of ir sunder einichen wandel, 
die geware minne hat under ein ander 



9 



* 



5 Want ich ge-[il0 r ]bieden uch dat ir uch intusschen minnet 

alse ir wizet dat ich uch haven geminnet.' 

Man inmach die minne nit in vollen geloven; 



wan dat is dat overste ander minne love 
dat Got die geware minne is 



9 



9 



9 



10 inde minnes du dat du inGode bis 

inde Got he is indir. 
herre, dise minne muze imer sin in mir! 

Gif mir dat ich dich inde minen nesten da mide 
minnen muze bit also sulcheme vriden, 

15 dat ich mine nesten indir mflze minnen, 

dat wir samen indir bliven bit der minnen. 

[110 r ] Noch haven ich einer hande minne bewnden 
die mir noch nit wale in is intbunden. 



9 



Die unbesutten insfilen is geloven nit 



9 



20 wan ie doch is it dicke geschit 



9 



9 



dat ein mensche hadde manich jar sunderliche 
ein anderen geminnet inde heimeliche 
inde dat he dar na lihte einen vremeden sach 
wider den he ni wort ingesprach 



9 





25 inde dat sine sele zu deme vremeden gelich me wart gebunden 



9 



in einer vile curter stunden, 

wan si da vore were zu deme alden vrunde 



9 



9 



deme he so lan-[lll r ]ge wale glides gunde 
inde des he hadde lange cunde. 
30 Wat machet so snelliche dise minne, 

wat wandelet so heimeliche des menschen sinneJ 
Hon ave wolde ich gerne horen sprechen einen wiseren man 
wan doch willen ich sagen dat ich van Godes genaden can, 
Inde willen doch alle zit gehoren eineme wisen 



9 



35 de mich it bezeres mach gewisen. 

Ich wenen dat die nature understunden mach dise minne 
die man so geliche sunder heimelicheit mach gewinnen; 



1 ff. Joh. 13, 35. 34. 2. we | werliche. 5. vor minnet 2 BdUcen rod. t in minnet 
blafsbraun iib. d. Z. 13. hinter mide Punkt 17. am oberen llatide von BL 110* Feder- 
proben: . . ixxxxxiiii. 21. i in far durch Bus. a us a, hinter funderlicbe Punkt. 32. nadi 
horen rad. einen. 



Die Lilie. 



61 



5 



10 



15 



20 



25 



30 



35 



Want alse zueine menschen die van einer [lll v ] naturen sint 

zfl samene cfiment inde sich undersint, 

die nature si zonet zehant stilliche ire maht 

inde bindet die herce die des nit inhadden gedaht 

An diser minnen warnen ich alle mine vrunt 



9 



9 



9 



want si in hat nit heiligen wech noch ende zu alien stunt 
inde darumbe in sal man ire nit al se sere verhengen 



9 



wan man sal si bit deme breidele der bescheidenheide duengen, 
dat si die gerunge nit in muge uzer deme reiten wege brengen, 
dat vile lihte geschit, wilt man ire den breidel lengen. 

[112 r ] hie sprich ane van der driveldicheide. 

langen umbegengen muzen wir doch dat ende suchen 



N 




J 



dat ende wir aleines sftlen ruchen 



9 



dat ende des nimer ende in wirt 
dat ende des niman wiser inbirt 



9 



9 



9 



dat over alle dine is cfininc inde wirt 

Dat ende is die heilige driveldicheit 

die alle dine ervullet inde umbeveit, 

der bezeichenisse wir vonden an der driecgehter blumen 

die uns nu is zesprechene zu cumen. 



9 



Dise blume hat an der lilien die overste stat 



9 



9 



9 



dat vuget wale, inde wale billich is dat, 

want si dreget zeichen der overster [112 v ] driveldicheide 

der niman in genecket bit der werdicheide. 

Der driveldicheide zeichen mugen wir an der blfimen vonden 

ave die driveldicheit wilt unses hercen ogen intbinden. 

want die blflme hat ein hovet dat is drieckih: 

da mide is bezeichent ein Got de is driveldich. 

Dise blume sal dat hovet an der geistlicher lilien wesen 

want ane dit hovet in mach niman genesen. 

Dar umbe sint si alle doit an der selen 

die sich zu diseme hovede nit in willen keren 

inde si ingehorent nit zii des cunin-[113 r ]ges hove 

die nit indunt alle done zu sineme love: 

dat sint alle die sflkent ires selves ere 

inde sich an die werelde cirheit kerent. 

Dise in havent des driveldigen hovedes nit, 

want si insint nit lilien, wan si sint ein grune rit 



9 



9 



9 



9 



9 



1. zfi eine Us; zueine Boethe. 



wilt Punkt. 



7. oder alfe 



9. a in dat uber t. 



26. vor 



62 



Die Lilie. 



9 



dat uz wendich schinet als ith ezwat si 

want inbinnen wirt sine crancheit schin. 

Wan dare in cunnen die dumben ire ogen nit gekeren 

die iraer starent nader wereltlicher eren. 



9 



5 Suze Got, driveldich an der ein veldicheide 



9 



ein veldich an der driveldicheide, 

[113°] geruche unsen gedanc, wort, inde were also geleiden 
dat wir diner eren aleine beiden 



9 



j 



biz wir cumen zu der weiden 



9 



10 da du selve bis unse hirde inde unse geleide; 

da wir dich selven inde indir selven sfilen weiden 
also dat wir nimer van dir ingescheiden. 



9 



Wat hilpet it dat man gude wort sprichet inde gude were deit 



9 



da man it anders suchet wan die gotheit; 



15 die den al einen sal z& lone werden 



9 



die al eine Godes ere suchent hie an der erden ! 

Dar umbe gif, suze Got, dat [114 r ] wir alle dine durch dine ere dun 



dat du her na mfizes unse armude gebflzen, 
inde na diseme dotlicheme live willes vroliche gruzen 
20 die nu ligent inde weinent zft dinen vuzen. 



mfizew, 



9 



Nu is it zit dat ich ime lof inde genaden geve 



9 



van des genaden ich bin inde leven, 

de mich, alse ich werliche mach gevulen, an diser uncundiger 

arbeide nit in hat begeven. 

Ich genaden dir, Jhesu, sfize heilant, 



25 inde benedien dich alle cit, inde nu al zehant 



9 



9 



dat du mir so gutliche [114 v ] has gereichet dine hant, 

biz ich ciimen bin fiver dit mere an dat lant. 

aller der lof dis werkes sal werliche an dich werden gewant 



of iman it loveliches hie ane vant 



9 



30 is hie it anders. da is mine crancheit mide becant 



9 



9 



die ich dragen an diser vleislicher want, 
also lange so mich duinget dis dotliche bant, 
bizze ich cfimen an dat heimeliche vaderlant 



1. nach wendich 2 (rot durchstrichene) Buchst rod. 5. oder dri veldich. 6. odcr 
ein veldich. 6 f. driueldicheide. ge | geruche. 17. mfize. 19. rechts neben vroliche am 
Bande verwischt lib in Schrift des 15. (16.?) Jh. 20. nach uuzen im Spatium lib kint 

und drei radkrte Buchst me 19. 









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vesen 



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- :u inde 

i -r:?eil- 



\rer Sckrifi. 
06. nach 









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f 



\ 



K 



L. 





5 



^ 



1 




2>ie 



drei £lumen des paradieses. 



5 




hie sprich ane van der 20 de der drier blftmen niedet sich, 

dat is Godes sun wan himelrich. 



rosen. 



die edele rose 



lr 



wer- 



dicheit 

uz vor anderen blumen trehit 



9 



9 



als si schoner is inde baz gevar, 
under der ander blumen schar. 




j 



Als si den luden is liever 
danne in geine ander blume si : 
also sint die liever unde werder 



in himelriche 



9 



die kusche inde reine hie halden 



sich 



9 



[115 



V 



9 



9 



10 Die Gode iren magethum gevent, 
inde imer kusliche hie levent 
dan alle die seligen Godis kint 
die vor Gode in himelriche sint. 
Dri blumen sint wan hoer art 

15 die wasent in den wrzegart, 

der indeme paradise steif, 



9 



die Got selve da geplanzet hait 
ich wenen dat die lilie inde die 

rose si; 
Die suze fiole steit ouch da bi. 



nu solt ir pruven da bi 



9 



wat bi diesen blfimen bezeichenet 

si. 
su we sin vleish kusche inde reine 



zfigit 



9 



25 inde durch Got [116 r ] der werelde 



minne fluith 



9 



Inde dar zu keret sinen vliz 
de is gelich der lilien wiz; 
de sal sines lones warden 



9 



9 



indeme hymelische wrzegarden 
30 den die heilige driveldicheit 

den reinen megeten hat bereit. 



9 



Nu sold dir aver mirken me 



9 



wat 



bezeginnunge 



an 
ste: 



der 



rosen 



so weme die genade wirt gegeven 
35 dat he sich heldet an kuslich leven 

de sal insime hercen bernen 
van der gewarer minnen; 
wan die rose bernet sua si steit, 



9 



9 



van 



der v&richer varwen 

het. 



die 



si 



b rad. 



1. folgt ohne Ztmchenraum. 
30. hinter driueldicheit Punkt. 



14. 21. wan 



van. 



16. fteint 



20. nach drier 



36. I. brinnen. 



hinter bernen Punkt. 



Die drei Blumen des Paradieses. 



65 



In 



hes 



tu 



nit 



minnen 



zu 



der 



kuscheit 



9 



9 



9 



40 so [116 p ] verluses du din arbeit 
so in bis tu der rosen nit gelich 
die da weset in deme himelriche. 
Nu sie wir die fiolen ane, 
wilher duginde si uns mane! 



45 die fiole bi der erden steit 



9 



dat si Gode deste werdere si. 
wilt du eine hoferdich maget sin 



9 



50 so in bis du nit dat fiolin 



9 



dat da weset in deme paradise. 

Nu hore, maget, su we du sis! 
halt dich also, dat raden ich, 
dat du disen drin blumen sis ge- 



lich 



9 



inde bezeigenet uns die demudic- 55 so must du vor Gode selich wesen! 



heit 



9 



[ii7r 



da salt du lilien, rosen. inde 



9 



9 



die zemet den megethen wale bi 



9 



fiolen lesen. 



41. t 



40. 56. am oberen Bande der Seite ausgewischte Kriteeleien in spdterer Schrift 



tu durch Bos 



du Punkt 



47. I. der megethe 



48. nach defte ein Buchst. rod 



56. nach 



DeuUche Texte dee Mittelalters XV. 



5 



2)er 



drei fetch e 




Schm u ck 
ungfrauen 



der 



seligen 



[117 r , 2] so we mich nu fraget 20 de muz hie offerdich ho vet lazin 



9 



me 



9 



Wie 

wat 




an der megede danze ste 



9 



zirden 



si 



vor 



den 



anderen 



dragent : 



dat willen ich minen wrunden 

sagen. 

5 die helige scri/t die deit uns wis 
si havent einen driveldigen pris 
inde eine driveldige hantgebere 



9 



9 



vor Jhesum, ireme sceppere 
des die andere nit in hant: 



9 



10 da in is sint in gein missegant. 

der erste pris he is also gewant 

si nement van der Godis hant, 

Ane die gemeine crone, 

ein zirde, die is schone: 
15 dat is eine crone [117 v ] lieth als 



der dach 



9 



dat man si uz van den anderen 



kisen mach 



9 



als die keserinne die die crone hat 



9 



dat he sich sines hovedes nit in 



verheve 



9 



id 



schadet 



line 



anders an der 
cronen sere. 



Der 



ander pris van 



deme 



ich 



sagen 



9 



den die megede da solen dragen, 



25 dat is van blumen 



ein 



gemeine 



path 



9 



den dat heilige lamp fur in trath 
dat is unser here Jhesu Crist 



9 



de der megede leider is. 

Sua dat lamp hine [118 r ] slichet 



9 



30 die gecronede schare 



na 



lme 



wichet. 



als mich die scri/t beweren mach, 
so ne volget deme lambe nieman, 
dan der meghede schare wnnenc- 



liche 



9 



so we des blflmeden pades wilt ge- 



nieden sich 



9 



under anderen vrowen sua si geit. 35 de sal unnuze genge lazen 
So we die crone da wit han 



9 



9 



inde sal miden die vremede strazen 



y 



1. folgt ohne Zwischenraum. 5. 31 . fcrift. 10. nach gein Doppelpunkt. 18. gefnt 



21. verheve] I. verhereP 



31. mach] l. can. 



Der dreifache Schmuck der seligen Jnngfrauen. 



67 



inde sal sine vuz stede halden 



j 



inde 



sal 



alle 



uphiget van sinen 



hercen lazen. 



Der 



dritde pris 



also 
mich: 



dunket 



40 dat is ein suze sane wnnenclich 



9 



ir clare stimme heven si ho, 

der sflze sane de machet si [118 v ] 

vro. 
Harpen, widelen, singin inde ander 



spil 



9 



des hant si nser masen vil. 
45 dat reine lamp dat for in geit 



9 



dat si an den path gesament het, 



dat machet in glide kurte wile 
ir megede, dar solt ir ilen 
wand da den sane nieman singet 



50 wan 



de 



sinen magethum 

bringet; 



dar 



So we disen sane da singen wilt, 



de sal miden al zegenkeliche spil 
inde der werelde vrowede ver- 



9 



smain 



9 



inde zfi der richer wirtschaf gain 



55 dar helpe uns der 



suze 



Got van 



himelrich : 



so we an [119 r ] Godes dinste si, 

de vrowe sich. AMEN. 



37 



oder in de 



37 f. der Beim war wohl ban : Ian (oder steit : uppigheit?) 



41. nach henen Punkt ub. d. Z, 



48. dat 



54. oder wirt fchaf 



46. nach gefament 3 — 4 rot durchstricJiene Buchst. rad 
56. AM. 



5 



* 



2)as 



himmlische Qastmahl. 



15 



[119 r , 2] Ein dish in himelriche 



steit 



9 



9 



der wile der suzer spisen het 
ein riche wirt de sizt dar uver; 
mit grozer frouden inde bit love 
5 dienet man deme kfininge rige; 
he het ouch des vermezen sich 



9 



dat he in alien genuch wilt geven 
die siner spisen willent leven. 
he deit uns des gewisheit: 



9 



10 so we durch in lidet arbeit 



9 



9 



9 



so we hie gemaches gerne inbirt 
dat he des disches werdich wirt 
Den die helige driveldicheit 
alda ze himele hat bereit. 

[119 v ] der disch de da bereide is 
dan ave sprichet Jhesus Crist: 



9 



t 



so 



welc mensche mines dinstes 



9 



so we it sime vleisch an gewint 
so weme mine spise nit in ver 



smalh 



9 



20 inde der werelde froude durch mich 



in lazit 



9 



2. wile 



yile. 



3. uuer] I. ove? 



so wen mines dinstes nie verdroz, 
de sal wesen mine ezzegenoz, 
de sal miner spisen ge nieden sich 
mit mir an ende inhimelrich. 
25 min disch de is bereidet algar; 

ilet balde, c&met dar! 
nit inbeidit, dat is mi rait, 
wan man da ganze vrowede het, 



9 



inde 



sfize 



spise inde [120 



r 



suze 



30 der 



fir 



lif inde 



fir 



gesmach, 

sele gelusten 
mach.' 

sus ladit uns unser here Jhesus 

Crist 

inde owe leider wat der is 



9 



die sine ladunge versmehewt 
inde zu sime dische nit in geint! 
35 mit der werelde is in alze wale, 

si sint irre spisen vol 
umbe dat himelriche in ruchent si 



nit 



9 



wande si der werelde minne na ir 

zut. 
Dar umbe mfizen si gevaren 



9 



4. nach loue Punkt. 



8. i m die uber e. 



12. c in difches uber fh nachgeir. 17. nach pligt 4—5 rot durchstrichene Buchst. rad., darvnter 

17 /f. Luh 22, 28-30. 18. gewint] I gesigt? (Roeihe). 19. verfmach. 20. oder 



ein i. 
in de. 



21. we H$; wen Roethe. 



22. oder ezze genoz 



31. laihit 



33. verfmehit. 



37. ruchent fehlt. 



Das himmlische Gastmahl. 



69 



9 



9 



40 mit des hungeres dodes scharen, 

die da in der hellen birnent 
inde nimer froude in gewinnent. 
hunger, durst da nit endes in het 
der qualen wirdet niemer rait. 

45 ich [120 v ] sagen in die warheit: 
gelovent si mir nit, dat is mir leit; 
so wat in da schande geschiet 
intdruen des in mach ich nit: 
Selve dede, selve have; 

50 ich keren mine reide her ave. 



wie moite in imer werden baz! 
mit weninden ougen sprechen ich 



dath 



> 



dat mir ein drunch van diner hant 
liver were dan alle die lant 



9 



75 ave alle der scaz, ave alle de rait 



9 



9 



den der himel, ave die erde be- 

slozzen hait. 
[12V] Aver dime dische, here min 
da muz ganze froude sin: 
van rehte man sich da frouhct 



9 



9 



ich 



willen 



der 



suze reden 

gain, 
van der ich begunnen han 
dat ich getroste die Godes kint 
die dar na arbeidende sint 



na 



80 da man di suze antlitze schohet 

Inde ouch der suzer mflder din 



9 



9 



sente Marien 



> 



der 



himelscher 
kuningin 



9 



9 



die 



ailed 



dat himelische her vro 



55 dat si gesmachen der sflzer spise 
in deme grune paradise. 



9 



machet 
so ir suze munt si ane lachetf. 



des 



helpe 



uns 



de uns geschaffen 85 so man ir antlitze ane sit 



9 



het. 



Nu horet, kindere, wie die rede 



so ne mugen si sich inthalden nit 
sine werden vro van alien sinnen 



9 



9 



irgeit 



van 



der schonede 



der 



edele 



eya sflze Jhesu Crist 



9 



60 welch froude. welche wnne da is 



> 



9 



da du den dinen [121 r ] scenhkes 
da du si spises unde drenkes, 
mit diner heiliger gotheit. 



9 



kuninginnen. 
wat solde in bessere ougen weide, 
90 dan die suze ant-[I22 r ]litze beide, 



des 



sunes 



9 



inde 



ouch 



der mfider 



sin. 



ich dun dirs, herre, 



einen heit 



65 dat ich da gerne were 



9 



eya suze vrowe min, 

durch Jhesum Cristum, din lievet 



da du selve bis spise unde spisere 
wie gerne ich, here, da eze 
da du selve bis druseze 
da du den dinen zu dres 



kint 



9 



9 



9 



hilf den die noch hie niden sint 
95 dat si dich da mflzen schowen 



9 



9 



inde 



ouch manige schone junc- 



70 inde in dine sfize hende budes: 



vrowe 



> 



41. I. brinnent 



43. nach durft Punkt 



uber a. 



44. nach Der rod. q 



45. r in warheit 



47. f chain da; lies scham da 



61. fcnhkes 



64. 66. nach heit und bif Punkt 



69. zfi dres] I sudes? (Roeihe) 



73. drunth 



hinier hant Punkt 



74.76 



die uber 



77. am qberen Rande der neuen Seite Federproben in blafsbrauner Schrift des 15. (16.?) Jh.: 

81. oder 



1 3 * O u* (?) p Pulexeyn flo lex flo (?) 



79. fronheit 



80. di 



din 



fchoheit 



In de 



83. e 



ailed aus 



84. lachen 



89. das erste 



weide uber 



90. am 



oberen Rande der neuen Seite verunschte Federproben wie 77. 94. e in den durch Ras. aus i 
e w die und hie uber i. 



70 



Das himmlische Gastmahl. 



die da plegent der kameren din. 



dat si dat hant irholt andich 



9 



must ich eine halve stunde da sin, 130 die wile si leveden up ertriche. 



9 



ich in wolde niemer trarich werden 
100 sold ich dusint jar leven uf der 



erden. 



Jhesu, sfize sceppere 



9 



min herce inwirt niemer vro me 
ich in gesie dich in himelriche: 
da ist gut wesen, dunket mich; 



9 



105 suie [122 v ] ich 



doch 



niet 



dar si 



kfimen 



9 



die wareit han ich doch wale ver- 

nomen. 

dar is wnsch und wnschenes ge- 

walt 

Suze kurtewile manichfalt 

si sint vro, si sint gemeit; 



9 



110 die schone intgegen wrdicheit 

die machet si alle ho gemut; 
want in nit so senfte indut, 
so dat du. suze Jhesu Crist, 



9 



mitten under in da bis 



9 



115 sine gerent me noch min 



9 



wande si dich da havent under in 
si sint vro, des hant si reith: 
du bis ir here, du bis ir kneth 



dubis ir dranc 



? 



[183 '] 



9 



du bis ir 



smach : 



120 wie moite in imer werden baz ! 

so si gesmachent diner suzicheit 
in darf in niemer werden leit 




dat si dir hie gedinit hant, 
want si da nit dis inmissegeint 
125 des ir lief ave ir herce gert ; 

des sint si alles da gewert, 
des si da irdenkin kflnnen. 
si waren vile wale versunnen. 



9 



9 



vil liven kint, gedenket her ane, 
durch unsen heren ich ouch manen 
dat ir deme wirtde van himelriche 
dienet [123*] vil vlizliche 



9 



9 



135 dat ir diese kranke werilt ver 



smeth 
inde werriltliche geluste lazet 



9 



9 



inde 



so 



wat 



frouden 



inne 



dar 

wesen mach* 
Id kumet noch die zit inde der 



dach 



9 



9 



dat ir ouch vile sere suit frouhen 
140 So ir uren brfldegome suit be- 

schoAen : 

dat is der milde, suze Jhesus Crist, 

Der anginne aller frouden is; 

he is ir sprinc burne, 

he is aller lieve inde aller wnne 
145 So we in minnet, de in is nit be 



drogen : 
der werelde minne hat gelogen, 
inde verleidet leider manigen man 
de sich nit dar fur gehuden 



• 



in 



kan. 



[124 



r 



So 



wat minnen 



an 



Got 



wesen mach 



9 



150 dat is der selen ein michel slach 



9 



so 



wa Godis minne 



sich 
lazit 



nieder 



9 



So welich herce si in sich intfeit, 
dat is suze und froudebere; 
ouch is ime der werelde froude 

ummere. 
155 wilt du Godes minne in dime herce 



han 



9 



tit 



u 



trurith 



100. i in iar durch Ras, aus 



102. me] I mere? 



107. Dat. 



109. gemehit. 110. oder int gegen. 111. e in die uber i. 115. sine = si ne. 116. e in 



wande uber 




hierauf rot durchstrichenes dat (?) rod. 



119. fmach] J. maz Roethe 



125. e in lief uber i. 
138. e in die uber i. 



135. zugrunde liegt woU: dat iu d. kr. w. versmat (: lat) Roethe 



140. befchen. 



143. /. brunne. 



149. c in mach am a; a ub. d. Z, 



Das himmlische Gastmahl. 



71 



So 



must 



du 



der 



werelde minne 
lazen : 



din herce dat is enge; 

Got inwilt nit sin in gedrenge 

Sine suze minne si is so zarL 



9 



sisuret hinden und suzet fon 
si is hude grune, si is morne valle; 
si is hude ein ere, si is morne ein 

scende. 



185 si is hude wiz, si is morne roit 



9 



160 und des siden und des art 



9 



Dat si dat herce wilt havien eine. 
mit der werilde in hat si nit ge- 



meine. 



Sal Got din herce [124 



v 



buen 



y 



SO 



must 



du 



der 



werelde minne 



schuen : 



165 sine 



sint 



nit gerne 



si is hude gesunt, si is morne doit; 
si is hude ein stail, si is morne 

ein gelas. 
si is hude ein bom, si is morne ein 

wl gras; 
si is hude li/i si is morne leit. 
190 so we sich keret [125 v \ an ir un- 



ze 



samene 



stadicheit 



beide 
id is gut dat man si shede. 



9 



de muz unstede mit ir wesen 



9 



9 



und 



sal 



an 



der 



selen 



kfime ge- 



inde 



sich 



halde 



an 



die minne 
Jhesus Crist 



nesen. 



9 



9 



si zugit in na ir in den mist 
dat is der werilde beste list. 



vonde sine minne noch suzer is 

dan die werilt, so wat si minnen 195 si gelovet suze inde leistet sur; 



het: 
170 kinder, den minnet, dat is mi rait ! 



9 



9 



so man in iemer minnet 



9 



9 



so man iemer me liven zu lme ge- 



winnet 



9 



9 



so man baz in versuchet 
so man sin iemer geruchet; 
175 so man in baz beschouuet 

so man me na ime dowet. 



9 



des hat si harte lutzel dur 
dat si in leistert inde scendet 
inde in zuder hellen sendet 

de sich an die werilde minne lazit 
200 dat is die beste minne die si het 

si sendit in in den hellen grunt: 
die wege sint ir da walle kunt 
die zu der hellen sint gestalt; 
want si manigen dar in het gevalt 



9 



9 



9 



sine minne is der we-[X25 r ]rilde 205 den 



si 



in 



9 



minne ungelich 
Die so schire hat gelegit sich: 
Si is hude suze, si is morne sur; 
180 Si is hude ein eis, si is morne ein 

fur. 



&ise~[126 r ]me live ver- 

leidet. 
in in is anders da nit bereidet 
dan ach mich. owe. heiz unde kalt 



9 



9 



inde andere pine manigefalt 
inde slangen inde creden, 



9 



Si is hude eine blume, si is morne 210 die solen ime sinen lif zetreden 



9 



ein hor 



9 



si sulin sugin sine bruste 



9 



156 

deuUich ( 
schal? (Roethe) 



So Majuskel rod 



165. sine 



si ne. 



167. fieh 



168 




vonde] I. wande Hoffm. v. F. 170. I min Hoffm. v. F, 



188. hnde Hoffm. v. F, feUt Hs 



189. lif, I liep Hoffm. v. F 



o in yonde un- 
183 f. lies val: 

190. am 



oberen JRande der neuen Seite verwischte Notizen in blafsbrauner Schrift des 15. — 16. Jh 



202. a in walle uber getilgt 



e. 



206. bereidet aus bereit gebessert. 211. fvlin oder folin (?) 



72 



Das himmlische Gastmahl. 



umbe sines vleisches geluste 
da inne froliche suevede 



9 



9 



man sal 
230 dat si 





die wile he up ertriche levede. 
215 golt, silver inde schone hus rait, 

size spise unde rich gewait, 
ezzen, drinken, senfte leven, 
deme fleische sinen willen geven, 
dat leven versuenden an arbeit, 




in wale kunden, 
daden mit sunden. 
mit bittheren slegen sal man si 

manen ; 
ir bruste rizen si mit den zenden, 
alien iren lif zecrazchent si, 
umbe ir ho[X27 r ]fart, die si driven 

hie. 



220 [126 '•] froliche sunden mit sichereit, 235 sus endent sich der werilde lif 



9 



Laggen, claffen, unnuzze wort, 
dat mfizen si allet arnen dort. 
sin geilir lif wirt da gezemet; 
id wirt on allet ingeremmet, 



9 



is si nu sfize, is si nu weich 

si wirdet so bitter inde engestlich 

als 
de 



y 




Got irbarme van himelrich: 



muz 



uns 



van 



irre 



minnen 



225 so dat ime bezer were 



9 



keren 



9 



dat in sin mfider nie gebere. 
der wive hofart si in is nie so 



240 inde muz uns sinen willen leren 

AMEN. 



groz 



9 



kflment si derhellen in iren schoz 



9 



va (wa?). 

rot durchstrichen. 



223. nach lif PurikL 

232. I zanen. 



226. in. 



227. 234. oder ho fart. 



229. vor wale rot durchstr. 



235. lies endet? lif] lies leich? (Eoethe). 



240. AMEN 



Warnung 



vor 



der 



Siinde. 



M 



ine vil lieven, ir hat gehort 
beide sure hide s&ze wort 



ir havet ouch alle wale vernomen 



9 



zu 



wilcher frouden wir soleu 



kfimen 



9 



5 welche froude den is bereit 
de hie darna arbeidet. 



9 



gelovet mir it vur war, 

dat vor Godes [127 v ] ougen dusint 



kurder sint, als ich 




jar 
las 



> 



10 dan der dag, de gesterren was 

Dat kumet van der schoneit, 
die van Godis antlizche geit. 



Nu solt ir wizen da bi 



9 



welich wizen in der hellen si 



15 So we eines 



der 



hellen 



hat ge 



9 



smachit 

Moth he die wiederkere haven 
He wolde aller dagelich 
Undert werve lazen slan sich 



9 



9 



9 



Dan he si einen dach wolde liden 

20 Die kemenade mfigin wir gerne 

miden. 



1. hinter gehort Punkt. 



Heil alle und wafeno, 

wie gedurren wir imer werden 



vro, 
war dun wir [128 r ] herce, war dun 



wir smne 

wad livet uns an der werilde 

minne! 

25 Wie smachen uns die sunden 



9 



so 



wal 



9 



Sint man si so bittherliche arnen 

sal! 

Id redet uns der duvel sicherliche 

So we nu Got minnet van himel 

riche 

De si bit forten umbe sich 



9 



9 



30 Inde wise van ime al die dine 

die Gode wider spenig sint. 
So wa wir in irzurnet han 



9 



Des sol wir bigeten inde bftzen. 
dar na sol wir uns hudin 



9 



35 Dat wir die sunden anderwerf 



brueden 



* 



[128*] bigeten ich hude inde sun 

den ich morne 



9 



8. tenter ior Punkt. 



15/1 der fehlende Beim war wohl 



gesm. sere : haven die wiederkere. 23. am oberen Rande von El. 128 r ausgewischte Federproben. 



das sweite wir aus war gebessert. 



33. I. bfizen gan Roethe. 



35. bruden. 



36. am 



oberen Rande der neuen Seite in blafsbrauner Schrift des 15. oder 16. Jh.: XXVIII. 



74 



Warming vor der Sunde. 



die bigeth is gar verloren. 

so is mir geschien also 

als ave ich neme ein zindail rot 



9 



40 inde wusche den vil sere 



9 



so wrde mir des hores deste mere 
dar ane gedenket, ir vrowen min 
und zurnet nit unsin thretin 



9 



9 



inde inverliset nit sine hulde. 
45 he is aller frouden ein overgulde; 

sin loin de is uch alien gereith, 

behaget ime ur arbeith. 

kranker geluste solt inberrin: 

dit leven in mach nit lange weren 
50 unreine 



* 



37. oder ver loren. 
48. r nach k in kranker ub. d. Z. 
die ganze Hs. 



39. nach ein 3 — 4 BuchsL rod. 



rot] I, ro Roe the 



oder in berrin. 



50. mit Vnreine scMiefst BL 128* und 



Anhang. 



Predigt uber die Xilie 




9 Z. 11] TTNser her sprichet: 'sehent an die lilie des weldes.' der 

^ lyli ist an der wrtz swartz, und der stam grun, und der 
Mum wis, das s&mli g&l. 

Glicher wis zenemend der gut mensch: glich sin der wrtzel, die ist 
swartz: also sol sin der mensch; sin demiitig in allem sinem leben, von ussen 5 
und von innen, der er mug sprechen mit der minnenden sel; die sprach: 'ich 
bin swartz von der sunnen, und die kind miner muter die haunt wider mich 



gestritten.' da maint die sel, die sunn wer die gnaud Gottes, die sol den 
menschen swartz machen in rehter demut, das der mensch von im selber nit 



sol halten, denn sund und gebresten. *Du kint ir muter', da maint su das es 10 
wir cleinung von den fr&den Gottes. all so sol der mensch demiitig sin von 
minnen, das er das gfit das Got durch in wirkt, nieman zfi legen sol; kainen 
sinen werken, denn Got allain. er sol demiitig sin von ussen, wa er an 
ge griff en werde mit vertrukunge, mit liden, das er das nit flichi und allvegen 
hinnach tringe; wa man in lobe, das er da zem minsten erschrecke, und sich 15 
sin nit enfr6we: wan es ist zw demutikait: ain warhaftigi demut und ain an- 
dihtigi demflt. wan es ist wil menschen, die mit wortan gar demiitig sint 
und aber das hertz gar verr ist. ain morder in ain wait der bekent die war- 
haftigen demit; er erkent wol, das er sich [7 r ] selb niht geschaffen haut und 
er von im selben nit enhaut. diz vermag natur das si dis bekent; aber die 20 
andihtigen demfit die gelicht man dem faissen acker, da der mist wol in 
gesenket ist. also sol der mensch den mist siner sund, und die urtail, und das 



1. Matih. 6, 28. 3. vor wis PunkL 4. nach zenemend Punkt. 6. Hohel 1, 6. 
nach ich Punkt. 9. vor von Punkt. 11. nach fol und menfch Punkt. 12. vor 

fol Punkt. 14. vor werde Punkt. 19. niht ub. d. Z. 21. nach and&htigen, dem, wol 
Punkt. 22. nach menfch Punkt. 



76 



Anhang: Predigt ttber die Lilie. 



abgnind sins gebresten, und das nit da mit er sunden mag, und sol das in sin 
herze senken, und sol sich selber vernihten, under Got und all creaturen. und 
das daz vernihten war si an dem menschen, das bekent man da bi, wa man in 
vernihti, das er sich des frfiwe und in sinem hertzen gedenki: 'man haut dich 
5 da fur das du bisf, und gegen dem menschen gutlicher enbietten mag; so 
kumpt der mensch ze fride aller siner kreften. wan all die wil der mensch nit 
ist festmiitig und ruwig und fridlich, und gesetzet in alien sinen kreften, so 
ist es im nouch verre. 

der mensch sol als demutig sin das er den sunder und den zornigen 
10 menschen als wol lide, als den wolkumen menschen, Das er mit sant Paulas 
sprechen: 'ich gesach nie hinder mich, und h6n die arm Mr sich gestreck, und 
min begird in ewikait.' Da maint sant Paulus, das der gereht mensch ntimer 
hinder sich sehen sol, an kain gflt werk, das er ie geworht; er s61te sin as in 
aim vergessen, und solt in im uff stan ain st&ter ruwiger anfang z& alien 
15 g&tten werken. als ain mensch, der von Got nie nutz enphie, also sol der 
mensch sich kern in das kunftig zit und sol sin begird enden in ewikait das 
sint die rehten demfttigen menschen. 

Das ander stuk des Stengels des lylien das bezaichet ain minneklich 
hailiges leben. Das ist das der mensch ledig aller tfldsfind si und das er 

20 stande in aim ubun g&tlicher werk. und da mit ist es nit genfig, das er stand 
an tSdstind; er sol ein gut bild tragen, alien menschen besserlich. wan unser 
herr spricht in dem ewangeli: 'uwer lenden sullent gegurtet sin und sullend 
ain luter lucerne tragen in iren henden.' das ist, su stillent gegfirtet sin mit 
ubung aller guter werk. [? p ] Das si das lieht sfillend tragen in ir henden, das 

25 ist das si ir eben menschen gutlich vor irn ougen sond sind, wan es ist vil 
menschen, die dis zw tugend an in hdnd, das si 6n todsfind sint und besser- 
lich sint gegen alien menschen, die sich aber dar an sument das si nit 
dankbar sint wan von n5t. so mus der mensch dankber sin; wan die dugent 
der dankberkait ist ain tugend, da all tugent in behalten werdent. wan der 

30 mensch sol billich dankber sin; wenn er ansiht sin selb snddikait, so geburt 
sich da gewari dankberkait umb als das gut das Got im ie gedett. wan dru 
ding verderbent den guten menschen: das ist aigen sinne und aigen wille und 
aigen minne. 




1. ft'(?) vor fins. 2. nach fich Punkt. 3. vor war Punkt. 4. nach hertzen 

Punkt. 5. fur'. nach du und dem Punkt, 6. nach die und wil Punkt. 8. vor ift gc- 

strichenes e. nach nouch Punkt 10. zwischen men fchen und als Punkt, 11 /*. Phtlipper 3,13. 

12. vor in Punkt 13. nach fich Putikt. 14. nach alien Punkt 1G. vor fich Punkt. 

18. nach ftuk Punkt. 19. nach menfch Punkt. 20. nach ftande Punkt. 22 f. Luk. 12, 35. 

23. vor ain und in Punkt. 24. vor in Punkt. 25. nach menfchen, es und Til Punkt. 

26. nach an Punkt 27. nach gegen Punkt 28. nach muf und menfch Punkt 29. nach 
behalten Punkt. 



Anhang: Predict ttber die Lilie. 



77 




Das erst, das ich minen aigen sinnen ze vil wil 15ssen, und ich dar 
inn nit sterben wil, in alien lustlichen dingen, es si in gaist oder in natur. 
11 Das ander, das ich ze vil mins aigens willen bin, das ist wa ich mich selber 
bruch in aigenschaft rainer dinge, da ich Gottes er nit bl6slich inn main. 
f Das dritte, wa ich mich selbe minne nauch lust der natur in Got aid in den 5 
creaturen, da bruch ich aigen minne, und wa ich aigner sinne bin, da don ich 
gewalt dem fatter an siner ewikait; da ich aigen wille bruche, da t6n ich 
gewalt dem sun an siner wishait; wa ich aigen minne h6n, da ton ich gewalt 
dem hailigen gaist an siner guti als vil as es an mir ist. Aber der gut 
mensch, der sich selb nit enmaint noch des sinen nit ensuchet in Got noch in 10 
den creaturen, und in siner minne Gottes ergetzunge sflchet und sich ze maul 
unwirdig dunkt kains guts, in zit noch in ewikait, der ist der mensch, der 
siner aignen minne gestorben ist 

Das dritte, der mensch sol sich glichen dem blflmen, der an dem 
stamme ist, der ist wis und lutter. also sol der mensch sin aines luterns g&t- 15 
liches lebens. Der mensch sol sin lutter an dem libe, er sol sin lutter an dem 
gemut, er sol sin lutter an den werken, wan es sint vil menschen, die da 




lutter sint an dem libe, und an den werken, und mit dem [8 r ] gemut gar un- 
lutter sint. Abe zfi volkumner luterkait h&rt lib und werk und gemute, und 
hertz und alles das der mensch ist; und das er tut und laut, das sol er ton an 20 
us aim luttern gut niemen, und des sinen nut, und sol sin gemut kern in das 
ainfaltig rain blfizz leben Gottes, da er Got maine, in alien dingen, und das 
sin nit. wenne der mensch also ge ain f eltiget wirt in g&tlichem wesen, so ist 

er ain luter mensch. 

Das vierd das us dem lylien kumpt, das ist das simli der tugent 25 
hunderv&ltig fruht gebirt in dem akker des ewigen lebens. des helf uns die 
hailig triffeltikait das wir dar zu kumen. 




1. nach vil Punkt 9. vor gaift Purikt. wil; uber w ein v in Minium. 17. da 
die. uber da o, uber die a (a, a>?). 20/1 das sol — niemen = 'das soil er niemand tun, es 



set denn aus einetn lauteren inner en Vermogen heraus 1 (?). 21. vor in Punkt. 27. Die 
Predigt schliefst Bl. 8 r Z. 11 mit Klammer. Das Spatium fullt ein Miniumschnorkel. 



Namenverzeichnis. ! ) 



Adam 28 



31 



32 



Qenit. Adames 31ci6.i6.39; 
Ace. Adame 32 22. 3721. 



Eva 9 20. 



Jacobus, Verfa88er des Brief es 

des J., 139. 
Jhesu Crist (Nomin.) Schm. 

27; (Vocat) Gm. 59. 113. 
Jhesus (Notnin.) 3 6. 5 so. 34. 

6 34. 737. 86.14. 94. 13 35. 37. 
18)5. 19 17. 2014.21. 226 
23 26. 29 13. 3427.32. 3724. 



40 4. 10. 33 41 8. 33. 



45 21. 



57 14 



59s6. 632; (Qenit) 



2029. 2113.23. 248. 2938. 
3229. 3822.34. 4127. 57 26 J 

(Bat) 1429; (Accus.) 444; 



Jhesu (Genit) 5 23 ; (Bat) 



6 



19 



22 




i:» 



37; 



(Vocat) 34 



62 



63 



Gm. 101. — Jhesum (Bat. T) 
Schm. 8 ; (Accus.) 2 24. 14 26. 

26. 17 13. 33 19. 34 15. 37 30. 36. 

42 s. 
Jhesus Cristus 426. 9 37. 57 10; 

Accus. Jhesum Cristum 

Gm. 93. 
Jhesus Crist (Nomin.) Gm. 16. 

81. 141; (Genit.) Gm. 167. 

Job 4 3. 4. Genit Jobpes 3 35. 

Johannes, Verf asset der Apo- 
kalypse : sente J. din sunder 
drut 6 18 ; bit sines druden 
J. munde 22 36 ; — Verf asset 
der Btiefe des J. : de Godes 
minnere. J. de suze lerere 



n 



*:• 



29; unse here sente Jo- 
hanne (: manne) 57 3 ; J., de 
sunderliche minnere 59 30. 
Judas Judas Ischariot 7 is. 



Mariam (Accus.) 42 20. 
Marien (Genit) Ghn. 82. 

Morses 810. 304. 



Nabugodonosor 1 j9. 



Paul us: sente P. 812. 57 17 
59 26 ; sant P. A. 76 10. 12. 

Pilatus (Genit) 35 ie; Bat 
Pilato 3523. 



Saul I19. 



Thomas, Apostel 37 2 




Zahlen ohne Sigel bezichen sich auf die 'Lilie'; A. bedeutet den Traktat des An- 
hangs, Bl. die 'Blumen des Paradieses', Gm. das 'himmlische Gastmahl', Schm. den 'Schmuck 
der seligen Jungfrauen', Warn, die 'Warnung vor der Sundc'. 



Wortverzeichnis. 9 



abysse stm. Ab grand 5437. 
ah(c)tersprache swf. Verleum- 

dung 9 12. 98-30. 
*ahtersprechfire stm. 

leumder 8 33. 9 i . 
♦ainfeltigen saw. klaren A 



Fer- 




adt?. ganzlich, 
durchaus 40 21. 

aid coty. oder -4. 77 s. 
*aldns cwft?. so, derart 623. 



* 



18 ». 
aleines adv. (?) : dat ende wir 

aleines 8§len ruchen 61 13. 
algader adv. insge&amt 55 35. 
algare adv. durchaus, vollig 

44 is. 52 13. 
algereit adj. gam bereft 612. 
aller fires adv. 27 87 ; aller first 

adv. (hdufiger = zuersf) erst 

dann 5 19. 

almnsene stswf. 59 12. 15. 
alsamen adv. aUe zusammen 

57 13 ; ganzlich 57 29. 
alse samen adj. 48 s 

men 7). 



* 



alze- 



al se 




al ze) 13 is. 61 7. 



alshan adv. 11 9 ( : hant) 
alzan ; oder verschrieben aus 
alzehant). 



an praep. in: der wir nn an 
zuivele sin 45 29 ; zu : we . . 
an nnser minnen dnge 45 31. 



an praep 



ohne 



Gm. 219; 

an 



anuzliche andaht 8 25 ( 

n. a.). 
*anavalz stm. Ambop 16 1. 
andaht stf. Bedaeht 82s. 
anders adv. sonst 32 10. 
anderwerf adv. abermals 

Warn. 35; vgl werf. 

...an (hdufig, 



ane adv. von 



bes. in den Uberschriften) : 

hie sprich . . ane 3 6 ; al hie 



ane sprich 



23 25 ; hie 



sprich ane ... 57 7 ; —praep 
ane stnnde 629. 

ane praep. ohne (hdufig); 
conj. wo fern auch, und wenn 
auch 22 22 (mit Conjunctiv). 
23 10; sonst (mit Conjunc- 
tiv f) 23 w. 

aneginne stn. Anfang (hdufig). 

ane van stv. : 3. p. pi. praes. 
ind. aneyfint 54 11. 

angewinnen stv. abtrotzen: so 
we it sime vleisch an ge- 

wint Gm. 18. 
antwerde stf. (: wnderde) Ant- 
wort 13 37 (sonst antworde). 



antwerden swv. antworten 56 10 
(sonst antworden). 

antwerder 1 23 (sonst ant- 
weder). 

arnen swv. entgeUen Gm.232. 
Warn. 26. 

arcedfe stf.Arznei 29 87. 8622. 

arcetfire stm. Arzt 36 24. 

as adv. als wie A. 76 13. 

aye praep. und adv. ab, herab 
von, von, weg von (hdufig) 
[vgl. dan ave, hon aye, wan 
aye]; wegen: dn salt dar 
aye bluen alse die lilie 

conj. ob 813; wo- 



so is 



1434; 

fern 5 is. 56 18. 61 

mir geschien also, als aye 

ich neme . . . Warn. 39 ; aber 



9 



oder 7 16. Gm. 75. 76 



125 (sonst ove). 
aver adv. abermals, weitcr 8 9 ; 



vgl. ever. 



* 



'praep. nach, 



uber(?): da man it noch 
spuret aver also lane 3528. 



b&gen stv. sich ruhmen 46 is. 
bac stm. Prahlerei 45 33. 46 17 . 

47 19. 
bacslach 8tm.Backenstreich 2 31. 
balsem stm. (f?) Balsam 44 39. 



1 



)Mit 



* 



bezeichnete Worte fchlen bei Lexer. Bei dem sprachlichen Interesse des Denk- 



mals ist die Lautform des Textes der Anordnung eugrunde gelegt worden; doch ist v, u statt w 
und w statt v oder wn nach dem Lautwert emgeordnet, ebenso i unter v und c unter k oder z. 



80 



Wortverzeichnis. 



bar adj. nackt, bio ft 37 si . 
barmehezicheide stf. 27 m 

barmeherzicheide (hdufig). 
bealden stv. behalten 5 is . 

bedalle adv. 22 i (= albedalle). 
bedrigen stv. betrugen 8 6. 8. 

21&6. 45 32. 47 n. 
beduengen swv. in Bedrdngnis 

bringen, bezwingen 3 so ; vgl. 

duengen. 
bedningen stv. 12 ss; t#J. bit 
dnnngen. 

beduongen sit?. 124. 30 s 

bedningen). 
begeyen stv. aufgeben, ver- 

lassen, m.Acc. 325.81. 4 is. 

26. 5 18. 15 87. 28 9. 35 18. 19. 
5017.18. 6228. 

♦behalve siehe halve. 

beide *swf. Harren, Erwar- 

tung 41 n. 
beizel stm. *Nagel 29 82. 30 1 ; 

die beizele sin die dri iseren 

nagele 29 ss.. 
becant part. adj. offenbar: da 

is mine crancheit mide be- 
cant 62 so. 
becoren swv. in Versuchung 



fuhren 4 2. s 



stf. 



Versuchung 



becorunge 

(Mufig). 

Wre siehe froudebSre. 

bereftich (mhd. berhaf tic) adj. 
fruchtbar 29 2e; Gegensatz 
unnuzze : dn maht ... be- 
gizen dine durre nnnnzze 
erde, dat si naz inde b. 
wirdit. 

bench ten swv. richten, ein- 

richten 6 20. 20 24. 54 8. 
bermeliche adv.erbdrmlichdOiB. 
bernen swv. brennen 17 si. 



CH? 



2.1 



bnrnen. 



38; 



vgl 



birnen 



> 



bescheiden part. adj. bestimmt : 

die yngele havent ire nost 
b. 21 8*. 
bescheidenheit stf. ErkentUnis, 

Einsicht 24 2s und hdufiger; 
* Bescheidenheit 61 8. 



bescheidinisse stf. (7) Kunde, 

Bedenken (?) 49 6. 
♦beschlden swv. (?) bdehren 



o 



•:• 



is (zu beschide adv. 



Tdug oder verschrieben aus 
bescheiden F). 

beschden swv. beschauen 266; 
beschdhen Gm. 140; sonst 
beschowen. 

besezen swv. ein~, festsetzen, 

besUmmen 526.26. 
bespuen(?) stv. bespeien 2 82. 
*besserlich adj. zwr Bessenmg 

gereichend A. 76 21. 26. 
bestan stv. ausharren 525; 
*bestehen aus: dit sint die 
vir done da die werelt ane 
besteit 26 1 7 ; etwas in Bede 
oder Schrift behandeln: nu 
muz en wir volgen der mat- 
terien, die wir bestan den 

haven van der lilien 48 si. 

besuchen swv. *prufen f er- 

proben 53 s; part, besut 

20 19. besuht 53 8 ; vgl un- 



be- 



besntten. 
besut siehe besuchen. 
betirmen swv. drtlich 

stimmen, versetzen 25 32 

bevallen stv. *gefaUen 5428. 

bewangen 28 is (part, zu stv. 
be van). 

bevil stm.: sich cebekerene ze 



Gode bevile 



Gode ze 



bevile) sich Gottes Obhut 
Hbergeben 5 7. 
bevonden stv. finden 9 26. 



part. 



gefunden 



bewnden 

60 17. 
bewant part. adj. verwandt: 

die uns van der naturen 

sint b. 58 17. 
bew£de(?) 43 




megede) 



kontrah. aus bewegede. 
beweichen swv. erweichen 19 4. 

24 s. 30 16. 
bewSren swv. kundtun 522; 

bezeugen, bekrdftigen: als 

mich die scrift b. mach 
Schtn. 31. 



bezeginnunge 




Bedeutung 



Bl 32 (zu bezeigen [?] oder 
bezeichenen). 
bezeichenisse stf.(?) Sinnbild 

61 19. 
bezugen swv. uberfuhren 19 27. 
bigeten swv. beichten Warn. 

33. 36. 
bigeth stf. Beichte Warn. 37. 

bilde sin. VorbUd 54 10. 

binnen siehe inbinnen. 

birnen swv. Gm. 41 (= bernen). 

bit praep. mit (hdufig). 

bit dnnngen part. 34 m (zu 

bedningen). 
bit zeichenen swv. 47 24, sonst 

bezeichenen , beceichenen 

(hdufig). 
biven swv. beben 34 zs. 
bivnnge swf. Beben 36 29 ; vgl. 

ertbivnnge. 

bi wesen: Jhesns is deme 
herce bi 39; da ime bi was 
siner mart i lien dach 41 9. 

biz conj. bevor nicht 27 ss. 

*bi zemen siehe zemen. 

bl&sbalch stm. Blasebalg 15 ss. 
blichen stv. gldnzen 42 11. 
bloslich adv. lediglich A. 774. 
blumet adj. blumig Schm. 34. 
bonnen siehe inbinnen. 
breide stf. Ausdehnung 57 ss" 
breidel stm. Zugel 61 s. 10. 
breiden swv. ausdehnen, aus- 



breiten: 
gfider 



die 



minne 



heimelicheide , 



der 
die 



wir aller erist sulen an 
nnse gesinde br. 5825. 

brengen swv. bringen (hdufig). 

bruchen swv. brauchen 4.776.7 ; 
wa ich mich selber brnch 
in aigenschaft rainer dinge, 
da ich Gottes er nit blos- 



lich inn main 



wofern 



ich mich verhalte wie etwas 
Selbstdndiges , ohne dabei 
lediglich Gottes Ehre m 
Auge zu haben A. 77 4. 
brneden swv. brut en: die sun- 
den . . . brneden Warn. 35. 



Wortveweichnis. 



81 



bruen stv. brauen 50 20. 25. 
bftden sfv.: dat man den cu- 



nigen budet here 



dap 



man den Kdnigen Ehr- 

erbietung erweist 16 29. 
buen stv. bewohnen: sal Got 

din fierce bnen Gm. 163. 
bole swm. Buhle 44 35. 
burne sunn. Brunnen 45 23. 25 27 ; 

vgl. Bprincbnrne. 
bnrnen sicv. 45 24 (= bernen). 
busen swv. besscm 54 is ; buflen 

Warn. 33; vgl gebuzen. 



e siehe k und z. 



dach s(m. Ta^r, .LicAt (pfter; 

dag TFarn. 10). 
d&gelich sidte lich. 
dait 531, vgl. dfln. 
dan ave adv. davon, von dort 

57 s. #m. 16; t^J. ave. 
dart 2224; vgl. durren. 



dei dich 50 22 



deit dich. 



deil stm. : ich willen dich eines 



deiles leren 



ich will dich 



nach einer Seite hin daruber 
belehren 10 n ; da yore eines 



deiles steit 



*weiter obcn 



steht irgendwo an einer SteUe 
1; — di selicheit is dir 

endeil gedan 14 35 ; wi is it 
den wrmen ein d. gedain! 
18 7; die deme viende waren 
worden ze deile 19 10 ( 



zu- 



tetT); 



Seite 31 n. 



der adv. 7 14. 19 is. 23 15. 46 33. 



58 24 



dar. 



der adv. Gen. (?) wcshalb ; oder 



gleichfalls adv. 
darob A. 75 e. 



dar 



derf 



adj. 



ungesauert , 



un- 



dief, dif stm. Dieb 2 ss. 38 10 



> 



dinstetich adj. dienstbereit 27i5 
ddf adj. taub 142. 



doit 



ddt 



done stn. Ding (hdufig). 

dorste, dorte, dorten siehe 
durren. 

ddt stm. Tod ; adj. tot (hdufig) ; 

Absterben: yan dode irer 
lifhovede 3sa. 

do wen swv. dahinsterben: so 
man in baz beschouuet, so 

man me na ime dowet 

Gm. 176. 
dres (hn. 69 contrah. aus 

dreges. 
driecgeht adj. 61 19; drieckih 

61 27. 

droffe sum. Tropfen 35 4. 
dron 31 26. 32 17 ; Dat. plur. zu 

dri, dru. 
dronken stv. trinken (hdufig), 
drnen siehe intdrden. 
drns^ze stem. Gm. 68 ; = spl- 

sSre Gm. 64. 
drat siehe sunder drut. 

druvicheit stf. Betrubnis 

42 28. sc. 

du f du adv. = mhd. dd (hdufig). 

dftch 3. p. 8. praes. zu dugen. 

dude stf. ErlUdrung; dit han 

ich alsus gesprochen ze d. 

deutlich, ausfuhrlich) 25 19. 

dugen stv. (d&ch 3. p. s. praes.) 

taugen 5 15 u. sonst; Kraft 

haben, wert sein 29 14 ; wur- 

dig sein : we aller meist an 

unser minnen duge 45 31. 
dun an. v.; praet. meist dede, 



endeil 

factitiv : 



gegohren 5026. 
des adv. Gen. deshalb 1 13. 

Warn. 33. 
♦des ze adv. mit folg. Com- 

paratdesto 19 n. 253. 362. 

46 5; deste Bl. 48, Warn. 41. 

die art. und pron. rel. hdufig 

fur de, der. 



Deutiche T«t« d«i MittoUlten XT. 



doch 521 dait? 

dun stc^e deil; 

si daden die sele yan deme 

lichame scheiden sich 38 14 ; 



ze 



si dat gecimbere . . . 
samene hangen deit 46 10; 
die de lude deit an der 



minnen duren 52 s. 



die 



helige scrift die deit uns wis 
Schm. 5 ; he deit uns des ge- 
wisheit Gm. 9. — vgl. ged&n. 



dur stf. Bedauern: des hat si 
harte lutzel dur, dat si in 

. . . *sie tragi gar 



leistert 



kein Bedenken, ihm die Ehre 
zu nehmen f Gm. 196. 

durch, dur praep. urn — willen 
m. Ace. (hdufig) : durch nith 
grundlos (?) 9 12 ; durch noth 
notgedrungen 9 27 ; — durch 
(kausal) 22 6. 6. 25 2. 14. 

durchverdicheit stf. Durch- 

dringungsfdhigkeit: d.; dat 

din lichame so cleinlich sal 

dat in geinre hande 
lichame dir widerstain in 
mach, du in muges dar 
durch varen 6 so. 



sin 



» 



durch wert 6 



(3.p.s. praes 



zu durchvaren). 
♦durne crftne swf. Dornen- 

krone 35 si. 
durren an. v. ; 2. p. s. praes. 

dart 22 24 ; praet. dorte ; be- 



dur fen , brauchen , 



ndtig 



haben 7w. 22a«. 2625. 322; 
vgl. durven. — praet dorste 



wagen 



259. 



28 18. 3132. 



59ss; vgl. gedurren. 

durven an. v. ndtig Ihdben, 
bedurfen 421; de ingeine 
sunde indaf clagen == der 
uber keine Sunde zu Idagen 
hat 29 4; it in darf in nie- 
mer werden leit Gm. 122; 
praet. dorte ? vgl. durren. 

dus adv. so, derart 2230. 

dusentwerf adj. tausendfach 

11 29. 

♦dusichsiste pron. 
tausendste 50 7. 
duve swf. Taube 8 7. 
duvelich adj. teuflisch (hdufig). 

be- 



adj 



der 




duengen swv. 61s 

duengen). 
duingen stv. zwingen 5 6. 



ecker adv. blop, nur 522. 

1883. 228. 237. 5028. 5337; 

auch(?) 508. 

einen ihn 2 28. 




82 



Wortverzeichnis. 



eines adv. einst 18 26. 21 20; 

einmal Warn. 15. 
einich pron. irgend ein (haufig) ; 
vgl ieinich; — aUeinig: de 

ecker die einige wordige 
dine sint = die Mop die 
worUichen Binge sehen 

die am Buchstaben {soil, des 
vorhergehenden Ausspruchs) 
Ideben 622. 
♦eincllche adv. jede einzeln (?), 

aUe zusammen(?) 12 15 
eineellche oder einzliche?). 

*einmfitliche adv. einmutig 

5425. 

eiter sin.: dat eiter der nn- 
dfigede 16 11. 

§lich adj. heilig: die elige 

geist 22 27. 
emzliche adv. eifrig 36 16 ; vgl. 

iemzllche. 
enbietten stv. : - gegen dem 

menschen gntlicher 



en- 



bietten 



sich gegen den 



Menschen freundlicher be- 
nehmen A. 76 5. 



endeil siehe deil. 



engestlich 



adj. 



gefdhrlich 



5 10. 12. 9 34. 10 84. lis. 9. 

12 20. 21 25. 34 18. 46 15. 17. 

♦engetrue adj. ungetreu 18 4. 
ent- vgl. ouch int-. 
entf&n stv., vgl. intf&n. 
entfengen swv. entfachen, an- 



zunden 2 13. 528. 582$; int- 



fengen 15 20. 57 n. 
er- vgl. ir-, re-, 
erbelgen stv. erzUrnen 20 28. 
§res siehe aller fires, 
erg&n stv. zergehen 18 s. 
erhaven adj. part, bemerkbar 

47 is. 
erheven stv.: 2. p. a. praet. 

erhuflfes 18 2. 
♦erker adv. hinge gen 15 9. 16 1. 



*erkers adv. 14 82 ( 



erker). 



erl&ten swv. erleuchten 67. 

49 4. 
erscheinen swv. trans, zeigen, 

offenbaren 41 35. 



swv 



aufrutteln 



erschudden 

34 is. 
ertbivunge swf. Erdbeben&J 15. 

erven swv. vererben: si . . . 
hay ent dat jemerliche erve 
np uns geervet 927; mit 
Erbgut begaben: alle die 
ire kint bit suntlicbeme 
gfide ervent 503. 

ervfiren swv. erschrecken 82s; 
erwerin 48 s, irveren 5932, 
reveren 8 27 ; vgl. unreveret 

ervollen swv. befriedigen 16 17. 



et 431 



iht). 



evene adv. in gleicher Weise 

40 83 u. 6. 

evenkirsten stm. Mitchrist 20 22. 
evenkristene swm. dasselbe 

4835. 

♦ever adv. abermals t wiederum 

10 4. 18 23. 2326. 363. 40 17. 

41 11. 46 1. 52so; vgl. aver, 
ewe stm. Gesetz 59 28. 29. 
6welich, fiwilich adj., ewe- 



licbe 



» 



gwillche adv. twig 



(haufig). 
etzwat, ezwat pron. 13 6. 62 1. 
ezwanne adv. bisweilen 4 15. 
ezwie adv. irgendwie 6 9. 



f siehe v. 



geb€re stn. Betragen 36 11. 
gebruchen swv. geniepen 34 24. 

41 29. 44 s. 46 32. 
gebur stm. Burger, Einwohner 

192. 

gebnt 86 34 (part, zu biizen [?]). 

geb&zen swv. Besserung, Lin- 

derung schaffen 62 is; vgl. 

biizen, geb&k 
ged&n adj. part, beschaffen 6 25. 

826. 1436. 1936. 2230. 2338. 

36 23. 5221. 5734; dan 7 10. 
gedene stn. G est alt 24 15. 
gednrren an. v. durfen, sich 

getrauen Warn. 22; vgl 

dnrren. 
gehdren swv. passen 1926; 
m. Dat. anhdren 60 34. 



gekdse sin. Geschwatz 928. 
gecrenken swv. schwdchen 5 0. 

gelaht 18 22. 24 ss. 38 a. 52 34. 

5929 (part, zu legen). 
gelas stn. Glas Chn. 197* 
gelazen * g otter geb en 36 as. 
gelden stv. vergelien 3227; 

abstatten, etiegen 43 ss u. 

sonst. 

gelich adj. *sofortig 10 36 ; adv. 

*sogleich 60 25. 
gelicbe adv. *sogleich 60 37. 
geltcbenisse stn. EbenbQd 1 30 ; 

eines Dinges gelichenisse 

einem Dvnge ahn- 



* 



ypo- 



* 



han 

lich sein 46 9. 

gelichsemere stm. 

crite 84. 
geldnen swv.: des du selve 

nit in maht g. 30 13. 
gelovede stn. Gelubde bn. 

15.5; vgl. gel&vede. 
geloven swv. loben 60 7; ge~ 

loben (Erganzung u. Gegen- 

satz: leisten) Gm. 195. 
gelovere stm. der, welcher 

ein Gelubde, ein Versprechen 

ausspricht 15 7. 
gelnstelich adj. anreizend I9. 

gelustliche adv. 43 19. 
gel&vede stn. 5 33 (= gelovede). 

gemach stn. Bequemlichkeit 
(haufig) (Gegensats : nn- 
gemach 22 9 ; arbeit 32 13). 

gemazen swv. messen 42 18. 

gemeine adv. insgesamt 35 is. 

genaden swv. Dank sagen 

6224. 

gendit 18 1 



geendet). 



* 



genficken swv. sich ndhern, 
heranreichen an 61 34; vgl 

n€ken. 

generen swv. sich am Leben 

erhaUen 421. 
gengelfire stm. Wanderer 18 29. 

33 is. 
genidern swv. erniedrigen 17 to. 

genieden swv. Schm. 34. Gm. 23. 
genkelich siehe zegenkelich. 

♦gendde adj. bedurftig 23$$. 



Wortverzeichnis. 



83 



genuzen stv. genUpen, 



9* 



brauehen 30 is. 



gerech 



SWV 



voUig 



aus 



sprechen 41 



gereichen swv. erreichen 53 is, 

gereit adj. bereitwiUig 2 s 

16 9 u. & ; — gereith Warn 



46 




bereit) 




gereit adj. gerecht 58 is; t 

reit (oder = bereit, tuchUg ?). 
gerliche adv. ganzlich 4 m. 
gerftchen swv. geruhen 28 10. 

7; wir s&len der 



45 



62 



vroweden da gebruche 



j 



da 



in geine unvrowede in mach 
zu g. wozu sich kem Leid 



je gesell 



harm 41 



begehren m. Genit. Gm. 174 



* 



gerii 



swv. begreifen 



ver 



stehen 52 



geruchen (?) 



Boeihe vermutet EntsieUung 
aus gernrin 'erfassen 1 . 

geschien pari. perf. Warn. 88. 

gezamenen swv. versammeln 
Schm. 46. 

gesat 13 17. 33 (part, zu setzen). 
gescheffede stn. Geschopf 26 2. 



geschefhisse 



8tn 



Geschopf 



48 



gescheppenisse 26 



gescheide stn. *Trennung 41 
geschln swv. geschehen 38 



44 
3a 



geschit 3.p. s.praes 



61 



3. p. 8. praes 



oder pari. perf. 37 30. 60 



pari. perf. 25 



geschien 



pari. perf. Warn. 38. 
gesmach stm. Geruch Gm. 29 ; 

vgl. smach. 
♦gesmachen swv. auskosten, 

schmecken 45 19. Ghn. 55. 121. 

Warn. 15. 
gestalt part, zu stellen: die 

wege ... die zn der hellen 

sint g. Gm. 203. 
gest&n stv. aushalten: it is 

ein arm vrowelin die dir 

gesteit 42 31. 
gesterren adv. gesternWarn. 10. 
gestirre sin. Gesamtheit der 

Sterne 26 7. 



♦ 



gestreck adj. gradeaus ge- 
streckt(?) oder part., entsteUt 
aus gestrecket (?) A. 76 11. 

*ge8tnen swv. wahrnehmen 3 1. 

gesnalt adj. pari, aufgeblasen 

16 11. 
getrnnten pari, zu stv. trinten 

sehweUen : gesnollene inde 
getrnntene gemnde 16 15. 

getznat pron. eiwas 48 7 ; ge- 
zwat 22 13. 

gevar adj. : schoner . . . inde 
baz gevar M. 3. 

gevaren stv. fahren 17 19. 
geyirren swv. entfernen 26 s. 
gev&len swv. verfaulen 6223. 
gewait stn. Gm. 216. 
geweren swv. gewdhren, m. 

Accus. d. Pers. und Genit. 

d. Sache 40 10. 14. 48 1 . 
gewerf stn. Werk, Zeug 50 25. 
gewisen swv. eeigen, *m. Accus. 

d. Pers. und Genii, d. Sache 

60 85. 

gewiase adj. : of si sint g. der 



selen val 



wofern sie 



sicher sind, dap der Seele 
der FaU droht 46 14. 

gewon stm. Gewinn 19 s. 

gewrme stn. Gewurm 3 so. 

gews 33 s praet. zu gewasen 



heranwachsen 
weset 




wasen 



stn. 



Gebaude 



die 



gecellen swv. zahlen 1 1 30. 
gezen stv. essen 9n. 
gecimbere 

46 10. 11. 
gezogenlicbe adv. mit Map, 

Ordnung 14 21. 
gezuge swm. Zeuge 14 1. 
gine pron. diejenigen : 

gine die Coherent 49 21. 

ginen swv. das Maul auf- 
sperren : de nnmeziche mut, 
de imer ginende is nppe 
dat nnseliche gut 21 s. 

glichen swv. vergleichen, *m. 
Gen. d. Pers. u. Dat. d. Sache 
A. 75 4 ; *m. Accus. d. Pers. 
und Dat. d. Sache A. 77 14. 



glommen stv. glimmen 43 m. 

gomme swm. Edelsiein 15 14. 

grade 9 16 (praet. zu swv. grnzen 
grupen [f\). 

grnz stf. Korn; Sand- oder 
Gerstenkorn ? : zu dineme 
bire is bose g. gemenget 

50 23. 



halfllach sim. Nackenstreich 

2 ss. 
halve stf.(?) Seite; van des 

halven von Set ten 4428; da 

in is nit ane be halve den 

namen daran ist nichts aufkr 



dem Namen 



aUes das ist 



nur leerer SchaU 48 0; in 
beiden halve nach beiden 
Seiten hin 53 29. 
hant stf. Art 630. 83. 529. 

59 23. 60 17. 

hantgebfre stf. das, was man 

in der Hand tragi Schm. 7. 

harde adv. (steigernd): h. vile 

alzebreit 22 14. 

hardicheide stf. Verhdriung 

292i. 
barpe swf. Harfe 43 85. 
harpen subst. Inf. Harfen 

Schm. 43. 
have sif. Wohnung, Habe: 

selve dede, selve have 

wie man sich beitet, so Uegi 

man Gm. 49. 
haven swv. *wohnen 544. 
*havien swv. inne hdben, be- 



wohnen: sine 
is so zart, . 



. minne si 
dat si dat 



herce wilt havien eine Gm. 

161 (zu have oder zu as. 

hebbian f). 
heimelicheide, heimelicheit stf. 

Verirauiheit , Heimlichkeit 

(hdufig). 

heit stm. Eid Gm. 64. 

hellewizse stf. HdUenstrafe 

820. 
*h6re stf. Ehre, Herrlichkeit, 



Hehrhett : 



dat 



man 



den 



c&nigen bndet here 16 29; 

6* 



84 



Wortyerzeichnis. 



de dich hat gemachet z& 
also grozen heren 26 so. 

hereit stf. Herrlichkeit 48 u. 

♦herevort adv. naher heran 

11 u. 
hevil stm. cwfor s*n. Hefe 50 26. 
hdfart stf. Hoffart Gm. 227. 

234. 
h6f erdich adj. hoffartig Bl. 49 ; 

vgl. offerdich Schm. 20. 
hdgecit stn. Hochzeit 40 1. 
hoi stn. mhle 21 84. 
hon aye adv. hiervon 7 m. 

4929. 6082. 

honder praep. tenter 11 si. 
honderwert adv. ruchoarts 11 8. 
honne adv. hinncn, von dannen 

1225. 

hor stn. Schmutz Gm. 181. 

Warn. 41. 
h6nre ewir. hoher 48 21. 
hovetsunde s*/I Hauptsunde 

820. 
hnlpelich a#. Mfreich 39 12. 
husrait sfm. Hausrat Gm. 215. 



1(?) oiv. jemals (im Gegen- 
$atz zu einem zukunfHgen 
Geschehnis): die de keise- 
rinne bewegen sal oye i 
bewede 434. 

idel adj. leer 12 7 (Gegensatz : 




idoch adv. jedoch 43 z 
♦ieinich pron. jemals 



gend 



einer 21 6. 6 ; vgl. einich 
(*)iemzliche adv. «=» 



liche 



xmmer 



'frig 



le emz 



alse 



die gelazenen plegent iemz 



liche 



tote e* gewdhn- 



Itch geschieht, wenn ein Gott- 
ergebener scheidet 36 86. 
iewelich, iwelich |won. /e^- 

tater (hdufig). 

*inbarmen swv. erbarmen 19 29. 
inbern swv. entbehren. Verzicht 



leisten 61 



Gm. 11 



in 



berrin Warn. 48 



inbinnen adv. 9 mien 811 (Gegen- 
satz: inbuzen). 3728. 4440. 



62 2 (Gegematz : as wendich) ; 



binnen 829. 



praep. 556. 




in- 



inbonnen adv. 232 
binnen). 

inbuzen adv. aufien 8 11. 
indaf siehe durven. 

indorten siehe dnrren. 
inremmen swv . zermalmen (zu 

rammen) Gm. 224. 
intbinden stv. begriffHch ent- 



wickeln 



erJdaren: einer 



hande minne 



1 



die mir 



noch nit wale is intbunden 
60 is. 



intdruen inierj. Gm. 48 ( 

intrinwen). 
intenen 49 20 stv. 



mhd. 



intheven 

oder 8tov., verschrieben aus 
interyen (: erve 49 19) ; oder 



inteuen 



intewen, der 



1 



Bechte berauben 
machen. 



1 



gesetzlos 



intlochen 39 16. 45 27 (part, 
perf. zu stv. intluchen er- 
schliefien, aufschUefien). 

intuflachen pr aep. zwischen 52 6 ; 

adv. untereinander 60s. 
intf&n, intfain stv. 16 2. 22 so; 

intfen 1. p. pi, prats. 



ind. 44 



intfeit B.p 



praes. ind. Gm. 152; 2. p. pi 



enty6 3. p. s 
intfangen part 



imper. 55 

conj. 4 8 ; 

praet. 56 s. 
intwachen swv. erwachen 12 19. 
int warm en swv. erwarmen 55 12. 
invollen adv. vollig 29 7. 60 7 ; 

inwollen 29 10. 
inyurich adj. feurig, inbrunstig 

4384. 

ir- vgl. auch er-, re-, 
irholen swv. erwerben: si dat 
hant irholt an dich sie 

haben es um dich verdient 

Gm.129. 
irllhten swv. erleichtern 598. 
irre adj. schlecht, welUich 

Gm. 36. 239. 

irre're stm. der im Irrtum Be- 
fangene 47 ss. 



tsern stn. eiserne Waffe oder 

Werkzeug 30 6. 
it hdufig adv. = iht, ith: it 

gif ime grozen danc 14 ». 
iweder pron. jeder von beiden 

386. 
izu 10 so, izu 8 22 adv. immer- 
fort. 



Jagen swv. : soch dat da wolt, 
angeneme were, it in wide 
gejaget sere f suche das, von 
dem du wunschest, da/3 es 
unannehmbar ware, wo fern 
es nicht muhsam erjagt isV 

nur das muhsam JEr- 
rungene gereicht der Seele 
sum Heily so wis der Pfennig, 
der nicht dutch die manse 
gejaget (gepeimgt) ist, on- 
geneme ist 4 12 ; vgl. manse. 



eallen swv. laut sprechen 28 10. 
keldene stf. KdUe 11 20. 
kelken swv. tunchen 811. 

keltere stn. : des crnces keltere 

422c; in deme keltere des 

widermudes 50 29. 
keneht stm. Knecht 19 m. 
klsen stv. deutlich erkennen 

Schm. 16. 
claffen swv. schwatzen (7m. 221. 
cleinlich adj. fein, aufs feinste 

teilbar, dtherhaft 6 so. 7 s. 
*cleinung stf. Beraubung, Ab- 

wendigmachen ; cleinnng yon 

den frftden Gottes A. 75 1 1. 
dim ben stv. Idimmen, auf- 

steigen 17 29. 
cond stn. Kind: van conde 

von Kind auf 11 ss. 
conf stm. Kaufpreis : hie liget 

diner minnen ein dnre conf 



crea- 






84 89. 

crature si (?)f. 2b zs ( 
ture, hdufig). 

crede sw(?)f. Krdte: slangen 

inde creden Gm. 209. 
crnmbe st (?) f. Krum mung 3 12. 
cruce stn. Kreuz (hdufig); 



Wortverzeichnis. 



85 



Leiden 30 so. 40«. 4226; 
Verdienst dutch Leiden : ein 
iwelich sal da na sineme 

eruce schinen, dat is, na 
sinen dftgeden inde na sinen 
pinen 42 u. 42 17; 
durch Chris tus 31 is. 



•Heil 



come adv. kaum 31 10; c&me 

52 94 ; vile cfime 51 8. 
canst stf. Erkenntnis 9 10. 
cnrellche adv. wohlbedacht 

2 17. 

easchicheit avf. Keuschheit 2i 
(sonst cascheit, cuscheide, 
hdufig). 

kuslich adj. keusch BL 34 
(sonst cnsche). 

kusliche adv. BL 10. 

cnssinge stf. Kup 44 37. 



lage stf. HinUrhalt 46 15. 
laggen swv. lachen Gm. 221. 
langede stf. Ldnge 5 14. 
lantlftde stm. pi. Landsleute 

58 si. 
legen 



sum. beimessen , 



zu- 

schreiben: das er das git 
. . . nieman z& legen sol . . . 
denn Got allain A. 75 19. 

leisten swv. erfuUen (Ergon- 
zung und GegensaU zu ge- 
loven) Gm. 195. 

leistern sun?. Idstern Gm. 197. 

lenen s«w. verleihen 46 24. 

lengen stw. erstrecken, aus- 
dehnen (oder = lenken?): 
dar du dine minne salt 
lengen 48 22 ; — den breidel 
lengen 61 10 (= verhengen 
61 7). 

levene adj. lebendig 3 14 (ver- 
schrieben aus levende oder 

levenden ?). 

♦levich adj. lebendig 45 2s. 
-Uch : 



: aller lidelich ein jedes 
Glied 24 ss; aller mensche 
lich ein jeder Mensch 43 92 ; 
aller dagelich jeden Tag 

Warn. 17. 
lichane (= llchame) hdufig. 



lidelich siehe lit und lich. 
lief stm. Leib Gm. 125 ; vgl. lif . 
lieth adj. licht Schm. 15 ; vgl. 
lith. 

lilie swf. (hdufig; auch A. 

75 1) ; vgL lyU. 
linen adj. leinen 38 is. 



link adj. link 



c/» 



lit 



(GegensaU 



cesfte); sonst lore 
♦llsllche ado. sati 




38 14. 
lit stn. Glied 24s9. 57 2s. 31; 

lith 57 is. 
lith stn. Licht 23 so. 32. 
lif stm. Leib (tote llchame 

meist im GegensaU tu sele) 



6 33. 16 3S. 30 26. 35 



36 



4027. 43 16. 477. M22. 57 10. 

Gm. 30. 210. 223; vgl. lief; 

Leben: in diseme live 
8. Gm. 205: zti deme 

12: na di- 



4188. 

ewigeme live 48 






seme live 62 21 ; der werilde 

lif Gm. 235. 
lif adj. lieb (meist im Gegen- 

saUzu leit) 15 10. 344 49 2s. 

63 s. 0m. 189. 
live stf. Liebe Gm. 172. 
liven stv. ubrig bleiben Warn. 

24. 
lifhovede stf. Leiblichkeit 3 ss. 
ldsere stm. Erldser 38 1 . 
losschen swv. versteckt sein 

16 11. 
lossen swv. zuhbren, horchen 

A. 77 1. 
ldsnnge stf. Erlosung 27 31. 

31 14. 

16f stn. Laub 34 88. 
lnht stf. Luft 26 38. 
luhte stf. Leuchte 44 is. 
lore adj. link 12 11 (Gegen- 
saU reht). 55 si (GegensaU 

cesne). 

Inter, latter adj. heU A. 76 23 ; 

rein, lauter A. 77 15. is. 17. 

is. 21. 24 (GegensaU nnlutter 

4. 77 19). 
luterkait stf. A. 77 19. 
lnterliche adv. deuUich, genau 

29 16. 



Intchel 48 26 = Intzel , lftzeb 

lnzcel (hdufig). 
lucerne swf. Laterne A. 76 28. 
lyli swm. A. 75 2. 76 is. 77 25. 



machen: da he siner minnen 
sin herce mache wo er fur 
seine (GoUes) Minne sein 
(des Menschen) Herz emp- 
fanglich machen kann 29 2. 

made swm. Wurm ; hier in der 
Bedeutung ' *unentwickeUe 

Leibesfrucht ' ? 30 25. 

mainen swv. seine Gedanken 
auf etwas richten: der sich 
selb nit enmaint der nicht 
selbstsuchtig ist A. 77 10. 

m&ne stm. Mond 26 7. 

man en swv. reizen : die engest- 
liche stolzheit liget imer in 
den lagen, dat si den gnden 
man de sich siner gnden 
bagit 46 14. 

maninge stf. Mahnung 28 17. 

martelen swv. mariern 20 s. 

martelere stm. Martyr er 43 11. 

martilie swf.Marter, Passion 



2 



6 



13 



14 



36 



41 9. 42 24. 



materie swf. 16 3. 55 »; mat- 

terie 48 so. 
mazen swv. messen 42 is. 
mensche lich siehe lich. 
merunge swf. Abendmahl 59 36. 
michel 15 20. 27 s. 30 11. 49 ss, 

stets adv. vor Comparativ; 
adj. Gm. 150. 
min adj. compar. weniger: 

michel min 49 35; me noch 
min Gm. 115. 
minniste adj. superl. (swm.) 
der Geringste 56 11; 



zem 



minsten 
A. 75 is. 



adv. 



wenigstens 



minre adv. comp. zu min 509. 

mine swf. Myrrhe 36 38. 

missegan stv. verlustig gehen: 
si da nit dis inmissegeint, 
des ir lief ave ir herce gert 
6471.124. 



86 



Wortverzeichnis. 



misseg&nt subst. stv. Fehl- 
schlagen [entsteUt aus misse- 
g&n, misseg&nde ?] : da in 
is sint ingein missegant da 
ist ihnen furderhin kein 
Fehlschlagen = dessen sind 
sie fur aUe Zukunft gewifi 
Schm. 10. 

moite Gm. 71. 120 (= mohte). 

morder stm. Morder A. 75 18. 

morter stm. Mortel 46 9. 12. 

mulich adj. ldstig f peinlich 18 is. 

munze stf. *Prdgung 4 8. 15 32. 

mursel stn. Bissen, Lecker- 
bissen 23 6. 

mut stm. Sinn (hdufig); dat 
in is ze mfide was ihnen in 
den Sinn kommt 46 so. 

*muthnisse stf. Verdriepiich- 
keit, Beschwerde 32 24 (wohl 
zu mfthen verdriepen, be- 
schweren). 

muzliche adv. ausgiebig, lange 

3429. 



*mch adj. naekt 564. 
nachet adj. 22 1. 339. 36 s. 

5521. 
*nachtheit stf. 2 34. 
n&gebur stm. Nachbar 58 so. 
nap stm. Kelch: in deme nap 



der martilien 6 



narre 



adj. 



comp 



zu 



na: 



narre sibbe ndherer Vet- 

wandter 4425. 
n£ken swv. nahern 3s4. 
nidech <u2/. neidvoU 223. 
nideren stw. erniedrigen 25 is. 
nieden siw. re/L mtt £rem& 

(fer Sache: sich annehmen, 

pflegen Bl. 19. 

niman adv. 24 ss 



nie m6 



ane). 



nirigen adv. nirgends 575. 

nit stn. *NichtigeSj Vergang- 
Itches: das nit da mit er 
sunden mag A. 76 1 . 

nit *im. JVeaV? 85 14. 

nith 9 12 (=» niht oder nit?). 

nltllche adv. feindseUg 38 ie. 



noch adv. dtsfcr : dat ich noch 

gesprochen han, dat is nit 

42?. 
noch dan adv. weiterhm, fur- 



derhin 



1235. 



26 1. 28so. 



4629. 50 17. 54si; ubrigens 
53 27 ; ouch dann noch (06- 
gleich?) 28 is. 
noch da adv. damafe noch 32 4. 

fcawro , ungern, 



n&de 



adv. 



schwerlich 29 28. 

ndde ad;. (?): die dich nn 
erhevent, die sint dich dan 
vile node = die werden dir 
dann sehr mangeln 17 37. 

nost stn. Nest 21 34. 

nonch conj. noch A. 76 8. 

nun pron. num. neun 42 4. 

♦nunslaht adj. neunfach 11 is. 



offerdich 



hftferdich. 



nut A. 71 21 ( 



niht). 



nutz nichts A. 76 15. 

nutzen swv. genie (ten 39 25. 31. 



dmudicheit stf. 7 15 (= dt- 

mudicheit). 
on pron.pers. Accus. sg. u. Dat. 

plur. ihn, ihnen (hdufig). 

orden stm. Begel 58 8. 9. 
ordinftren swv. einrichten, 

ordnen 58 19. 
ort stn.(?) Stuck, Endchen: 

ein cleine ort in wirt dir 
nit gelazen, du in mazes 
it wider geven 47 s. 

6tmudich adj. demutig {hdufig). 

dtmddicheit , dtmftdicheit, 6t- 
mutdicheit (17 29) stf. Demut 
(Mufig). 

dtmudichen swv. demutigen 

17 14. 

of, ve, owe (45 32) conj. oder ; 
wo fern, wenn; ob (hdufig). 

oven stm. Of en 1526.27. 
overenzicheit stf. Uppigkeit 
51 19 (zu ttbereinzic uber- 

flussig). 
overgnlde stf. das Hochste: 
he is aller fronden ein 0. 

Warn. 45. 

offennnge stf. Hoffnung 53 15. 



oviz stn. Ob st 9 12. 



path stm. Ffad Schm. 25. 34. 46. 
pilSre stm. PfeUer 35 27. 
plncken swv. reifkn, zupfen 

3535. 

predichtoe stm. Prediger 58 12. 



pretchen swv. subst. 
Predigen 



(stn.) 




quan 5? 




qnam). 



quit 3. pers. s. praes. zu stv. 
qneden: dat quit dot heifit 

41 29. 42 1. 50 27. 51 25. 



re- vgL auch er-, ir-. 

reide stf. Rede Ghn. 50 (sonst 

rede). 

reit adj. recht 584. 6I9; vgL 
gereit. 



reit 



tr% 



4 



1 



reith Gm. 117 stn. 



Becht 




recht, reht). 



reite adv. recht 57 26. 59 4. 
recken swv. erheben : die minne 
die sich recket an den geist 

52 32. 

reculen swf. erkalten 11 19. 
reth 8 10. 11 
rewarmen swv. erwarmen 11 so. 
rlchen swv. herrschen, regieren 

635. 
riden stv. knken: he ... ridet 

die armen so ware he wilt 

3 is. 
rige Gm. 5, dat sing, zu adj. 

rich, 
rls stn. Zweig 28 s. 
risen stv. fatten 236. 
rit stn. SchUfrohr, Gras 61 ss. 
rongen stv. ringen 25 34. 
riven swv. berauben 27 20. 
rnch stm. Creruch 44 89. 
ruche stf. Bedacht, Achtsam- 

keit: dn ne haddes der 

gaden werke ingeine r. 12 8. 
ruchen swv. begehren 61 18; 

vgL geruchen. 
rue stf. Reue 18 27. 50 19 ; Be- 

tr&bnis 83 ss. 535. 



I 



Wortyerzeichnis. 



87 



rtich 




befrubt 442. 



ruwig A. 76 7\ rnwig A. 76 u 

adj. ruhig. 



sache **/".: z& deme hat Got 
rehte s., da he siner minnen 
sin herce mache dem gegen- 
uber hat Gott rechte Ge- 
legenheit, wo er fur seine 
(Go ties) Minne sein (des 

Menschen) Here empfdng- 

kch machen harm 29 1. 
saden swv. sdttigen (mit Genii. 

der Sache) 44 37. 
•fthde ctdj. *scheu, vorsichtig 

5i. 
B&hgen 2 15 {Bat. pi zu stf. 

sache). 
samen zusammen 60 is. 
samli stn. Samen A. 75 s. 



* 



7725. 




sin swv. sagen 55 27. 
satte 19 14. 21 6 (3. p. s. praei. 
zu Bazen oder setzen); vgl. 

gesat, sette. 

s&zen «uw. setzen, festsetzen 

46 34. 51 is. is ; w?!. 
satte tmd sette ; — dat dine 
suchede mohte b. das deiner 
Krankheit em Ziel seizen 
konnie 3626. 

scaden swv. schaden 3 s. 

scemelich adj. beschamend 2 34. 

scende stn.(?) Schande Gm. 184. 

scenden swv. schanden Gm. 197. 

scenhken swv. emschenken 
Gm. 61. 

schal sim. : dat he . . . sole . . . 
Bin en vienden werden ze 
schalle sum Gespott wer- 
den 3827. 

schalc sim.: den bosen sch. 

19 is; ein nndnre sch. 19 19. 

Bchech§re sim. Verbrecher 7 19. 

22. 35 11. 

schel adj. laut 43 96. 
Bchemede stf. Scham 11 27. 
schemelich adj. beschamend 

1716. 

schlre adv. bald 424. 4324. 



Gm. 178; so sch. alse so- 
bald als 922. 



sch6heide aff. 18 s 



schdn- 



heide, haufig) ; v^Z. schdnede. 



schdhen G^m. 80 (= schowen 

swv., haufig). 
scholtgemare swm. *Schuldner 

40 26. 32. 

schdne stf.: die sch. intgegen 

Schonheit 
(Martens) gegenuber der 
Wurde (Christi) Gm. 110. 

schdn- 



wrdicheit 



die 



schdnede Gm. 88 

heide oder schande?). 
schraffen swv. kraizen 36 si. 
schuen swv. scheuen, meiden 

5496. 

sc5n adj. schon 1 24. 
se siehe al se sere, 
selme si{sw7)m. Psalm 4526. 
seltzene <k(;. selien 5 s. 
sette 26 2. 57 22 (3. p. s. praei. 
zu setzen); vgl. satte. 



8h6de Gm. 166 ( : beide) ; 3. p. 

s. praes. eonj. zu scheiden. 

sibbe adj. (stf. ?) verwandt : du 

bis narre b. nnser natoren 

4425. 

sich adj. krank 626. 177. 

33 31. 55n; siech 565. 
side swf. Seite: in beiden 
siden nach beiden Seiten 
hin 1423. 
sigewalt stm.(f.?) Sieggewalt 

2429. 

sin siv. sehen (haufig): seis 
-2.jp. s. praes. ind. 48 ss ; stnde 
pari, praes. 817; slges 2. p. 
s. praei. ind. (conj. ?) 9 14 ; 
sagen 3. p. pi. praei. ind. 

568. 
Bind v. sem : das si . . . Bond 



♦ 



Bind daft sie sollen sein 
A. 76 25. 

sinen dat. pi. zu sin (son) 

Sinn 2 16 (!). 37 26. 

sinnich adj. weise 5227. 

Bint adv. kunftighin Schm. 10 ; 
seiidem 32 88 (sont, Gegen- 
saiz 6) ; conj. da ja Warn. 26. 



sliffes (slSffeB?) 364 (2. p. s 
praei. conj. zu sl&fen). 

smach stm. Geschmack 45 is 
Gm. 119; vgl. gesmach. 

smachen swv. schmecken 45 20 
Warn. 25; vgl. gesmachen 

smaheit stf. Schmach (haufig) 

smeich&re) 




Bm&chere 10 4 

smeichen sw. v. subsi. schmei- 

cheln 9 38. 
smeichere stm. SchmeicMer 8 23. 
sn6dikait stf. Niedrigkeit A. 

7630. 
s6 conj. andererseits 1928; 

adv. femer, hierauf 2427. 



43 26. 



sdch 4 12 (2. p. s. imperat. zu 

stlchen). 
sdgen swv. sdugen 41 34. 
Bon stm. Sinn 38 35. 
sond A. 76 25 (= sullent). 

sons 27 19 Zins, Tribut?: ei 

wi snze ein s. is die reine 
minne, die nit in rovet, 
wan machet riche die sinne ! 

sont vgl. sint. 

spenig siehe widerspenig. 

spreiden swv. verbreiten 33 2a 

sprincborne swm. Spring- 
brunnen Gm. 143. 

sprnzen stv. enispringen 324. 

stail stm. Stahl Gm. 187. 

staren swv. starr hinblicken 

624. 
stechen swv. siecken 48 33 u. s. 
*st6digen swv. festigen 2 12. 
steide adj. standhaft 38. 
sterben stv. absterben A. 77 2. is. 
stihet 18 18 (zu stechen). 
stille swf. StiUe, Schweigen 8 so. 

Btille 3 6. 4 24 (Dat sing, zu 

stm. stil 'Stiel'). 
stomme 8if.Stimme23i. 43 35. 



stnbbe sin. Staub 11 



des 



stnbbes des stolzen bages 

47 19. 
sture stf. Leitung, Stutze, 

Htlfe 23 36. 39 11. 28. 40 21. 

5382. 

Bfigin stv. saugen Gm. 211. 



88 



Wortverzeichnis. 



sunden swv. sundigen Chn. 220. 
snnderdrut stm. Liebling 6 is. 
sunt adj. geaund I24. 
suntlich adj. sundig 50 s. 
sur adj. sauer, schwer 3450. 

Gm. 179; vgl. sflner. 
suren suw. sauer schmecken 

Gm. 182. 
snuer 524 ( 



suzen 



SWV 



Gm. 182. 



sur). 
sup schmecken 



su&r adj. schwer 11 25. 32 13. 53 7. 
suae ck#. schwarz lis (sotut 

snare, snarz). 
sueizen raw. schwitzen 36 so. 
snere www. Geschtcur 16 so. 87. 
snerlich 0^7. beschwerUch 38 8 

(Gegensatz: gemechelich). 
sneven raw. schweben, schwim- 

men Chn. 213. 
snile GeschwuUt stm. 16 7. 9. 

10.19.89. 18 15. 19 35. 21 25; 

st/ 1 . 18 28. 19 13. 20 35. 23 23. 



thretin stm. Herrgott Warn. 43. 
tr&heit stf. Trdgheit: t. zu 

Godes dinste 2 11. 
trehit Bl. 2 (: werdicheit) ; 3. p. 

s. praes. zu stv. trechen 

Ziehen [etitsteUt aus treit 

zu tragen]. 
trecken swv. Ziehen, schleppen 

35 11. 
tringen stv. streben : das er . . . 
hinnach triage A. 75 15. 



umbe praep. fur 40 84. 28 ; 

umbe die deshalb 59. 
umbeganc stm. Umweg 61 12. 
umbehelsunge swf. Umarmung 



34 



* . * 



. 4436. 



umbecant adj. unbekannt 53 24. 
nmbereit adj. unbereit 209. 
umbevan stv. (hdufig) : 3. p. s. 

praes. canj. umbevd 34 88. 

632. 
umbillich adj. 27 3 

billich 26 37. 
umm£re adj. wertlos, 

gultig Gm. 154. 



un- 



gleicJi- 



unbes&t (?) part. adj. un- 
erfahren 60 19 (zu bes&chen). 

underkennen swv. *aus den 
andern herauskennen 813. 

60 1. 
underscheit stn. ISrkenntnis, 
Anzeichen 33 14. 58 2 ; Unter- 

schied 53 11. 55 15; die ge- 
rungen sint ever so gelich, 

dat ir underscheit in is nit 



gelich 



'dasBegehrenswerte 



an beiden ist wiederum so 
gleich, dap Owe Erkenntnis 
mit nichts vergleichbar ist 1 
oder 'dap ihr Unterschied 

gleich nichts ist 1 52 31. 

nndersin stv. refl. sich gegen- 
seiUg bemerken 61 2. 

nndert num. hundert Warn. 18. 

undotlich adj. unsterblich 11 21. 

nndngen stf. Schwdche 31 se. 

undure adj. niedrig, wertlos 
19 19 (Gegensatz geweldich). 

♦ungebrlvet part. adj. un- 
gebucht 12 is. 

nngehdrich adj. ungehorsam 

28 s. 
nngemenget part. adj. unver- 

falscht 4128. 
ungeneme adj. unannehmbar, 

wertlos 4 11. 
ungeschaffen part. adj. form- 

los 24 37. 
nngewrochen siehe wrechen. 

nnenndig adj. ungelehrt 62 83. 

♦unlutter adj., Gegensatz zu 

luter A. 77 19. 

nnminne swf. Hap 574. 
unmuzich adj. : nnmnzich . . . 

an den worden redseUg 13 19. 

unrevSret part. adj. uner- 

schrocken 39 35 ; vgl. erveren. 



* 



untwertliche 

schatzig 9 15 



adv. 



gertng- 

unwert- 



liche). 
unverdregelich adj. unertrdg- 

Itch 1182. 

unzutich adj. unzuchtig 13 s. 
uphigftt stf. tfppigkeit Schm. 88. 

npwert adv. aufwdrts 11 7. 



nrdeil stn. UrteU, Meinung 
(hdufig); jungstes Grericht 

113. 887. 3986. 5528. 56 S3. 

nver ein adv. *insgesamt (P) : 

so da doch der standen tl 
niet in wises da du doch 
nichts von alien Stunden 
insgesamt weipt (fiber die 
Zukunft im Ungewissen hist) 

1029. 

ftverlesen stv. betrachten 34 so. 
uzsl&n stv. verjagen 22 si. 



faiss adj. fett: die gelicht 
man dem faissen acker, da 
der mist wol in gesenket 



ist A. 75 21. 



valle 



adj. 



fahl 



Chn. 



183 



(Gegensatz grnne). 
veilen swv. : gevalt part 41 22. 

Gm. 204. 
*verdiec 2. p. s. imperat su 

verdiechen (?) = swv. ver- 

dinhen unterdrucken : ver- 
diec si 15 36 » 'ddmpfe sie'? 
Oder Zusammenhang mit 
stv. dichen 'fordern'? 
VieUeicht ist ouch uerdiefci 
in verdief si zu bessem 
' vertiefe , verstdrke sie '. 
Boethe erkldrt: vertigo si 

bringe sie in Gang. 

verdolen swv. ertragen 28 86. 

yerdragen stv. zu weit fuhren 

16 4 (sonst = ertragen). 

♦verdulheit stf. Geduld 2726 
(sonst verdnldicheit , ver- 
doldicheit [hdufig]). 

yerdfiwen swv. verdauen 50 si. 

verdu&sen swv. seelisch ver- 
nichten 14 s. 

verg&n stv. vorubergehn: die 
rechennnge in mach dich 
niet y. die Bechnung wird 
dir nicht erspart bleiben 
II34; schwach werden: mine 
ogen sind mir sere ver- 

gangen 2328. 
vergeve8 adv. vergebens 18 w. 

23 22. 47 12. 57 80. 



vergifenisse, vergiffenisse stn. 

Gift 9si. 124. 23m. 
verhengen swv. die Zugel 
schiepen fasten : darnmbe 
in sal man ire nit al Be 

■ere v. 61 7. 
verheven stv. reft. m. (Ten. d. 

Saehe : uberheben Schm. 21. 
verislich adj. = vreislich 5 39. 
vercaldet part. adj. erstarrt 

2828. 

verkeren 



SWV 



zum 



GvXcn 

andern, unpers. : der jnngere 
an deme in was verkeret 
7 21; eine falsehe Eichtung 
geben: hie verkerent si die 
minne 51 7. 

verluen 54 5 (part. perf. zu stv. 
verllhen verieihen). 

vermaledied part. adj. lit. 
12 «. 

vermechen stv. aufhalten 37 34. 

veraan 9 21 (= vernam). 

vernoin 2. p. s. imperat. 

versiehe ' (bei Aus- 
legung van Begriffen) 27 u. 



ver 



mm 



sonst ; vernon 59 10 



ver- 



nom. 



Terr adj. fern A. 75 18. 76 8. 
'verrtdenisse (verredenisse ?) 

sin. Verrat (Verleumdung ?) 

2 31. 

verrMere stm. Verrdter 3 is. 

yersinnen stv. reft, besinnen 
10 23; m. Oenit. d. Saehe: 
eingedenk sein 49 12; auf 
etwas bedacht sein Ghn. 128. 

versman stov. verschtndhen 
(hdufig) ; he sach dar na sich 
alle done v. er sah danach 
itrie aUes thn mipachtete 

31 86. 

yersuenden stov. beseitigen 16 9 



(sonst 



verschwenden). 



vertrnkunge stf. Bedrangnis 

A. lb 14. 
verw&zen stv. verwunschen 15 2. 
verclen stv. m. Genit. d. Saehe : 

verzichten 2928. 
widelen subst. Inf. Schm. 43. 



Wortverzeichnis . 



yindes Genit. des subst. stv. 

yinden 9 38. 

fiole swv. VeQchen Bl 18. 43. 

45. 56. 
fioliri stn. VeQchen Bl 50. 
vleislich, yleisslich adj. fleisch- 

lich Is. 7. 23so. 5383. 62si; 

yleischlich 54 36. 
flichen stv. fUehen A. 75 14. 
*vlimenslach stm. Eisenwunde, 



Stigma 



(zu 



stum. 



ylime 



Fliete) 37 1. 
vlizen stv. uberftiepen: da he 
gare bit sineme blnde yloz 

83 10 (sonst 'fldepen ' [hdufig]). 

vllzichen swv. reft, befleifiigen 

54 s. 
fluith Bl. 24 (3. p. s. prats, zu 

stv. vlin [hdufig]). 

volg§re stm. Nachfolger, An- 

hanger 1726. 23 si. 54 36. 

vol-, voile-, wolleherden swv. 

ausharren (hdufig). 
*yolherdnnge stf.Standhaftig- 

keit : lancmudicheit, aye y.5i4. 
voile adv.: voile sprechen zu 

Ende sprechen 55 s. 
volleist stf FuUe, Vollkommen- 

heit 2229. 
vonde Ghn. 




wande). 

for adv. vorn Gm. 182. 
vordes siehe zevordes. 
vorst stm. Frost 8 19. 33 23. 
vorte, forte stf. Furcht 7 11. 



45 



53 3. Warn. 29 



vorten swv. furchten (hdufig). 
vrechen, nrechen stv.; vgl. 
wrechen. 

vreislich adj. schrecldich, un- 

barmherzig 11 26. 
vrome swm. Heu\ Nutzen 12 1 ; 



vnune 



53 is. 559. 



13 11. 



3937. 



40 s. 



froudebgre adj. freudenreieh 

Gm. 153. 
frouhen swv. freuen Gm. 79. 

139 (sonst frowen, vrowen 

[hdufig]). 
vrnmen swv. nutzen 15 is. 

3937. 40 s. 



89 



vugen swv. fugen 18 24; sich 
8chicken: dat vuget wale 

6122. 

vul adj. faul 4 24. 

vulen swv. zur Faulnis bringen 

829. 4 13. 
vullede swf. FuUe 8 1. 
vnrderen swv. 394. 
vurich, v&rich adj. feurig 11 95. 

Bl.38. 
vim (vnss?) stm. Fuchs 21 34. 




wain 



steht dfters fur v oder wu. 

Unerfahrenheit : 



stm. 



onsen dumben wain 45 32; 

vgl. wan. 
waledMich adj. milde, rechtr 

schaffen 16 so. 
walegelust stf. WoUust 48 is. 
wall en stv. hin und her schwim- 

men: deme wallede vissche 

in deme mere 31 37. 
wan interrog. woher : wan ave 

wovon lb. 

wan doch conj. hingegen 60 39. 

wan stm. Luge 3 14 ; vgl. wain. 

want stf. Seite : an diser vleis- 
lich er w. in diesem h&rper- 
lichen Leben 62 31. 

warehtich , warehtihe 
wahrhaftig 988. 15 7. 

wasen stv. wachsen 21 7. 24 s. 
BL 14. 42. 51 ; vgl. gews. 

wafeno interj.: heil alle und 
w. Warn. 21. 

egen stv. erwagen: w. inde 



adj. 



proven 2220. 
weledich adj. uppig, behaglich 

3326. 

welich pron.: wir in wizzen 
welich wiser ende bezere 
snlen sin welches von un- 
seren beiden Enden (oder 

conj. : ob unser Ende ?) 7 is. 
wenden swv.: wi groze sonde 
si an sich wanden sich auf- 
luden 20 is; der lof . . . sal 
... an dich werden gewant 
soil dir zugesprochen wer- 
den 6228. 



90 



Wortrerzeichnis. 



werf subst. : dusen twerf 11 29 ; 

undert werve Warn. 18; 

anderwerf Warn. 35. 
weset vgl. wasen. 
wichen stv. entweichen 11 is; 

eine Richtung einschlagen: 

die . . . Bchare na ime wichet 
Schm. 30. 
wider praep. m. Dot. da fur , 
ah Gegengabe 23 11. 36 17; 
m. Accus. : wie grozer min- 



nen Got si wert wider dich 



in seinem VerhdUnis zu dir 

2525. 

widerdriven stv. zur Umkehr 

b etc eg en 10 18. 
widere, wieder adv. zuruck 

17 26; zuwider 35. 
widermachen swv. neuschaffen 

40 17. 
widerspenig adj. zuwider 

Warn. 31. 

widerval stm. RuckfaU 40 20. 

widervart stf. RucJckehr 21 19. 

wideraordich adj. entgegen- 

gesetzt 21 14. 
mere adj. (?) drangvoU, qual- 

voll 
dat it 



* 



wirre t 



2 



: ich wenen 
dage ergein na 
dinem dode; die dich nn 
erhevent, die sint dich dan 
vile node 17 38. VieUeicht 
ist auch tin Kompos. wiere- 



dage 



'Tage 



der 



werre 



(Drang sal, Mutual) ' an- 

zunehmen. 
wigen stv. hinabziehen 21 23. 
♦willendes adv. absichUich, 

freiwiUig 31 20; mit dem 
Gegensaiz wider sinen wil- 

len 39 29. 
winen stv. hettien = winnen ? 
Oder verschrieben aus swv. 
weinen 30 36; vgl. gewmen 

2224. 



wirt sim. Hausherr 29 20. 61 16. 

Gm. 3 ; Dat. wirtde Gm. 133. 
wirtliche adv. *haushaUer%8ch, 

sorgsam 39 31. 

wirtschaf stf. GastmaM Schm. 

54. 
wis adj.: die machen dich 

▼an siner arheide w. 33 16; 

die helige scrift die deit 



nns 



3 23. 25 u. 6. 



Schm. 




wiz 



wis 



stf. 



AH 



und Weise : 




ce gelicher w. aise man . . 
dodet 732; die da ingeine 

niet in has gemachet 
27 6; dere he also maniche 
begert 2825. 
wivechin stn. Weiblein 9 19. 
wize st (?) f. HoUenpein Warn. 

14. 
wnden part. perf. zu stv. vin- 

den 32 is. 33 4 ; zu stv. win- 
den 33 s. 
wonden sto. = winden: da 
da in macht noch wichen 
noch w. wo du weder ent- 

umkehren 



weichen 



noch 



winnen ge~ 



Tcannst 11 16. 

♦wonnen stv. 

winnen 50 82. 
wont stiii. Wind 15 34. 35. 18 13. 
♦wordich adj. worUich 622; 

vgl. einich. 
wosen an. v. wis sen 20 17. 
wozen 3. p. pi. praes. des an. 

v. wizzen 15 13 (sonst wizen 

wizzen). 
wcheren swv. seinen Besitz 

mehren 4921. 



» 



wr, wre 



vur, vor, vare. 



wrechen, vrechen stv. rdchen 

229. 11 11. 1420. 19 28.32.33. 
34. 28 21. 

wrm stm. Wurm 4 27. so. 11 21. 
18 7. 



wrce stf. Gewurz 45 s. 

wrzegart stm. Pflanzgehege (?) 
duftiger Garten (?) W. 14. 

wstenie swf. Wuste 30 s. 



9 




ypocrite stm. Heuchler: 
crite, dat is gelichsemere 
die under den gronen wor- 



den 



die 



soarcen 



hercen 



dragen 8 s. 



z§ 228 (= zech zieh). 
zeblnen stv. zerblduen 3596. 
zegenkelich adj. vergangUch, 

eitel Schm. 52; Gegensaiz 

nncegenclich 48 is. 
zeigen stn. Zeichen 19 s. 55 4. 
zemen stv.: die zemet den 

megethen wale bi EL 47. 
cerizen stv. durchbrechen 35 2. 
ceflue, zesae swf. die Rechte 

4236. 5533; adj. 55 so. 682. 
ze vordes adv. zuvorderst 27 17. 
cikelln stn. Zicldein 309. 
zin stv. Ziehen (ofter); zaet 

3. p. 8. praes. ind. 2 15. 31 17, 

znhet 35 25; zagit 4621, 

Gm. 193; zagit -BJ.24; znt 

Gm. 38. 
zindail stm. Zindel, Taffet 

Warn. 39. 
cirheide, cirheit stf. HerrUch- 

Jceit 24 28. 44 7 ; die werelde 

cirheit 6 1 36. 
zogen swv. Ziehen 37 25. 
zdnen swv. offenbaren 20 12. 

30 11. 3629. 61s. 
♦zovers adv. zu oberst 13 10; 

alse overst 13 is. 
znt stf. Zucht 12 37. 13 7 ; znht 

3524; cznht 63s. 
zatich adj. euchtig 16 5 ; zah- 



tich 13 29. 



zairent 



adv 



zweimal 80 4 



40 25. 27. 



I 



Bericktigungen und Ergdnxtmgen. 



1 a 2. sprichet : ' We ; 1 4 geist I \ — 2 29 2. docke. — 4 i 2. ime st. ine. — 4 15 2. eteelich. 
5 12 2. wertdicheide. — 6 29 2. mach. — 7 82 2. ce gelicher wis also. — 8 2 2. Vane. — 9 s? 2. 
Cristas. — 10 36 2. Dir statt Dit; m App. Dit. — 13 13 2. alse. — 16 -Ajjp. su 28—35 I. 28. 
36. 37. — 254 2. sis. — 30 sind die ZeUenzdfOen 20. 25. 30. 35 je cine Zeile noch oben su 
rucken; im Apparat I. 24 st. 23; 32 st 31. — 32 si 2. vile. — ~83s7 2. sin en; str. den App. 
45 im App. fuge hinzu: 36. Wuir. — 50*1 im App. eu 34; d in dine aus n pefc. — 53 so 2. urdeil. 

■ 

59 2 2. ire. — Bl. im App. eu * 2. : Dfc tTberschrift folgt etc. Die Verszahlen 10. 15. 20. 25. 
30. 35 sind je eine Zeile noch unten eu rucken ; im App. 2. 13. 20 st. 14. 21 ; 15 st. 16 ; 19 st. 20 ; 

29 si. 30; 35 st. 36. 



Druck von Ehrhardt Karras, Halle a. S 



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